Niobe Eckert zu "Tage, die es nicht gab" im Interview mit Andrea Zschocher

Niobe Eckert: „Ich finde, es braucht Mut, dem Gegenüber zu sagen: Das hat mich verletzt.“

Ich werde ja nicht müde, euch „Tage, die es nicht gab“ aus der ARD Mediathek ans Herz zu legen. Ihr könnt die ersten beiden Staffeln (ich hoffe auf weitere!) da sehr gut streamen und auch Niobe Eckert dabei zuschauen, wie sie die Teenagerin Sarah verkörpert, die nicht nur ihre Pubertät navigieren muss, sondern auch jede Menge Geheimnisse und toxische Verhaltensweisen.

Im Interview sprechen wir nicht nur über ihre Rolle und die Serie, sondern auch über ihre Ausbildung zur Musicaldarstellerin, Schule im Allgemeinen und Frauenfreundschaften.

Was magst du an Sarah am liebsten und wo siehst du vielleicht sogar Parallelen zu dir selbst?

Niobe Eckert: Ich mag Sarahs Sinn für Humor sehr. Sie hat starke Comebacks, ihr Humor ist sehr trocken und ehrlich. Das finde ich ziemlich cool. Mir hat es super viel Spaß gemacht, sie so zu spielen.

Aber ich sehe ehrlicherweise sehr viele Parallelen. Beim Casting damals habe ich schon gedacht: Das bin ich! Ich hatte das Gefühl, da hätte jemand mich in einem privaten Gespräch belauscht und das dann aufgeschrieben.

Sarah ist grundsätzlich sehr klar. Sie weiß, wer sie ist, wer sie sein möchte, auch wenn sie noch sehr jung ist. Sie sagt immer das, was sie denkt, aber immer erst, nachdem sie überlegt hat. Sie ist niemand, der einfach Dinge rausschreit und dann guckt, was passiert.

Ich finde Sarah sehr mutig, sie steht zu sich und lässt sich von ihrem Weg nicht abbringen. Sie hat es geschafft, dass sie in diesem toxischen Umfeld, auch die Schule ist ja so, nicht untergeht. Sie entscheidet sich dafür, sich nicht runterziehen zu lassen, sie möchte an der Situation wachsen. Sie will die Schule beenden und dann eine Karriere starten, unabhängig und eigenständig.

Niobe Eckert zu "Tage, die es nicht gab" im Interview mit Andrea Zschocher
© ORF/MR Film/Petro Domenigg

Apropos jung: Du wurdest für die Rolle gecastet, als du 14 warst. Und Sarah ist in der Serie auch 14. Wie war das für dich, eine Rolle zu spielen, mit der du gleich alt bist?

Ich wurde am Set öfter gefragt, wie alt ich bin, weil das natürlich nicht alle wissen. Als sie erfahren haben, dass ich gleich alt wie meine Rolle bin, hat das einige schon schockiert, weil das einfach nicht so gängig ist. Normalerweise werden Teenager in Filmen oder Serien von jungen erwachsenen Schauspierinnen und Schauspielern gespielt.

Für mich war das Spiel aber recht naheliegend. Ich glaube, jemanden zu spielen, der viel älter ist als ich, ist wesentlich schwieriger. Ich kannte die Situationen mit Pubertät, Teenie-Drama in der Schule und im Freundeskreis.

Deine Sarah besucht eine Schule, auf der schon die Mütter gelitten haben. Da deine Schulzeit viel kürzer zurückliegt als meine: Was wünschst du dir, wie Schule funktioniert?

Meiner Meinung nach beginnt Schule zu früh. Ich verstehe nicht, wie von jungen Menschen erwartet wird um 8 Uhr morgens zu funktionieren, Texte zu analysieren und sich mit Mathe zu beschäftigen. Viele können das, aber manche eben nicht und auf diese muss man genauso Rücksicht nehmen. Ich verstehe, dass das generell schwierig ist. Viele Lehrerinnen und Lehrer haben eine Lernmethode, und wenn man da nicht mitkommt, hat man Pech gehabt. Es wäre gut, wenn es mehr Lernmethoden geben würde, die umfassender und vielschichtiger sind. Denn wir lernen alle auf unterschiedliche Arten.

