Florian Lukas & Simon Rupp im Interview zu "Das gewisse Etwas" mit Andrea Zschocher

Florian Lukas & Simon Rupp: „Ich wünsche mir einen selbstverständlicheren Umgang mit all unseren Verrücktheiten, egal ob mit Behinderungen oder ohne“

Am schwersten beim Interview mit Florian Lukas und Simon Rupp zum Filmstart von „Das gewisse Etwas“? nicht in Florian Lukas`berlinern miteinzusteigen. Das wäre Simon Rupp gegenüber extrem unfair gewesen. Und so habe ich ohne jeden Dialekt meine Fragen gestellt und wir haben über den Film, Freundschaften und Fußball gesprochen: Davon habe ich überhaupt keine Ahnung, aber das macht ja nichts. Über Meditation haben wir auch gesprochen, damit kenne ich mich immerhin ein bisschen aus. Und ihr?

Was habt ihr beim Dreh voneinander gelernt?

Florian Lukas: Ich habe sehr vieles gelernt, unter anderem, gut einen Fußball zu passen. Wir haben so eine schöne Zweierszene gedreht, bei der wir im Sonnenuntergang Fußball gespielt haben. Die haben wir, obwohl die Dreharbeiten alle in Oberammergau waren, in Unterammergau gedreht und haben inklusive Drohnenflügen mit sehr kleinem Team diese eine Szene gedreht. Es war toll, wie wir zwei uns da koordiniert haben. Ich habe den Steilpass zu Simon gespielt und der hatte das perfekte Timing und den Fußball dann eingenetzt. Wir haben so schön miteinander harmoniert und kooperiert, da im schönen bayerischen Abendlicht.

Und noch etwas, das ich von Simon auch gelernt habe, ist diese liebevolle Zugewandtheit. Das habe ich von den anderen Ensemblemitgliedern auch bekommen und das ist für mich wirklich etwas Besonderes. Ich weiß ja, dass man in Interviews gerne mal übertreibt, aber glaub mir, das war eine absolut einmalige Erfahrung für mich.

Simon Rupp: Ich finde den ganzen Film gut. Und das, was ich mit Florian gedreht habe, hat mir auch Spaß gemacht. Die Fußballszenen waren die besten für mich.

Florian Lukas: Was wirklich schön war, war die viele Zeit, die wir bekommen haben, um uns kennenzulernen und miteinander anzufreunden. Das war wichtig, damit da keine komischen Ängstlichkeiten oder Zurückhaltungen entstehen. Ohne diese Zeit wäre es gar nicht möglich gewesen, so selbstverständlich und vertraut miteinander umzugehen. Dieser Vorlauf war die Ausnahme, normalerweise sollen wir ja immer sofort funktionieren und alles möglichst schnell passieren. Bei „Das gewisse Etwas“ gab es einen langen Vorlauf, was für den Film wichtig war.

Florian Lukas & Simon Rupp im Interview zu "Das gewisse Etwas" mit Andrea Zschocher
@ Constantin Film Distribution GmbH / Jürgen Olczyk

Simon, ich habe gesehen, du warst beim FC Bayern. Wie war das für dich?

Simon Rupp: Das war mega cool. Ich habe gesehen, wie die Profis trainiert haben, wie die beim Fußball gewinnen. Ich war noch nie in der Allianz Arena, die ist so groß, wow. Ich habe mit den Profis über den Film geredet, meine Kollegen aus dem Film waren auch dabei. Wir haben uns den Trailer vom Film angeschaut, auch mit dem Trainer vom FC Bayern und dann haben sie am Ende 5:1 gewonnen. Das war cool.

Zwischen euren beiden Figuren Karlo und Joschua entwickelt sich eine Freundschaft. Was macht Freundschaft für euch aus?

Ich finde ihn sehr nett, cool und freundlich. Mehr kann ich über ihn nicht sagen.

Florian Lukas: Für mich bedeutet eine gute Freundschaft, dass man in den ernsthaften, schwierigen und schweren Situationen im Leben wirklich füreinander da ist. Ich bin sehr viel unterwegs und ziemlich selten Zuhause. Da schaffe ich es dann nur Kontakt mit meiner Familie zu halten. Der Bereich Freundschaften ist bei mir tatsächlich etwas unterbelichtet. Ich habe wenige Freunde, die aber schon seit Jahrzehnten. Es ist wirklich schwer, mit mir in Kontakt zu bleiben. Freundschaft bedeutet für mich nicht, dass man sich täglich sieht. Es kann auch mal ein halbes Jahr vergehen, ohne dass wir uns gesehen oder gesprochen haben. Und echte Freundschaft knüpft dann trotzdem wieder an. Wir sind uns sofort wieder nah. Diese Art von Freundschaft, die ist mir wichtig.

Florian Lukas & Simon Rupp im Interview zu "Das gewisse Etwas" mit Andrea Zschocher
@ Constantin Film Distribution GmbH / Jürgen Olczyk

Dein Karlo leitet im Film eine Meditationsübung, die wirklich sehr lustig ist. Wie sieht es denn mit deiner Meditationserfahrung aus?

