Manchmal finde ich es schade, dass ihr bei den Interviews nicht auch dabei sein könnt. Denn auch wenn ich hier natürlich aufschreibe, was im Interview gesagt wurde, müsst ihr ja leider auf die Lache von Diana Amft verzichten. Aber die Witze, die am Rande gerissen werden und die schriflich einfach nicht übertragbar sind. Beim Interview zu „Der perfekte Urlaub“ haben wir NICHT über Urlaub gesprochen und auch NICHT über „Doctors Diary“, der Serie, auf die nicht nur Diana Amft und Florian David Fitz sondern auch Regisseur und Drehbuchautor Bora Dağtekin bis heute angesprochen werden. Stattdessen ging es im sehr intensiven Gespräch um Freundschaften, um Wahrheit und um Authentizität. Ich gebe euch gern die Rückfrage von Florian David Fitz für euch mit: Erlebt man sich selber als authentisch?
Was macht für euch eine gute Freundschaft aus?
Diana Amft: Für mich ist es wichtig, dass man miteinander lachen kann, füreinander da ist, sich natürlich gegenseitig respektiert, sich Probleme anvertrauen kann und einander ernst nimmt.
Florian David Fitz: Interesse. Ein wirklich ehrliches Interesse aneinander. Dann ist es gar nicht so wichtig, wieviel Zeit man miteinander verbringt. Mit dem Interesse am Gegenüber kommt Zuneigung und Liebe. Aber genau dieses Interesse fehlt oft.
Wir reden aber vom Interesse an der Person, nicht davon, ähnliche Interessen zu haben, richtig?
Florian David Fitz: Man sollte sich schon füreinander interessieren, das ist die Basis. Man hat die Freunde ja auch aus einem bestimmten Grund, irgendwas verbindet einen ja miteinander. Je nach Lebenssituation schwankt das Miteinander. Für mich bildet die Basis bei Freundschaften immer der Wunsch, mit der anderen Person in Verbindung zu bleiben. Das ist so eine simple Grundlage, und doch ist es selten so einfach.

Wie finden Erwachsene Freunde? In der Kindheit und Jugend ist das gefühlt viel leichter.
Diana Amft: Wenn wir nicht mehr von unseren Eltern zusammen in den Sandkasten gesetzt werden, wird das schwieriger. Und gleichzeitig leichter, denn wir können selbst bestimmen, wer zu uns passt und wer nicht. Mittlerweile hat man Lebenserfahrung und auch ein Gespür für Menschen entwickelt, kann gut selbst einschätzen, mit wem man auf einer Wellenlänge ist und mit wem nicht.
Mein Beruf macht es mir aber nicht ganz so leicht, neue Freundschaften einzugehen. Weil ich nie genau weiß, warum die Person mit mir befreundet sein will. Findet die das toll, dass ich Schauspielerin bin oder ist sie an mir als Mensch interessiert?
Meine engsten Freunde sind noch aus meiner WG-Zeit. Die waren damals für mich da und sind es immer geblieben. Bei denen weiß ich genau, es geht ihnen um mich. Viele andere habe ich im Laufe der Jahre auch aussortiert. Das ist ok, man entwickelt sich ja auch unterschiedlich. Aber neue Freundschaften zu finden ist nicht ganz so leicht.
Florian David Fitz: Ich glaube, es ist eher andersrum, dass Freunde einen finden, statt dass man sie sucht. Denn Freundschaft ist ja eine der wenigen Sachen im Leben, die einfach passieren. Man geht ja nicht raus und sagt: Ich suche jetzt Freunde. Das wäre ein Recipe for Disaster.
Die Challenge ist später, die Freunde zu behalten. Wenn man sich die älteren Generationen anguckt, die Siebzig-, Achtzigjährigen, da wird Freundschaft rarer. Die Freunde verschwinden, manchmal weil sie krank werden oder sterben, oder auch, weil man sich auseinandergelebt hat. Außerdem hatten frühere Generationen vielleicht auch gar nicht so viele enge Freunde wie unsere Generation. Damals gab es den Ehepartner und der musste alles sein.
Es ist meiner Meinung nach wichtig, den Menschen, die einem etwas bedeuten, Energie und Aufmerksamkeit zu geben. Vielleicht kommen neue Menschen in dein Leben, aber vergiss nicht, auf die aufzupassen, die schon da sind.
Diana Amft: Bei wahrer Freundschaft ist das Aufeinander-Aufpassen aber auch keine Arbeit, sondern eine Selbstverständlichkeit.
Florian David Fitz: Wir müssen da schon für arbeiten, weil unsere Leben so voll sind. Man muss die Freundschaften schon auch unterbringen und manchmal vielleicht auch die Taschenlampe anschalten, und den Strahl seiner kleinen Aufmerksamkeits-Taschenlampe auf den anderen richten. [Er lacht]
Diana Amft: Bei Flo und mir liegen manchmal Monate, wenn nicht gar Jahre dazwischen, aber wenn wir uns treffen, dann docken wir genau da an, wo wir aufgehört haben.

