Klara Deutschmann zu "Einfach Elli" im Interview mit Andrea Zschocher

Klara Deutschmann: „Wir sind nicht die Menschen, die wir spielen“

Der Grund fürs Interview mit Klara Deutschmann war natürlich ihre Rolle als „Elli“ in „Einfach Elli“. Hier spielt sie eine Rettungssanitäterin, die ADHS hat und, neben vielen weiteren Themen, auch ein bisschen auf der Suche nach ihrem Vater ist.

Im Interview mit Klara Deutschmann ging es vor allem um ADHS, aber auch den Beruf der Schauspielerin. Denn, wie sie so richtig sagt, sie spielt jemanden, der ADHS hat. Wie jede Schauspielerin, denkt sie sich Geschichten aus. Und Elli wird durch Klara hoffentlich ein Licht auf ADHS bei Frauen scheinen, ohne, dass nun davon ausgegangen wird, dass sich alle Frauen mit ADHS exact so verhalten.

Wie viel Druck verspürst du ob des Sendeplatzes? Immerhin erweitert ihr diesen Slot, in dem sonst auch „Der Bergdoktor“, „Die Bergretter“ und „Lena Lorenz“ laufen.  

Klara Deutschmann: Es ist ein schöner Sendeplatz, ja. Ich muss aber gestehen, dass ich gar nicht darüber nachgedacht habe. Viel wichtiger ist doch, dass es schöne Filme geworden sind. Ich hoffe, dass die Menschen, die den „Bergdoktor“ gern gucken, uns auch gern anschauen.

Was hast du in der Vorbereitung oder auch während der Dreharbeiten über ADHS gelernt?

Mir war überhaupt nicht klar, wie unterschiedlich die Symptomatik von ADHS ist. Dass es für jede einzelne Person, die ADHS hat, sehr spezifisch ist. Und dass es große geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Die ältere Generation behauptet ja gern, dass Menschen mit ADHS super unruhig sind, da fallen dann Begriffe wie „Zappelphilipp“, das sind Stigmatisierungen, sie stimmen mit der Realität von Menschen mit ADHS gar nicht überein. ADHS äußert sich individuell, und schon das zu erfahren, war unabhängig davon, dass ich Elli gespielt habe, super interessant.

Klara Deutschmann zu "Einfach Elli" im Interview mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Susanne Bernhard

Hast du denn Sorge, dass deine Elli von der Community falsch aufgenommen werden könnte? Denn wie du sagst, ADHS ist eben auch sehr individuell.

Das war auf jeden Fall ein Thema für mich. Ich habe mich viel darüber ausgetauscht. Es ist bei den Dreharbeiten mal passiert, dass jemand mit ADHS gesagt hat, dass es sich bei ihm gar nicht so äußert, wie bei Elli. Und das ist legitim.

Ich habe kein ADHS, ich kann also nicht behaupten, dass ich eigene Erfahrungswerte habe. Ich bin Schauspielerin, ich erzähle Geschichten. Mir ist es wichtig zu zeigen, dass Menschen mit ADHS nicht nur ADHS haben. Sie haben ganz viele andere Charaktereigenschaften und eben die eine Besonderheit, die manche Dinge heraushebt und andere kleiner macht.

Wenn die Frage also ist: Mache ich mich mit meiner Darstellung angreifbar? Ja, aber das gilt für jede Schauspielerin, jeden Schauspieler. Wir alle denken uns Dinge aus. In den seltensten Fällen haben wir diese Sachen wirklich erlebt. Wir sind nicht die Menschen, die wir spielen. Deswegen hoffe ich, dass die Zuschauer sich auf Elli einlassen können.

Klara Deutschmann zu "Einfach Elli" im Interview mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Susanne Bernhard

Es immer wieder thematisiert, dass ADHS ja auch irgendwie eine, überspitzt formuliert, Modekrankheit sei, weil plötzlich so viele Menschen sagen, sie hätten ADHS. Wie begegnen wir dem? Denn ich denke: Alles, was man benennen kann, hilft einem beim Verstehen. Und ADHS ist keine Mode.

