Julian Janssen im Interview zu "Das Geheimnis der gestohlenen Maske" mit Andrea Zschocher

Julian Janssen: „Neugier ist der Schlüssel für die Welt.“

Ich liebe die Eingangsfrage, die ich auch Julian Janssen gestellt habe, weil es soooo viele unterschiedliche Antworten darauf gibt. Geht mal in euch: Wann ist ein Kinderfilm für euch ein guter? Und dann gleicht eure Antwort mit der von Julian Janssen ab. Wie weit liegt ihr auseinander?

Und ja, wenn ihr jetzt denkt: Julian Janssen, den kenn ich doch, dann kann ich nur sagen: jupp. Der Schauspieler und Moderator ist auch als „Checker Julian“ bekannt. Wir haben im Interview auch die Checker-Welt gestriffen, Grund fürs Gespräch war aber seine Rolle im neuen Kinderfilm „Das Geheimnis der verlorenen Maske“.

Was macht einen Kinderfilm zu einem guten Kinderfilm?

Julian Janssen: Eigentlich ist der Unterschied zu dem, was einen guten Erwachsenenfilm ausmacht, gar nicht so groß. Ich finde es wichtig, dass man den Kindern viel zutraut und ihnen auf Augenhöhe begegnet. Wenn der Film unterhalten soll, muss er witzig sein, wenn es ein spannender Film ist, braucht er Spannung.

Ähnliche Maßstäbe an Kinder- und Erwachsenenfilme zu setzen, ist doch eine gute Idee. Dann kriegt man am Ende einen guten Film und alle fühlen sich unterhalten.

Julian Janssen im Interview zu "Das Geheimnis der gestohlenen Maske" mit Andrea Zschocher
© Steffen Junghans

„Das Geheimnis der gestohlenen Maske“ beschäftigt sich auch mit dem Thema Beutekunst und Museen. Warum sind Museen tolle Orte?

Museen öffnen Tore in andere Welten. Ich liebe Bücher, aber Museen bieten die Möglichkeit, andere Welten zu erleben, ohne seinen Kopf zwischen Buchseiten zu stecken. Hier kann man die Sachen wirklich ansehen, manchmal auch anfassen und sich ganz anders vorstellen, wie das zu anderen Zeiten oder an anderen Orten auf der Welt ist oder war.

Durch den Film kann man auch sehen, dass es kri=sch zu betrachten ist, wie und wer Kunst ausstellt. Gerade dann, wenn sie nicht in diese Länder gehört. Deutsche haben vor langer Zeit Kunst geraubt und auch wenn das natürlich für uns interessant ist, sich die anzusehen, gehört sie uns nicht.

Was hat dich an dem Film gereizt, dass du mitspielen wolltest?

Einerseits habe ich mich sehr darüber gefreut, dass ich eine lustige Rolle spielen darf. Aber auf einer tieferen Ebene ging es mir auch darum, mithelfen zu können, diese wichtigen Themen zu vermitteln. Ich mag Filme, die nicht nur wirklich unterhaltsam, sondern auch spannend und lehrreich sind.

[Unser Interview wird kurz unterbrochen, weil Kinder „Checker Julian“ entdecken]

Wie ist das für dich, dass Kinder dich überall erkennen?

Ich freue mich über die Begegnungen, auch auf der Straße oder wo immer Kinder mit mir ins Gespräch kommen. Ich habe wirklich tolle Fans und es ist lustig, dass manche ja inzwischen auch schon 18 oder 19 sind. Ich mache das seit neun Jahren, da sind mittlerweile einige Grundschüler:innen mit mir erwachsen geworden. [Er lacht]

Julian Janssen im Interview zu "Das Geheimnis der gestohlenen Maske" mit Andrea Zschocher
© Steffen Junghans

Du bist ja viel im TV zu sehen, jetzt auch auf der großen Kinoleinwand. Kannst du dich gut selber sehen?

Ich weiß, dass es für viele ganz komisch ist, sich selbst in einer Sprachnachricht zu hören oder in einem Video zu sehen. Manche schämen sich da richtig. Ich kann aber allen Mut machen: Man gewöhnt sich daran. Je öfter man sich hört oder sieht, umso einfacher wird es.

Ich habe Medienwissenschaft und Germanistik studiert und hatte ursprünglich keine Ausbildung als Moderator. Deswegen war es für mich schon auch wichtig, dass ich mir meine Folgen anschaue und gucke: Was mache ich mit meinen Händen? Wie stehe ich eigentlich da? Kann man mich gut verstehen oder nuschel ich? Meine Mutter hat zuhause immer gesagt, ich würde nuscheln und so nur schwer Moderator werden können.

An der Uni habe ich bereits im ersten Semester im Uniradio moderiert. Sie hat sich das angehört und gemeint: Wieso redest du da so deutlich und zuhause kann man dich manchmal gar nicht verstehen? [Er lacht]

Wenn ich wirklich will, kann ich scheinbar sehr deutlich sprechen.

Du zeigst damit ja auch, dass Wünsche wahr werden können. Du bist deinen Traum von der Moderation ja sehr gezielt angegangen.

Es war eine bewusste Entscheidung und trotzdem ein kleiner Glücksfall. Denn ich habe ja gar nicht darüber nachgedacht, dass ich jemals Kinderfernsehen machen könnte. Bis eine Freundin mich darauf hingewiesen hat, dass ein Moderator gesucht wird. Ich habe mir dann „Checker Tobi“-Folgen angeschaut und war davon total begeistert. Eigentlich wollte ich Radiomoderator werden und den Leuten von meinen allergeheimsten Musiktipps erzählen. Aber jetzt bin ich wirklich sehr glücklich das Privileg zu haben so einen spannenden, erfüllenden, lehrreichen und tollen Job machen zu dürfen!

