Malene Becker im Interview zu "Weihnachten im Olymp" mit Andrea Zschocher

Malene Becker: „Es ist schon wichtig, ab und zu mal ein bisschen Glitzer und Glamour zu haben“

In „Weihnachten im Olymp“ spielt Malene Becker eine abstrebende Influencerin, bei der vieles mehr Schein als Sein ist. Die junge Frau verrennt sich immer mehr in der Scheinwelt und braucht schließlich ein kleines Weihnachtswunder. Malene Becker dabei zuzusehen, wie sie diesen übertriebenen Filter nutzt, um in ihrer Rolle aufzugehen, ist ein großer Spaß.

Unser Gespräch drehte sich deswegen folgerichtig auch viel um das Thema Social Media, um Scheinwelten, das Verlieren darin und den Weg daraus. Denn wir alle wissen: Dieser Konsum macht auf Dauer nicht glücklich.

Was mochtest du an deiner Rolle NattyGlam am liebsten und gab es etwas, womit du gehardert hast?

Malene Becker: Ich mochte, dass NattyGlam ihr Herz auf der Zunge trägt. Sie handelt sehr intuitiv, etwas, das ich schon mochte, als ich das Drehbuch gelesen habe. Mir hat das großen Spaß gemacht, das zu spielen, auch wenn ihr Verhalten natürlich auch Konsequenzen hat. Ich mochte ihre sprudelnde Art und auch diese Naivität, die sie teilweise hat. Sie kämpft für ihre Träume.

Gehadert habe ich nicht mit der Rolle. Aber ich kann sagen, dass die Schuhe, die sie trägt, eine Herausforderung für mich waren. Ich habe im Drehbuch gelesen, dass NattyGlam nicht nur in diesen hohen Schuhen geht, sondern auch rennt. Privat trage ich eher selten hohe Schuhe.

Ich habe also ein paar Wochen vor Drehbeginn angefangen, mit Schuhen, die ich noch aus meiner Partyära hatte, zuhause zu üben. Ich bin jeden Abend mit denen eine große Runde um den Block gelaufen, um mich mit dem Gefühl für die Schuhe anzufreunden. Die Schuhe im Film sind so tolle Designerschuhe, die durfte ich mir dann zum Üben ausleihen. So hat es dann geklappt. Privat sind mir solche Schuhe aber zu anstrengend. [Sie lacht]

Malene Becker im Interview zu "Weihnachten im Olymp" mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Audrius Solominas

NattyGlam nutzt einen ziemlich krassen Filter für ihre Storys. Beim Zuschauen macht das großen Spaß. Aber wie war das für dich während des Drehens?

Dieser XXL-Beautyfilter war am Anfang wirklich einfach nur ein sehr hilfreiches Accessoire für die Rolle und alle am Set wollten den mal ausprobieren und just for fun gucken, wie sie damit aussehen. Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass der negative Effekt eines solchen Filters, mit dem man glatte, makellose Haut, große, leuchtende Augen, perfekt geformte Lippen und strahlend weiße Zähne hat, nach ein paar Drehtagen schon auch was mit mir gemacht hat.

Als ich dann morgens nach einem langen Nachtdreh abgeschminkt wurde und mich todmüde im Spiegel gesehen habe, war das natürlich dann schon ein Unterschied und ich habe gemerkt, wie man ganz schnell da reinrutschen kann, sich am liebsten nur noch mit solchen Filtern sehen zu wollen. Das ist ja auch das Fatale in der ganzen Social-Media-Welt – man darf nicht vergessen, dass vieles in dieser Bubble einfach nicht der Realität entspricht und ich konnte dieses Gefühl dann aber auch sehr gut wieder abschütteln, weil ich mir dem bewusst war. Der Effekt war aber definitiv spürbar.

Ich habe da neulich auch mit einem Schauspieler drüber gesprochen, der Ähnliches berichtete. Das zeigt ja auch, dass niemand davor gefeit ist. Glaubst du, dass man selbst gut erkennen kann, wann zu viel Social Media konsumiert wurde? Wann es Zeit ist, sich auf das echte Leben zu besinnen?

Ich glaube, dass Social Media ein sehr gutes Tool ist, um sich mit anderen Menschen zu connecten, voneinander zu lernen und seine Sichtbarkeit für wichtige und relevante Dinge zu nutzen. Schwierig wird es meiner Meinung nach, wenn man anfängt, abhängig von anderen Meinungen im Internet zu werden und, wie man ja auch bei der Figur NattyGlam sehen kann, dein Selbstwert und Selbstbewustsein mit Kommentaren der oftmals dir völlig fremden Menschen steht und fällt.