Ohne, dass aufgerechnet wird, wer sich wie oft gemeldet hat, hoffe ich. Ich finde das irritierend, wenn Menschen das tun.
Diana Amft: Solch ein Aufrechnen und Nachtragen, wer sich wann nicht mehr gemeldet hat und wer als Nächstes dran gewesen wäre, finde ich ganz schwierig. Ich mochte das als Kind schon nicht, wenn mir das vorgerechnet wurde. Entweder man möchte sich melden oder nicht.
Florian David Fitz: Es gibt ja das darunterliegende Gefühl, ob es ein gegenseitiges Interesse gibt oder nicht. Wenn über ganz lange Phasen Funkstille herrscht und/oder nur eine Person sich meldet, dann ist der Wunsch vielleicht auch gerade nicht ganz so groß. Muss man meistens nicht persönlich nehmen. Manchmal kommt das dann auch von selber wieder. Bei alten Freundschaften denkt man auch in anderen Zeiträumen.

Hält eine Freundschaft mehr Ehrlichkeit aus als eine Liebesbeziehung?
Beide: Ja!
Florian David Fitz: Das liegt vielleicht auch daran, dass es keine so großen Konflikte gibt. Man ist sich nicht so nah, weil man nicht jeden Tag miteinander verbringen muss. Deswegen sind Urlaube ja auch so interessant. Wenn du mit Freunden in den Urlaub fährst, kommen plötzlich Konflikte hoch, die du sonst eigentlich nicht hast.
Viele Probleme in der Beziehung hast du doch nur, weil du die ganze Zeit miteinander auskommen musst. Wir werden alle mit dem Alter nicht einfacher, sondern eher kauzig. Es gibt durchaus Momente, wo wir alle überlegen, ob wir wirklich alles miteinander teilen müssen.
Kompromisse machen, das muss man üben. Und das geht in Freundschaften leichter, weil man da nicht die ganze Zeit so aufeinander hockt.
Wärt ihr gern mit Pepe und Maus, eure beiden Figuren, befreundet?
Diana Amft: Pepe ist sehr harmoniebedürftig. Ich finde Maus da eher anstrengend.
Florian David Fitz: Pepe ist anstrengend, weil er so moralisierend auftritt. Der gleicht alles mit der Wirklichkeit ab, stellt so vieles in Frage, zweifelt, will wissen, was hinter der Fassade ist. Das ist dann vielleicht ein bisschen anstrengend. Aber eigentlich ist er derjenige, der immer schaut, dass die Freunde auch zusammenbleiben. Das ist vielleicht ein bisschen fad.
Dianas Figur Maus ist genau das Gegenteil von Pepe. Sie ist ein Flaggschiff, das ständig irgendwelche Entertainment-Raketen zündet. Sie ist ein bisschen wie ein Faschingsumzug.
Diana Amft: Life is a party [Sie lacht]
Florian David Fitz: Das wäre mir persönlich viel zu anstrengend. [Er lacht]

Ich habe viele Interviews zu queeren Filmen und Themen gemacht und bis jetzt keine befriedigende Antwort auf meine Frage bekommen, vielleicht habt ihr eine: Warum müssen sich Menschen als queer outen? Heterosexuelle tun das doch auch nicht.
Florian David Fitz: Deine Frage zielt darauf ab, warum es überhaupt eine Erwähnung wert ist. Dazu kann ich nichts sagen.
Pepe ist sehr unsicher. Bora [Dağtekin] hat schon im ersten Film [„Das perfekte Geheimnis“] zu mir gesagt, dass ich aufpassen muss, dass der nicht zu stark wird. „Das ist eine andere Figur, das bist nicht du“, war sein Hinweis. Denn wenn Pepe zu stark wäre, würde man ihm nicht abnehmen, dass der mit über 40 Jahren noch nicht in seinem Freundeskreis geoutet ist. Das ist jemand, der extrem spät draufgekommen ist, der eine große Unsicherheit damit hat. Und die liegt auch darin begründet, wie seine Jungs mit ihm umgehen. Erst haben sie sich homophob verhalten, jetzt bieten sie übermäßigen Support. Zumindest das, was sie sich darunter vorstellen.
Denn die denken: Wenn ich schwul wäre, würde ich rausgehen und mit allen bumsen, würde mir all das holen, was ich jahrelang nicht hatte. Aber das ist nur die Vorstellung seiner Freunde. Pepe ist ganz anders. Der kann ehrlich sagen: Das ist es nicht für mich. Ich suche etwas ganz Kleines, Simples. Das in der Figur Pepe zu zeigen, das war Bora wichtig.

