ich freue mich immer sehr, wenn Interviews nicht an Sprachbarrieren scheitern. Denn auch wenn ich mit meinem Schulfranzösisch im Frankreich-Urlaub schon irgendwie überleben kann, für ein Interview reicht das natürlich nicht. Deswegen bin ich umso dankbarer, wenn Übersetzer als Bindeglied fungieren und so den Austausch erst möglich machen. Wie schade wäre es, ich hätte nicht mit Clara Bretheau über ihre neue Rolle „Lea“ in „Couscous und Geheimnisse“, ihre Sicht auf Frauenfiguren im Film, ihre Theatererfahrungen und Familie sprechen können.
All diese Themen haben mit dem Film durchaus zu tun, ich kann euch ja nur empfehlen diese heißen Sommertage zu nutzen und u.a. Clara Bretheau im Kino dabei zuzusehen, wie sie versucht, sich aus den Lügen ihres Freundes Mehdi zu befreien. Wenn ihr wollt: Ich verlose zum Kinostart auch ein wirklich schönes Filmpaket mit Kinotickets, Küchenzubehör und einem Buch (und ja, der Film spielt in Lyon und nicht Paris, aber Paris ist doch auch immer eine Reise wert, oder?)
Was ist an deiner Lea so besonders?
Clara Bretheau: Ich empfand Lea als eine komplizierte Figur. Ich hatte die Befürchtung, dass sie ein bisschen dumm erscheint, so als würde sie die Lügen von Mehdi glauben. Aber es ist eben auch so, dass sie diesen Mann einfach liebt. Sie beschließt, selbst auf die Suche nach der Wahrheit zu gehen. Denn natürlich spürt sie beim ersten Zusammentreffen mit der falschen Mutter bereits, dass da etwas nicht stimmt.

Die Frauenfiguren in „Couscous und Geheimnisse“ sind alle sehr stark. Wie siehst du das?
Mehdi erschafft diese Lügen. Aber er ist auch der, der am meisten darunter leidet. Die wunderbaren Schwestern sind so modern, fahren ihm die ganze Zeit in die Parade. Er hat es nicht leicht mit ihnen, denn alle sind solche starken Persönlichkeiten.
Nach welchen Rollen suchst du, wenn du Drehbücher angeboten bekommst?
In meinem ersten Film, „Forever Young„* von Valeria Bruni Tedeschi, habe ich eine ganz starke Frauenfigur gespielt. Mich stört, dass Frauen in Filmen oft in Relation zu Männern gesehen werden. Sie sind die Tochter von, die Ehefrau oder Partnerin von … In diesem Fall war meine Figur einfach sie selbst.
Mir ist es wichtig, dass eine Frauenfigur in sich selbst existiert, nicht in einem Verhältnis zu irgendeiner anderen Figur. Aktuell spiele ich in einer Serie von Isabel Crochet eine starke, bipolare Figur, was ich ebenfalls sehr wichtig finde.
Manchmal wünsche ich mir, ich könnte ein bisschen schüchterner und zurückhaltender sein. Aber an dem Punkt bin ich noch nicht. Ich vergleiche das gern mit dem Negativ und dem Positiv eines Fotos. Bisher spiele ich eher das Positiv, die Figuren, die schon entwickelt und voll da sind. Aber das Negativ – Figuren, die ruhiger sind, die auch mal schweigen – das suche ich noch.