In solchen Momenten ist es meiner Meinung nach unglaublich wichtig, ein stabiles Netzwerk ausßerhalb der Social-Media-Bubble zu haben und das Handy mal zur Seite zu legen und wieder im Hier und Jetzt anzukommen. Ich sage dabei nicht, dass ich da immer das perfekte Vorbild bin. Manchmal bin ich 2 Stunden in einem Rabbit Hole, ohne zu merken, wie die Zeit vergeht. Und das ist auch okay – solange man versucht, bei sich zu bleiben und sich nicht zu sehr mit dem vermeintlichen Glitter und Glamour der anderen Menschen auf Social Media zu vergleichen und sich selbst dabei zu verlieren.

Philipp Hauß im Interview zu "Weihnachten im Olymp" mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Audrius Solominas

NattyGlam ist schon auch an Glitzer und Glamour interessiert. Warum ist es ok, dass wir ein bisschen mehr Glitzer in unser Leben lassen?

Ich bin da bei NattyGlam, es ist schon wichtig, ab und zu mal ein bisschen Glitzer und Glamour zu haben. Das Leben muss ja auch Spaß machen. Ich merke, dass ich in besonders stressigen Phasen, wenn ich alles perfekt machen will und gleichzeitig voll unter Druck stehe, so gar nicht an Glitzer denke. Da weiß ich eher nicht, wohin mit mir.

Es geht eher darum, sich diese kleinen Momente zurückzuholen, in denen man ganz bewusst bei sich ist, das mehr zu genießen. Und das kann dann bedeuten, im Park mit guter Musik eine Runde zu laufen oder morgens ganz entspannt und ohne Stress den Kaffee im Bett zu trinken. Oder mit Freunden am Deich Fischbrötchen zu essen. Das sind meine Glitzer- und Glamour-Momente.

Deine NattyGlam wünscht sich, was wir uns eigentlich alle wünschen: gemocht und geliebt werden. Warum ist es okay, dass wir alle diesen Wunsch haben? Denn es gibt ja Menschen, die sich schlecht fühlen, weil sie sich das wünschen.

Durch meinen Beruf als Schauspielerin, den ich jetzt ja auch schon seit fast 10 Jahren mache, bin ich fast täglich mit diesem Thema konfrontiert. Castingabsagen gehören in dieser Branche dazu und ich erwische mich manchmal dann auch, dass dieses Gefühl des Nicht- gesehen-werdens mich einholt und oft mit Unzufriedenheit und auch Traurigkeit einhergeht. Ich habe aber für mich herausgefunden, dass genau solche Momente und Phasen diejenigen sind, die mich wachsen lassen.

Solche Gefühle sind meistens temporär und wir sind alle nicht alleine damit – jeder kennt das, mehr oder weniger. Wenn man sich in diesen Momenten dazu entscheidet, in den Austausch mit anderen Menschen zu gehen und die Aufmerksamkeit von sich selbst wegzulenken, kommt man oft viel mehr bei sich selbst an, als die Bestätigung immer nur im Außen zu suchen. Ich spreche aus Erfahrung.

Weihnachten in der Familie, yay oder nay?

Ich bin ein großer Familienmensch. Ich bin in Ostfriesland geboren und aufgewachsen, und die Weihnachtsfeiertage hier mit der Familie würde ich nicht missen wollen. Ich bin happy, dass wir alle zusammenkommen und ich alle wiedersehen kann. Ich habe das Gefühl, dass das für mich und mein Herz ganz wichtig ist. Klingt vielleicht ein bisschen cheesy, ist aber so. Ich bin schon sehr heimatverbunden.

Nach ein paar Tagen bin ich aber auch froh, wenn es dann weitergeht. Ich freue mich auf das neue Jahr mit hoffentlich vielen positiven Überraschungen.

Was ist für dich das Schönste an der (Vor-)Weihnachtszeit?

Ich mag, dass man sich bewusst Zeit für Freunde und Familie nimmt, was im stressigen Alltag manchmal zu kurz kommt, auch weil man an verschiedenen Orten ist und seine Leute nicht so oft sieht. Ich mag auch diese weihnachtliche Stimmung, mit Weihnachtsmarkt und Glühwein und generell dem Gefühl der Entschleunigung.

Das Einzige, was mir auf die Nerven geht, sind Weihnachtslieder. Aber das habe ich jetzt 31 Jahre auch irgendwie verkraftet.

Hast du noch Tipps für Weihnachtsfilme, die du anderen empfehlen kannst?

Ich gucke wirklich seit Jahren mit meiner Schwester den Klassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Den gucken wir morgens, im Schlafanzug vorm Kamin sitzend, das ist wirklich unser Ritual.

Und vielleicht nehmen wir „Weihnachten im Olymp“ in unsere Filmroutine mit auf? Das wäre auf jeden Fall lustig. [Sie lacht]

„Weihnachten im Olymp“ läuft am 25.12.25 um 20:15 Uhr im ZDF. Ihr könnt den Weihnachtsfilm auch ab sofort in Web & App des ZDF sehen.

Die Interviews mit Hannah Gharib und Philipp Hauß zum Film findet ihr ebenfalls im Magazin.


Kommentare

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