Pepe ist auch derjenige, der das Thema Authentizität als Einziger in der Gruppe anspricht. Wann erlebt ihr euch am authentischsten?
Florian David Fitz: Erlebt man sich selber als authentisch? Ich finde das seltsam, denn in dem Moment, wo du dich hinterfragst, ob du dich als authentisch erlebst, bist du doch gar nicht bei dir, oder?
Diana Amft: Ich habe da gerade mit einer Freundin drüber gesprochen, weil es doch Personen gibt, bei denen man das Gefühl hat, ganz bei sich selbst zu sein. Da verbringt man ein paar gemeinsame Stunden oder Tage miteinander und merkt: Hier fühle ich mich einfach wohl und zuhause.
Florian David Fitz: Mein Gedanke war: Wenn du dich bei deinen Freunden nicht bei dir selber fühlst, dann verfehlt das doch den Sinn von Freundschaft. Aber wenn ich drüber nachdenke, nehmen wir alle unterschiedliche Rollen in unterschiedlichen Beziehungsverhältnissen ein. Je nachdem, was der andere mitbringt, ist man selbst ja auch ein bisschen anders. Man ist nie die gleiche Person für unterschiedliche Menschen, weil es immer auch von der Art der Verbindung bestimmt wird.
Diana Amft: Das Verhalten ist auch situationsabhängig. Wenn eine Freundin Liebeskummer hat, dann erzähle ich in dem Moment ja nicht von meinen Erfolgserlebnissen, sondern hole sie da ab, wo sie steht. Und umgekehrt erwarte ich das ja auch. Diese Empathie macht eine Freundschaft auch aus. Man braucht eine gewisse Sensibilität, ein Gespür für das Gegenüber und die jeweilige Situation. Ob ich mich selbst als authentisch empfinde, hängt bei mir auch davon ab, wie sehr ich bei meinem Gegenüber ich selbst sein kann.
Florian David Fitz: Ich denke auch, dass man in unterschiedlichen Beziehungen unterschiedliche Rollen hat. Aber in dem Moment, wo du nicht das Gefühl hast, eine Rolle aufrechterhalten zu müssen, kommst du zur Ruhe. Man will doch in Freundschaften nicht immer posen, man will doch auch zur Ruhe kommen.
Diana Amft: Das stimmt. Ich weiß jedenfalls sehr genau, dass ich nicht mit jeder Person 24/7 ein Hotelzimmer teilen könnte. Da gibt’s im Freundeskreis doch immer Unterschiede. Mit der einen Person fühlt man sich wohler als mit der anderen.

Also ich möchte mit niemandem 24/7 in einem Raum verbringen. Diese Wahrheit teile ich auch gern mit allen. Aber die Frage ist: Haben wir ein Recht auf die Wahrheit?
Diana Amft: Es kommt drauf an, um welches Thema es sich handelt. Vertrauen, Ehrlichkeit, sich einem Menschen zu öffnen, das geht nur, wenn man ehrlich ist. In einer Beziehung ist das für mich unbedingt nötig, da brauche ich die Wahrheit.
Florian David Fitz: Ich habe eine Gegenfrage: Haben wir wirklich den Wunsch nach Wahrheit? Natürlich sagen alle, dass sie die Wahrheit wissen wollen. Aber was sie wirklich wollen, wissen wir doch nicht.
Diana Amft: Wenn Leute mir sagen, dass sie die Wahrheit hören wollen, dann glaube ich denen. Vielleicht bin ich da zu naiv?
Florian David Fitz: Die Frage ist ja auch, um welche Wahrheit es geht. Ist alles immer wichtig? Steht etwas zwischen uns und ich will den Konflikt scheuen, dann finde ich schon, dass man die Wahrheit sagen sollte. Aber muss man jede Wahrheit zu jeder Zeit loswerden?
Diana Amft: Mich berührt, wenn Menschen, die schon mal verletzt oder enttäuscht wurden, trotzdem offen durchs Leben gehen. Wenn sie riskieren, wieder verletzt zu werden, weil sie sich auf Neues einlassen.
„Der perfekte Urlaub“ könnt ihr aktuell im Kino anschauen. Das Interview mit Karoline Herfurth, in dem wir ebenfalls anläslich des Films über Freundschaften, Vertrauen und Vorbilder sprechen, findet ihr ebenfalls auf meiner Seite.

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