Johanna braucht im Film ihre Freundinnen, ohne die sie manchmal echt aufgeschmissen wäre. Warum sind FreundschaFen so wichRg fürs Leben?

Freundschaften sind so wichtig, weil wir unsere Sorgen mit anderen teilen können. Wir alle kommen ohne Freundinnen nicht besonders weit.

Wichtig ist, dass man sich auch gut zuhört. Ich habe mal eine Sendung dazu gemacht, die hieß „Der Freundschafts-Check“ und da habe ich mit meinem besten Freund Emi gesprochen. Denn Emi hat mir immer zugehört, wenn ich als Kind traurig war, weil meine Eltern sich getrennt haben. Er war und ist so wichtig für mich, hat mir damals ganz viel Last von den Schultern genommen und mir geholfen, mit dieser neuen Situation klarzukommen. Ich bin ihm bis heute dankbar dafür.

Wie fühlt sich das an, so etwas Privates mit so vielen Menschen zu teilen?

Ich finde das schön, weil ich damit ja auch nicht allein bin. Früher habe ich mich mit dem Thema getrennte Eltern oft allein gefühlt. Ich habe gedacht, ich bin das einzige Kind, bei dem das so ist. Aber wir wissen ja, dass sich immer mehr Menschen scheiden lassen. Deswegen wissen inzwischen mehr Kinder, wie sich das anfühlt.

Mein Job als Kinderreporter ist es ja nicht immer nur, lustig zu sein, Spaß zu machen. Ich habe auch eine Verantwortung. Ich will nicht nur mit der Achterbahn fahren, ich will auch erklären, was während dieser Fahrt im Körper passiert. Und so habe ich das beim Freundschafts-Check auch gesehen.

Es war eine tolle Gelegenheit, Kindern zu zeigen: Vielleicht kennt ihr das auch, es ist okay, darüber zu reden. Man sollte Themen nicht für sich behalten, damit man Tipps bekommen kann und merkt: Man ist gar nicht allein. Und andere sind für einen da, wenn es einem nicht gut geht.

Julian Janssen im Interview zu "Das Geheimnis der gestohlenen Maske" mit Andrea Zschocher
© Joel Heyd

Ihr Checker*innen seid alle neugierig und Johanna ist es im Film auch. Warum brauchen wir Neugier in unserem Leben?

Neugier ist der Schlüssel für die Welt. Nur so können wir sie uns erschließen. Es ist wichtig, so lange nachzufragen, bis man etwas verstanden hat. Man darf sich nie für Fragen schämen. Oder vielleicht gerade wenn man sich schämt, weiter Fragen stellen.

Niemand kann doch alles wissen. Man muss sich entscheiden: Will man eitel sein und so tun, als wüsste man alles und blamiert sich irgendwann, weil rauskommt, dass das nicht stimmt, oder gibt man einfach zu, dass man nicht alles weiß. Was ja total normal ist.

Wer sich nicht traut zu fragen, verpasst Chancen. Dabei ist es doch so wichtig, Sachen zu verstehen. Wer nur googelt oder die KI fragt, wird aber nicht wirklich begreifen. Denn am besten versteht man Dinge, wenn jemand anderes sie einem erklärt.

Macht dir das Sorgen für die Zukunft, dass wir zu viel mit KI machen und zu wenig im Austausch miteinander sind?

Manchmal schon. Ich habe das Gefühl, dass wir dadurch, dass wir jederzeit nach Dingen googlen oder die KI dazu befragen können, weniger im Außen sind. Dass KI auch gefährlich sein kann, darüber könnten wir auch diskutieren. Oder darüber, wie die KI gar nicht erst zur Gefahr wird. Aber wir sollten auch darüber sprechen, welche Chancen KI bietet. Uns komplexe Arbeiten abzunehmen, für die wir viel Zeit gebraucht haben, die jetzt nicht mehr von uns benötigt wird. Wir können in der Zeit andere Dinge tun.

Was ich bedauerlich finde, ist, dass so viele künstlerische Sachen an die KI ausgelagert werden. Weil Menschen plötzlich denken, das könnte die KI machen, statt Menschen damit zu beauftragen. Ich finde das ungerecht, weil die KI ja mit Vorlagen von Menschen gefüttert wurde. Und die dafür kein Geld bekommen haben. KI-Firmen beuten viele Menschen aus. Und unsere Erde.

Ich hoffe, dass das bald geregelt wird, so dass diese Ausbeutung gestoppt werden kann. Die Vorteile der KI sind im medizinischen Bereich für mich schon zu sehen. Da können Ärzte und Ärztinnen gemeinsam mit der KI einfacher auf Diagnosen kommen und Krankheiten besser heilen. Technik grundsätzlich verbessert sich.

Aber wir müssen aufpassen, dass mit KI nicht so viel Unsinn betrieben wird. Diese ganzen Fake-Videos, das ist einfach schrecklich.

Der Film heißt „Das Geheimnis der gestohlenen Maske“. Gab es ein Geheimnis oder ein Rätsel, das dich als Kind fasziniert hat?

Ich fand Nessie, das Monster von Loch Ness, schon immer spannend. Ich habe immer gedacht, dass die noch mal eine große Rolle in meinem Leben spielen wird. Dass ich da mal hinfahren werde und das Geheimnis um Nessie lüfte. Vielleicht sind die Dinos ja noch immer unter uns? Vielleicht wurde Nessie auch schon gefunden, aber die Leute, die sie entdeckt haben, sind dann einfach verschwunden? [Er lacht]

„Das Geheimnis der gestohlenen Maske“ könnt ihr ab sofort im Kino anschauen.


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