Ich mag komplexe Frauenfiguren, die zeigen, wie unterschiedlich wir Frauen eben sind. Aber können Männer diese Frauen so inszenieren, wie es nötig wäre?
Ich habe bisher nur mit einem männlichen Regisseur gearbeitet und das war Amine Adjina in „Couscous und Geheimnisse.“ Ich glaube aber, ich habe auch eine andere Art von Femininität als viele andere und werde deswegen eher von Frauen gecastet. Meinem Gefühl nach sieht man Frauen wie mich nicht so oft im Kino.
Ich glaube aber, es ist für Männer gar nicht so einfach, Frauenfiguren zu schreiben. Sich in das andere Geschlecht hineinzuversetzen, ist sicher nicht leicht. Ich kann mich nicht gut in einen Mann hineinversetzen, weil ich einfach nicht genau weiß, wie ein Mann tickt. Müsste ich eine Männerfigur schreiben, würde ich meinen Freunden wohl erstmal tausende Fragen stellen. [Sie lacht]
Aber es stimmt, dass das Kino eher von Männern dominiert wird und vieles dann eher aus der männlichen Sicht betrachtet wird. Ich möchte aber auch eine Ausnahme hervorheben. Laurent Mauvignier beschreibt Frauen so gut, dass ich mich immer frage, wie er es schafft, so tief in die weibliche Gedankenwelt einzudringen. Einer seiner Romane, „Histoires de la nuit„* [international im Moment als „The Birthday Party“ bekannt] wurde von Léa Mysius verfilmt und lief gerade in Cannes.
Warum bist du Schauspielerin geworden?
Ich bin Pariserin und meine Mutter hat mich von klein auf immer mit in Aufführungen geschleppt. Pina Bausch hat mich wahnsinnig beeindruckt. Ich erinnere mich an eine Tänzerin auf der Bühne, eine Spanierin, die auch Schauspielerin war und auf die Bühne kam und einfach nur „Bonsoir Paris“ gesagt hat. Mich hat das extrem geprägt.
Pina Bausch hat Frauen jeden Alters eine Bühne gegeben, das finde ich wahnsinnig beeindruckend. So viel Vielfalt, das hat dazu geführt, dass ich große Lust aufs Theater bekommen habe. Damit habe ich dann auch angefangen, im Theater liegen meine Wurzeln.
Als ich mit Kino angefangen habe, habe ich gemerkt, dass hier ein ganz anderes Verhältnis zwischen den Schauspielenden und der technischen Crew herrscht. Da sind alle näher beieinander, fast wie eine Familie. Im Theater stehen die Schauspielenden auf der Bühne und die Techniker im Graben, da gibt es keine echte Beziehung zueinander. Da ich ein Einzelkind bin, habe ich mich danach gesehnt, eine große Familie zu haben. Die habe ich im Kino auch gefunden.
Was bedeutet dir Familie?
Ich bin, wie gesagt, Einzelkind. Mein Vater ist Psychiater, meine Mutter Psychologin. Das sagt schon einiges. [Sie lacht]
Ich finde, wir spielen in Familien immer Theater, wir haben alle unsere Rollen, die uns zugeteilt werden. Wir haben die angenommen, erlernt und es ist schwer, aus diesen Rollen wieder herauszufinden.
Vincent Lindon hat, als er in Cannes ausgezeichnet wurde, einmal sinngemäß gesagt: „Ich habe mein ganzes Leben diese Arbeit gemacht, um von meinen Eltern gesehen zu werden und jetzt sind meine Eltern tot.“
Ich möchte meinen Eltern, die mich wirklich sehr geliebt haben, etwas zurückgeben. Natürlich ist meine Familie, wie jede andere auch, voller Neurosen und Probleme. Aber ich finde, meine Eltern haben mich gut erzogen, gut ins Leben begleitet. Ich möchte, dass ich ihnen mit meinen Rollen, meinem Spiel auch etwas zurückgeben und sie stolz machen kann.
Meine Mutter ist, als sie nach Paris gezogen ist, im ersten Jahr 300 Mal ins Theater gegangen. Die Kunst wäre sicher ein guter Ort für sie gewesen – sie hätte auch gern in diesem Bereich gearbeitet. Aber es ist dann anders gekommen. Als ich mit meinen Eltern in Cannes eingeladen war, hat mich das sehr stolz gemacht, weil ich ihnen etwas von all der Liebe, die sie mir geschenkt haben, zurückgeben konnte.
Wie war dein Weg zum Film? Denn Arnaud Binard hat im Interview erzählt, dass es für ihn vom Theater zum Film gar nicht so leicht war. Wie lief das bei dir?
Mein erster Film war eben „Forever Young“ von Valeria Bruni Tedeschi, die aus der Schule von Patrice Chéreau stammt. Das ist ja in erster Linie Theater.
Ich fühle mich sehr verwöhnt, weil ich von Anfang an als eine komplette Schauspielerin betrachtet wurde. Als ich vorsprechen musste, war das auch ein Monolog und die gibt es ja nun mal vor allem im Theater. Mir wurde am Set von Valeria Bruni Tedeschi sehr schnell vertraut.
Als Theaterschauspielerin muss ich sehr streng mit mir sein, weil jede einzelne Aufführung anders ist. Ich kann eine großartige Aufführung haben, fühle mich dann vielleicht einen Ticken zu sicher und am Abend später geht es dann schief. Beim Film erlebe ich das weniger, deswegen hoffe ich auch, dass mein Weg da noch lange weitergehen wird.
Generell habe ich aber den Eindruck, dass Schauspielenden mit Theaterhintergrund in Frankreich von Anfang an mehr Vertrauen entgegengebracht wird.

Im Film spielt Essen eine große Rolle, deswegen muss ich mit dieser Frage abschließen: Was ist dein Lieblingsessen?
Mein Lieblingsessen ist ein russisches Gericht, Kulebjaka. Ein Hefeteig, gefüllt mit Lachs und ganz vielen anderen Zutaten und dann im Ofen gebacken.
Gewinnspiel zu „Couscous und Geheimnisse“

„Couscous und Geheinmisse“ läuft ab dem 25. Juni 2026 in den Kinos und damit ihr euch so richtig vorfreuen könnt, verlose ich ein tolles Film-Set an euch. Es besteht aus:
- 2 Kinokarten zum Film
- dem fünfteiligen Küchenhelferset „Essential“ in blau
- und dem Buch „PARIS ZUM VERLIEBEN“ – Orte, die das Herz berühren *

Und hier wie immer die Teilnahmebedingungen
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Teilnehmen könnt ihr auch per Mail, dann bitte an: gewinnspiel at runzelfuesschen punkt de
Dann gebt im Betreff bitte „Couscous“ an.
Wer seine Mailadresse zur möglichen Gewinnbenachrichtigung nicht angeben möchte kann alternativ auch gern eine Mail an gewinnspiel at runzelfuesschen punkt de schicken.
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Teilnahmeschluss ist der 29. Juni 2026 um 23:59 Uhr.
Viel Glück!
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