Das sehe ich ganz genauso. Es hat doch keinen Einfluss auf jemand anderen, wenn ich feststelle, dass ich ADHS habe. Wenn ich darüber lese und merke, dass da Sachen auf mich zutreffen, wen stört das?

Gleichzeitig hoffe ich, dass noch mehr geforscht wird. Denn über ADHS bei Frauen, weiß man noch nicht alles. ADHS bei Frauen äußert sich anders als bei Männern, und trotzdem werden männliche Schablonen angelegt. Frauen kamen also gar nicht in die Verlegenheit, ADHS zu haben.

Gibt es jetzt mehr Frauen mit ADHS? Vielleicht. Dann können diese jetzt Mechanismen entwickeln, vielleicht Medikamente bekommen oder auch einfach nur ein bisschen selbstbewusster durch die Welt gehen, weil sie jetzt mehr wissen. Das ist doch etwas Positives.

Spürst du den Druck, die Rettungssanitäterinnen zu repräsentieren?

Ich habe mich schon viel damit beschäftigt.

Ich wünsche mir, dass der eine oder die andere Rettungssanitäter*in sich „Einfach Elli“ anguckt und sich im Beruf gesehen fühlt. Dass die Person erkennt, dass wir sehen, was sie täglich leistet, auch wenn wir das nur begrenzt abbilden können. Mein Wunsch ist auf jeden Fall, da mehr hinzuzeigen und vielleicht auch dabei mitzuhelfen, dass es gerechter in dem Beruf zugeht.

Klara Deutschmann zu "Einfach Elli" im Interview mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Susanne Bernhard

Und doch verkörpert Elli natürlich ein Ideal. Denn bei all dem, was Menschen in der Medizin und in der Pflege leisten müssen, ich fürchte, die wenigsten reagieren so feinfühlig wie Elli, wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden, bei dem es um einen Alkoholkranken geht.

Die Szene, die du ansprichst, die zeigt etwas Elli-Spezifisches. Sie ist super empathisch, guckt hinter die Fassade. Und das ist einfach ihr Charakter. Das macht die dramatischen Fälle, die mit großer zeitlicher Anspannung und medizinischer Schnelligkeit einhergehen, dann vielleicht etwas märchenhafter. Aber so ein Gegenentwurf kann ja auch etwas Schönes sein.

In „Einfach Elli“ geht es ja auch um Fehlerkultur. Wie ist denn dein Umgang mit Fehlern?

Das spielt eine große Rolle in meinem Leben, die Auseinandersetzung mit der eigenen Fehlbarkeit und der Austausch darüber.

Und wie?

Es wird uns gesamtpolitisch vorgelebt, dass man sich nicht entschuldigt. Das ist doch vollkommen absurd. Ich finde das beängstigend. Und ich weiß: Ich wünsche es mir für mein Leben. Ich möchte anders mit Menschen umgehen, möchte mich entschuldigen, zu meinen Fehlern stehen.

Ich möchte das verändern, was ich verändern kann. Das ist dann vielleicht nur ein kleiner Kreis, in dem das geschieht, aber irgendwo muss man ja anfangen. Meine Hoffnung ist: Wenn es viele solcher kleinen Zellen gibt, wenn ich so lebe und du so lebst, dass viele andere Menschen es auch so handhaben. Und dann kriegen wir das hier doch noch alles gut hin.

Klara Deutschmann zu "Einfach Elli" im Interview mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Susanne Bernhard

Elli hat diesen ganz besonderen Blick auf die Welt. Wie könnten wir alle anders, besser auf die Welt gucken?

Elli guckt ganz unvoreingenommen auf Menschen. Sie ordnet sie nicht ein, sie hört erst mal zu. Sie zieht nicht sofort Schlüsse über jemanden und steckt ihn in eine Schublade. Das ist eine sehr schöne Eigenschaft.

„Einfach Elli“ läuft ab 12. März um 20:15 Uhr im ZDF. Alternativ könnt ihr die zwei Folgen ab sofort auch in Web & App vom ZDF anschauen.


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