Nico Romeo Reimann im Interview zu "Adams Acht" mit Andrea Zschocher

Nick Romeo Reimann: „Ich finde, dass Zweifel etwas sehr Gesundes sind.“

Nick Romeo Reimann spielt in „Adams Acht“ auf den ersten Blick nicht unbedingt einen Sympathieträger. Sein Moritz von Groddeck ist schon einer, der den Ärger sucht, der provoziert und seine monetäre Überlegenheit auch ausspielt. Und doch ordnet er sich letztlich der Mannschaft unter, weil siegen wichtiger ist als alles andere. Ich habe mit dem Schauspieler nicht nur über seine Rolle gesprochen, sondern auch darüber, woraus Selbstvertrauen erwächst und wieso Zweifel gar nicht so falsch sind.

Was magst du an deiner Figur?

Nick Romeo Reimann: Ich mag, dass es ein intelligenter, ambivalenter Charakter ist. Mir gefällt, dass man ihn von Anfang an nicht ganz einordnen kann, dass er extrem frech ist, gern auch mal stichelt und provoziert. Aber all das tut er für den Wettbewerb, für die bessere Leistung aller Beteiligten.

Was ich an dem Menschen [Karl-Heinrich Erich] Moritz von Groddeck mag, und was im Film überhaupt nicht vorkommt, ist, was für ein fortschrittlicher Vater und Familienmann er war. Das habe ich im Gespräch mit seinen Töchtern erfahren, dass er viel Care-Arbeit geleistet und seine Töchter vergleichsweise feministisch erzogen hat. Die Töchter haben auch einen kritischen Rückblick auf ihn, aber das rechnen sie ihm hoch an, dass er sie so erzogen und zuhause den Haushalt geschmissen hat, zu einer Zeit, in der das wirklich nicht normal war.

Nico Romeo Reimann im Interview zu "Adams Acht" mit Andrea Zschocher
© Majestic

Wie hast du dich rudertechnisch auf die Rolle vorbereitet? Ich nehme mal an, dass du vorher nicht rudern konntest.

Ich hatte sehr viel Training, habe das Rudern von Profis aus Rudervereinen gelernt. Insgesamt habe ich mich zwei Monate darauf vorbereitet.

Deine Figur ist mit einem großen Selbstvertrauen ausgestattet. Wie sieht’s denn bei dir selbst aus?

Ich habe schon sehr viel Selbstvertrauen. Ich habe ein großes Urvertrauen fürs Leben mitbekommen. Aber wie bei allen Menschen unterliegt dieses Selbstvertrauen auch Schwankungen. Vielleicht noch mal mehr, weil ich Schauspieler bin und vor der Kamera stehe. Ich muss Wege finden, wie ich funktionieren, performen und gute Arbeit machen kann, egal wie mein Selbstvertrauen gerade ist.

Je älter ich werde, desto mehr wächst das Vertrauen in mich aber auch. Ich entwickle eine ganz andere Akzeptanz für mich. Es geht nicht nur darum, sich immer mehr draufzuschaffen oder auch etwas zu unterdrücken, sondern stattdessen zu erkennen: Ich bin zu sehr viel fähig, egal, ob ich mich nun zu 100 % sicher fühle oder nicht.

Ich arbeite von dem Punkt aus, an dem ich mich in dem Moment befinde. Ich muss da keinen besonderen Zustand erreichen, um gut vor der Kamera zu performen oder es mir im Leben gut gehen zu lassen. Ich akzeptiere, wie es mir gerade geht, und dass ich einfach ein Mensch bin, mit all dem, was dazugehört.

Ich finde, dass Zweifel etwas sehr Gesundes sind. Wenn jemand lange im Leben kein „Nein“ gehört hat von jemandem, wenn da keine Reality Checks erfolgen, wird’s doch gefährlich. So bin ich überhaupt nicht, ich kann das annehmen.

Heute zur Premiere habe ich zum Beispiel ein total großes Selbstvertrauen. Ich habe den Film schon vorher gesehen und weiß, dass er wirklich gut geworden ist. Und das gibt mir für heute sehr viel Vertrauen.

Nico Romeo Reimann im Interview zu "Adams Acht" mit Andrea Zschocher
© Marcus Höhn

Das heißt, du kannst dich gut in deiner Arbeit ansehen und da auch Selbstvertrauen draus ziehen?

Hätte ich den Film nicht vorher gesehen, hätte ich tatsächlich Bammel davor. Ich sehe mich durch sehr kritische Augen und das kann mich auch nervös machen.

Das liegt aber auch daran, dass der Unterschied zwischen dem, was man spielt dem, was man am Set erlebt und dem geschnittenen Material, das später im Film landet, groß sein kann. Das ist ja ein riesiger Prozess.

Die Auswahl des Materials im Schnittraum liegt nicht mehr in meiner Hand und da kann es schon Überraschungen geben.

Adams Acht legen alle Differenzen und Unterschiedlichkeiten zur Seite, sobald sie rudern. Weil es nur ein gemeinsames Ziel gibt: Zu gewinnen. Ein so wichtiges Bild. Und doch funktioniert unsere Gesellschaft so leider nicht.

Ein Film ist immer etwas Symbolisches. Er kann gewisse Prinzipien und Ideen verhandeln. Und ich verstehe den Wunsch, zu sagen, „Warum schaffen wir das, was die im Film schaffen, nicht in der Realität. Die können sich zusammenreißen, warum wir nicht?“ Aber so ein Film lässt sich nicht 1:1 auf unser Leben übertragen.

Der Film kann ein demokratiestärkender Beitrag sein, er kann zeigen, dass ein Miteinander möglich ist. Aber mehr kann und muss ein Film meiner Meinung nach gar nicht leisten. Er steht für eine konkrete Zeit in der Vergangenheit, für eine ganz konkrete Geschichte, aber nicht für alles.

„Adams Acht“ könnt ihr ab sofort im Kino anschauen. Das Interview mit Leonard Kunz zum Film findet ihr ebenfalls auf dem Blog.


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