Machen wirs ganz kurz: Schaut euch „Was haben wir gelacht“ im Kino an. Aber eine längere Antwort, warum ihr das unbedingt tun solltet, habe ich natürlich auch.
Wer in den 90er und frühen 2000ern Frauen in den Unterhaltungssendungen deutschen Fernsehen gesehen hat, bekam den Eindruck, dass die nettes Beiwerk waren. Egal wie viel diese Frauen konnten, wie smart und eloquent und lustig sie waren, sie wurden reduziert auf Knie, die man tätscheln kann, Körper zum Kommentieren und Assistentinnen. Der Dokumentarfilm von Eva Müller und Isabel Schneider zeigt das in einer Deutlichkeit, die wirklich nochmal neu erschreckt.
Szenen, die wehtun
Hella von Sinnen, Maren Kroymann, Gaby Köster, Esther Schweins und Bettina Böttinger kommentieren in „Was haben wir gelacht“ Archivaufnahmen, die knapp 30 Jahre alt sind. Sie wirken wie aus einer anderen Welt und sind es leider nicht.
Hella von Sinnen erzählt, wie Männer beim Kölner Karneval geschlossen den Saal verließen, sobald sie die Bühne betrat, und wie ihr danach in einer Talkshow angedichtet wurde, sie sei gescheitert. Maren Kroymann kommentiert das trocken mit „wie Trump“, weil sich Menschen ihr Weltbild schon länger zurecht lügen, als der US-Präsident das tut. Esther Schweins wurde immer wieder auf ihr Aussehen reduziert, als wäre sie ein Dekoelement und nicht eine sehr smarte Frau mit ungeheurem Witz.

Humor ist Macht
Es gab schon immer Frauen in der Unterhaltung, aber sie waren nur die Unterstützung für die Männer. Die Punchline, für „kennste, kennste“ Witze, für männlichen Humor. Dass Frauen super lustig sind, Pointen setzen können, ohne dabei immer auf das andere Geschlecht herabzusschauen, das zeigt sich erst nach und nach. Und es ist in großen Teilen Frauen wie Hella von Sinnen, Maren Kroymann, Gabi Köster und Esther Schweins zu verdanken.
Eva Müller und Isabel Schneider rechnen, obwohl das so einfach möglich wäre, in ihrem Film nicht mit der Unterhaltungsindustrie ab. Das könnt ihr selbst nach dem Kinobesuch tun. Sie zeigen vielmehr extrem klug, wie beharrlich Frauen das Humorverständnis eines ganzen Landes überarbeiten musten. Wie sie dafür gesorgt haben, dass Frauen endlich Gehör finden, dass Humor nicht nach Frauen tritt, sondern zeigt, wie viel Können, wie viel Klugheit und wie viel Durchhaltevermögen in ihnen steckt. Ich habe beim Schauen so oft gedacht: Wie schwer muss das für sie gewesen sein. Ob sie wohl wissen, wie viel sie für so viele getan haben, die nach ihnen kamen? Und für all die Frauen, die sich plötzlich repräsentiert gefühlt haben?
Wir dürfen uneins sein, wenn da Wohlwollen herrscht
Ich habe vor Kurzem über Dieter Nuhr geschrieben und allgemein darüber, dass im Humorverständnis von manchen Commedians lieber nach unten getreten wird, als noch oben. Mit meinem persönlichen Humorverständnis hat das wenig zu tun. Vielleicht war „Was haben wir gelacht“ auch deswegen so eine extreme Wohltat für mich, weil sich darin so viele kluge Sachen finden.
Und, weil die Frauen etwas können, was ich selten erlebe: Sie können uneins miteinander sein, und fein damit. Sie müssen sich nicht gegenseitig überzeugen, sie können, zumindest in dieser Doku, gut damit leben, dass die eine etwas lustig findet, die andere nicht. Dass eine emotional wird, die andere das einen falschen Weg findet. Wir sind alle unterschiedlich und das ist ok und gut so. Solange Wohlwollen und Akzeptanz dahinter steckt, können wir unbedingt auch uneins miteinander sein.
Man darf Aussagen und Gedanken hinterfragen
Was mir ebenfalls gut gefällt: Wir alle wissen, dass nicht jeder Witz gut altert. Nicht jede Aussage ist für immer in Stein gemeißelt und es lohnt sich, darüber nachzudenken, ob man eine Aussage von vor 25 Jahren heute so wiederholen würde. Machen nur sehr wenige. Maren Kroymann tut es. Angesprochen auf einen Witz, lenkt sie, nach einigen Überlegungen ein. Sie hinterfragt sich, hält inne. Genau das brauchen wir. Und ich sehe das viel viel viel zu selten bei Männern.
Nachdem ich „Was haben wir gelacht“ gesehen habe, hatte ich eine interessante Diskussion mit meinem Mann. Denn auch wenn uns beiden bewusst war, wie das Fernsehen früher war, es in dieser Geballtheit zu sehen, das macht durchaus was mit Männern. Und das finde ich gut. Deswegen wünsche ich euch nicht nur eine gute Zeit im Kino, sondern auch erhellende Gespräche im Anschluss. Wenn ihr wollt, schreibt auch gern mir, was ihr aus dem Film mitgenommen habt.
„Was haben wir gelacht“ läuft aktuell im Kino

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