Tim Oliver Schultz zu "Arnie & Barney retten das Wasser" im Interview mit Andrea Zschocher

Tim Oliver Schultz: „Wir müssen uns trauen, uns imperfekt zu zeigen“

Mit Tim Oliver Schultz über Herausforderungen im Leben, über Repräsentanz und Fantasie sprechen? Count me in! Wir haben uns anlässlich seiner Synchronrolle des Barney in „Arnie & Barney – Retten das Wasser“ in München getroffen und er war so nett, dass er zugestimmt hat, dass eins meiner Kinder beim Interview dabei sein durfte. Und dieses Kind war danach total begeistert davon, was der Schauspieler und Synchronsprecher über die Ameisen, die Schule und Kreativität erzählt hat.

Und mir ist dabei wieder einmal klar geworden, was für ein Geschenk das ist, wenn wir einander zuhören und offen sind. Denn wir können zu jeder Zeit so viel voneinander lernen. Und wir können uns weniger allein fühlen, wenn wir in Momenten, in denen es uns nicht gut geht, den Mut haben, unsere Wahrheit auszusprechen. Tim Oliver Schultz erinnert daran auf jeden Fall in seinem Interview auch.

Es geht in „Arnie & Barney – Retten das Wasser“ um die Privatisierung von Wasser, ein aktuelles Thema unserer Zeit. Was darf deiner Meinung nach, außer Wasser, noch nicht privatisiert sein?

Tim Oliver Schultz: Ich kenne mich damit nicht so gut aus, aber meine spontane Antwort ist: Der öffentliche Nahverkehr sollte nicht privatisiert sein.

Und Wasser, auch wenn ich diese Antwort nicht geben sollte. Aber Wasser sollte überall kostenlos und verfügbar sein.

Ich hoffe sehr, dass die Kids nach dem Schauen des Films mit ihren Eltern darüber sprechen, dass wir nicht endlos viel Wasser auf der Welt haben, dass die Wasservorkommen immer knapper werden und dass das ein riesengroßes Problem ist, das dringend angegangen werden muss.

Arnie & Barney -Retten das Wasser
© Studio 100 International GmbH, 2026, eine deutsche Produktion.

Kinder finden da im Zweifelsfall auch kreative neue Ansätze, die wir dringend brauchen. Der Film feiert ja Kreativität. Was bedeutet Kreativität für dich?

Als ich den Film gesehen habe, habe ich mich gefreut, wie sehr hier Fantasie und das Träumertum gefeiert werden und einen Heldenstatus verliehen bekommen. Wie toll ist das, Kindern einen Film zu zeigen, in dem die beiden Helden auf jeden Fall AD(H)S haben und eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne. Und dann kommen die auch genau deswegen ans Ziel, weil sie eben träumen können, weil sie extreme Inselbegabungen haben.

Arnie & Barney sind Träumer ohne Ende und fühlen sich genauso, wie sie sind, wohl. Sie kommen durch ihre Art ans Ziel und retten damit die ganze Welt.

Genau diese Fantasie wird Kindern meinem Empfinden nach aber ja leider spätestens in der Schule abtrainiert. Da geht’s um möglichst regelkonformes Mitschwimmen und bloß nicht aus der Reihe tanzen.

Ich weiß, was du meinst. In der Schulzeit wird dann auch mal eher gesagt: „Nimm Medikamente“ oder „Du musst funktionieren“. Arnie und Barney müssen zum Glück nicht funktionieren. Die dürfen sein, wie sie sind. Sie haben dadurch auch Schwierigkeiten im Leben. Es gibt den Drill Sergeant, der maximal genervt von ihnen ist.

Das kennen Kinder und Erwachsene mit AD(H)S aber auch, das ist auch deren Realität. Da sind Menschen auch genervt, und die stoßen auch auf Schwierigkeiten. Es gibt nur zu wenig Feedback, das ihnen sagt: Ihr seid super, genauso, wie ihr seid. Ihr habt eine Superkraft, und wenn ihr wisst, wie ihr die einsetzt, dann werdet ihr dafür gefeiert. Der Film sagt und zeigt genau das. Und das liebe ich.

Tim Oliver Schultz zu "Arnie & Barney retten das Wasser" im Interview mit Andrea Zschocher
© Lars Nitsch / Port au Prince Pictures

Arnie & Barney sind extrem gute Freunde. Was macht eine gute Freundschaft aus?