Ich habe mich mal an Meditation versucht. Aber ich habe die kindliche Unruhe in mir, die ich nie wirklich ablegen konnte. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich in Bewegung bin, körperlich aber auch mental. Ich muss mich wirklich dazu zwingen, mal ein bisschen runterzufahren und eine Meditationsübung zu probieren. Mir hilft das schon.

Wenn andere auch so unruhig sind wie ich, kann ich denen nur dazu raten, das mal auszuprobieren und sich darauf einzulassen. Ich finde es interessant, dass man das auch vor Jahren mal gemacht haben kann und es dann trotzdem recht leicht reaktivieren kann.

Man kann sich runteratmen, aber ich mache das nicht regelmäßig. Ehrlicherweise auch, weil ich wahnsinnig dabei werde. Denn die ersten 20 Minuten denke ich nur darüber nach, was ich alles noch machen und mir jetzt unbedingt merken muss. Dann greif ich zum digitalen Notizzettel und schreib mir das auf und dann isses auch vorbei. Es fällt mir schwer, mich selbst zur Ruhe zu bringen. Deswegen beschränke ich meine Meditationen in extremen Situationen auf wenige Minuten, um mich einmal kurz runterzufahren.

Florian Lukas & Simon Rupp im Interview zu "Das gewisse Etwas" mit Andrea Zschocher
@ Constantin Film Distribution GmbH / Jürgen Olczyk

(@ Constantin Film Distribution GmbH / Jürgen Olczyk)

Simon, meditierst du regelmäßig, so wie ihr das im Film gemacht habt, dass ihr euch hinlegt und nur atmet?

 Simon Rupp: Ich bin einfach entspannt. Ich bleibe cool. Wenn ich Ruhe brauche, dann mache ich meine Musik an.

Florian Lukas: Es ist doch ganz interessant, dass offensichtlich die entspannten Leute keine Meditation brauchen und so Typen wie ich, die sie eigentlich bräuchten, sich nicht in der Lage fühlen, das zu machen.

Das stimmt, aber vielleicht hat Simon ja einen Musiktipp, der uns beim Entspannen helfen kann? Was hörst du denn für Musik?

 Simon Rupp: Bisschen Partymusik. Oder Jason Derulo, oder englischen Hip Hop.

Florian Lukas & Simon Rupp im Interview zu "Das gewisse Etwas" mit Andrea Zschocher
© Constantin Film Distribution GmbH / Walter Wehner

Max von der Groeben spielt in dem Film, er hätte eine Beeinträchtigung, aber das stimmt ja nicht. Hat dich das gestört?

Nö, bei uns ist alles ok. Das ist seine Rolle. Und wir merken ja sofort, dass er nichts hat. Aber wir sind hier auch nicht im Gerichtssaal.

Was wollt ihr, dass die Zuschauer*innen aus „Das gewisse Etwas“ mitnehmen?

Florian Lukas: Das kann man wirklich schwer beschreiben. Ich habe immer die Erfahrung gemacht, dass die Wirkung von einem Film oft viel komplexer ist, als wir uns das vorher ausdenken. Ich hoffe sehr, dass die Menschen sich berühren lassen, auch wenn sie bisher noch nicht so viele Berührungen mit dem Thema hatten.

Menschen mit Behinderungen sind in meiner Wahrnehmung im öffentlichen Raum viel zu unterrepräsentiert, auch im öffentlichen Arbeitsleben. Ich bin jetzt selten im Büro, aber das kann ja jeder Mensch mal für sich prüfen, wie oft das vorkommt. Dadurch, dass es aber so wenig Präsenz gibt, fällt es auch schwerer, einen selbstverständlicheren Umgang damit zu entwickeln. Wir sind dann ungeübt und unsicher, wollen uns dann vielleicht nicht miteinanderauseinandersetzen. I

ch wünsche mir, dass wir mehr Berührungen mit Menschen mit Behinderungen haben. Es gibt beim Thema Integration schon Fortschritte, auch im Filmbereich, aber im alltäglichen Umgang auch noch viele Defizite. Es gibt Nachholbedarf auf Seiten der Gesetzgebung, aber auch bei Firmen, die Menschen mit Behinderungen weniger beschäftigen und integrieren.

Ich wünsche mir einen selbstverständlicheren Umgang mit all unseren Verrücktheiten, egal ob mit Behinderungen oder ohne.

Florian Lukas & Simon Rupp im Interview zu "Das gewisse Etwas" mit Andrea Zschocher
@ Constantin Film Distribution GmbH / Jürgen Olczyk

Simon Rupp: Ich wünsche mir, dass die Zuschauer sich den Film anschauen. Es ist ein Film fürs Gemüt, es ist ein bisschen Krimi, alles bunt gemischt. Der Film berührt das Herz, wenn man ihn mit dem Herzen anschaut. Ich wünsche mir, dass die Menschen sich über den Film freuen und glücklich aus dem Kino gehen.

„Das gewissse Etwas“ läuft ab 3. September in den Kinos. Ich finde, dass die Leistung der gesamten Crew, diesen Film zu machen, gar nicht genug gewürdigt werden kann. Deswegen: Geht ins Kino und schaut euch den Film an.


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