Niobe Eckert zu "Tage, die es nicht gab" im Interview mit Andrea Zschocher
© ORF/MR Film/

Deine Sarah hat sehr viel Witz, ist mutig und gleichzeitig aber auch freundlich. Sie mobbt niemanden, kümmert sich. Wie können wir alle ein bisschen mehr wie Sarah werden?

Empathisch sein! Freundlich und nett bleiben, nicht gemein werden. Man weiß nie, was beim Gegenüber gerade noch so los ist. Deswegen versuche ich auch immer Verständnis aufzubringen.

Wenn mich jemand schlecht behandelt, setze ich aber auch ganz klar Grenzen. Ich finde, es braucht Mut, dem Gegenüber zu sagen: Das hat mich verletzt. Ich möchte nicht, dass du das tust. Viele Leute haben Angst vor der Konfrontation, aber offen zu signalisieren, was man nicht möchte, ist wichtig.

Ich versuche immer, anderen Leuten ein gutes Gefühl zu geben und offen zu sein.

„Tage, die es nicht gab“ ist für mich eine feministische Serie, weil die Frauenfiguren alle stark sind und nicht immer um Männer kreisen. Brauchen wir mehr solcher Serien und wenn ja, warum?

Wir brauchen sie, weil die Frauen, die hier gezeigt werden, nicht perfekt sind. Sie sind in unterschiedlichen Lebensabschnitten, es werden ihre Probleme mit Kindern, Partnern und Jobs gezeigt, da kann sich jeder wiederfinden. Die Serie ist sehr nah am Alltag dran, auch wenn wir nicht alle so viel Geld und Geheimnisse haben.

Ich schätze die Kraft, die diese Frauen haben, sehr. Man kann sie als Vorbilder für das eigene Leben sehen und erkennen, dass man gar nicht allein ist mit seinen Gefühlen.

Niobe Eckert zu "Tage, die es nicht gab" im Interview mit Andrea Zschocher
© ORF/MR Film

Was macht gute Frauenfreundschaften aus?

Ich habe fast nur Freundinnen, deswegen sind mir Frauenfreundschaften unglaublich wichtig. Ein Aspekt bei Frauenfreundschaften ist die Konkurrenz, die uns von der Gesellschaft auferlegt wird. Die will, dass wir Frauen uns immer miteinander vergleichen, dass wir gegeneinander kämpfen.

Es geht darum, ehrlich zueinander zu sein. Ich habe mir schon öfter Dinge in meinem Kopf zusammengereimt, die dann überhaupt nicht stimmten. Statt mich jetzt in etwas reinzusteigern, spreche ich es jetzt einfach an. Freundschaften halten das aus, das ist ja auch wichtig zu verstehen. Wenn du Personen in deinem Leben hast, mit denen du ehrlich sein kannst, dann wissen die deine tiefsten Geheimnisse und dann können sie auch damit umgehen.

Sowohl im Schauspielbereich als auch jetzt während deiner Ausbildung zur Musicaldarstellerin bist du immer vom Thema Konkurrenz umgeben. Wie gehst du damit um?

Die Musicalszene ist sehr frauendominiert, jedoch gibt es nicht so viele vielschichte Frauenrollen. In meiner Klasse an der „Stage School Hamburg“ sind wir zu zehnt und sprechen über dieses Thema. Wir verbringen viel Zeit miteinander und haben beschlossen, dass wir uns für die gesamte Zeit der Ausbildung unterstützen wollen. Wir wollen füreinander da sein, uns gegenseitig helfen. Ich finde es schöner, einander Dinge zu gönnen.

Du bist mit dem Schauspiel gestartet, machst jetzt aber eine Ausbildung zur Musicaldarstellerin. Warum? Du hättest ja auch an eine Schauspielschule gehen können.

Schauspiel, Singen und auch Tanzen begleiten mich schon mein ganzes Leben, seit sechs Jahren habe ich auch noch professionellen Gesangsunterricht. Das Tanzen habe ich auch im Verein gemacht, aber in erster Linie schon mehr zuhause. Ich habe also diese drei Leidenschaften und einen Weg gesucht, die zu vereinen. Für mich ist diese Ausbildung perfekt, da ich Musicals liebe, denn ich bin ein sehr musikalischer Mensch. Bei der Vorbereitung auf die Prüfung habe ich gemerkt, wie gut es mir tut, die drei wichtigen Aspekte in meinem Leben miteinander zu verknüpfen.

„Tage, die es nicht gab“ könnt ihr in der ARD Mediathek streamen.


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