Ich finde es wichtig, dass man Fehler machen darf und dann nicht gleich alles vorbei ist. Wir alle bauen ja mal Scheiße. Freundschaften sollten aushalten, dass man auch mal anderer Meinung ist und dass man dann darüber ernsthaft diskutiert. Man darf nicht gleich weglaufen, sondern muss den Mut haben, das miteinander zu besprechen. Wenn man sich liebt, dann wächst man auch miteinander und steht füreinander ein.

Man darf sich streiten, aber man findet auch immer wieder zueinander, so wie Arnie & Barney.

In welchem Punkt bist du Barney vielleicht ein bisschen ähnlich?

Ich bin ein sehr fantasievoller Mensch, und das ist Barney auf jeden Fall auch. Manchmal wünsche ich mir, dass ich ein bisschen mehr wie Barney sein könnte, weil ich wirklich gern noch viel mehr Fantasie hätte und Dinge, so wie Barney, gern vor mir sehen will.

Es passiert relativ selten, dass ich mir Sachen vorstelle und dann wirklich halluziniere, so wie er das kann. Eine kleine Scheibe davon würde ich mir also gern abschneiden.

Und noch eine Gemeinsamkeit: Ich versuche, wie Barney, immer das Gute zu sehen und zu glauben, dass wir das alles schon hinbekommen. Ich kann außerdem eine große Euphorie für Ideen entwickeln und mich mitreißen lassen. Vielleicht wäre ich manchmal nur gern noch etwas unbeschwerter, so wie Barney.

Tim Oliver Schultz zu "Arnie & Barney retten das Wasser" im Interview mit Andrea Zschocher
© Lars Nitsch / Port au Prince Pictures

Wird Unbeschwertheit heute schwerer, weil alles scheinbar perfekt sein muss? Ich mag, dass Arnie & Barney gar keine Angst vor Fehlern haben.

Es gibt im Film die Szene, bei der Arnie & Barney auf Biene Maja und Willi treffen. Die zwei antworten in normaler Geschwindigkeit auf eine Frage der beiden Ameisen, aber denen dauert das viel zu lange. Die sind dann einfach weg. Auch das wird nicht thematisiert, die sind eben einfach schneller, und das ist kein Thema. Da wird nichts problematisiert, oder jemand ist sauer.

Tim Oliver Schultz zu "Arnie & Barney retten das Wasser" im Interview mit Andrea Zschocher
© Lars Nitsch / Port au Prince Pictures

Arnie & Barney folgen ihrer eigenen Stimme. Wie schaffen wir das auch mehr?

Indem man mit anderen darüber redet. Man kann allein Kontemplation betreiben. Meditieren ist auch gut. Aber mit Freund*innen drüber zu sprechen, Dinge anzusprechen und sich zu trauen, auch über scheinbar Unangenehmes zu reden, das hilft.

Vielleicht wirkt das jetzt etwas weit hergeholt, aber als mein Kind auf die Welt kam, da saßen wir danach bei einem Termin beim Arzt und haben ehrlich gesagt, dass wir nicht mehr können, weil das alles so anstrengend war. Und die erste Reaktion war: Das darf man doch nicht sagen! Kinder zu haben ist das Schönste, was es gibt. Das stimmt! Aber man darf auch darüber reden, wie anstrengend das ist, wie sehr einem Schlafmangel den letzten Nerv raubt und wie überfordert man teilweise ist mit dieser Situation.

Man hat Angst, dass man die erste Person ist, die so denkt, weil niemand sonst darüber spricht. Weil man sich allein fühlt, weil man glaubt, dass man ein schlimmer Mensch ist, weil man das Gefühl hat, man würde das eigene Kind nicht mögen. Aber man ist damit nicht allein. Und man liebt das Kind. Es ist nur einfach auch alles sehr viel, und niemand redet drüber.

Den Mut zu finden, solche Dinge anzusprechen, über eigene Fehler zu reden, der hilft, die eigene Stimme und den eigenen Weg zu finden. Social Media und diese scheinbar perfekte Welt machen es einem wirklich schwer. Aber wir müssen uns trauen, uns imperfekt zu zeigen und in den Austausch mit unseren Liebsten und miteinander zu gehen. Wir müssen darüber sprechen, wie es uns wirklich geht.

„Arnie & Barney – Retten das Wasser“ könnt ihr ab 3. September im Kino anschauen.

Die Interviews mit Kauta und LukasBS, die ebenfalls Synchronarbeit bei diesem Film geleistet haben, findet ihr ebenfalls auf dem Blog.


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