Felicitas Woll spielt in „Neuer Wind im Alten Land“ Beke, eine Journalistin, die zurück ins Alte Land kehrt und nicht nur besagten frischen Wind mitbringt, sondern auch ihr Leben ordentlich umkrempelt. Im Interview sprechen wir nicht nur über ihre Figur und die Entwicklungsmöglichkeiten dieser, sondern auch darüber, warum wir alle auch noch mal von vorn anfangen können, wenn wir es denn wollen. Das hat, so Felicitas Woll, ja nichts mit Scheitern zu tun, sondern auch mit Neugier auf das, was noch so kommen kann.
Wie neugierig seid ihr aufs Leben?
Was magst du an Beke?
Felicitas Woll: Ich mag es, dass sie ohne Korsett ist. Sie hat sich freigestrampelt, mit allen Höhen und Tiefen. Sie liebt ihr Leben, und sie liebt es, dass sie lieben kann, wen sie möchte. Beke lässt sich nichts vorschreiben. Sie ist ein Querkopf, nicht immer ganz einfach, aber sympathisch und neugierig und offen.

Und was magst du weniger an ihr?
Dass sie sich immer noch keine eigene Wohnung gesucht hat. Das sollte sie dringend mal machen. [Sie lacht]. Generell könnte sie auch ein bisschen mehr loslassen, etwas weniger verbissen im Beruflichen sein. Aber im Großen und Ganzen ist sie schon ok, wie sie ist.
Weniger verbissen im Beruf, ich weiß gar nicht, ob sie das kann. Denn ihr Job in der Redaktion ist nach dem, was sie in den letzten Jahren erlebt hat, durchaus ein Downgrade. Wie arrangiert man sich denn gut damit?
Beke kennt die Redaktion, ihre Karriere hat da begonnen. Ich glaube, wenn du einmal Feuer gefangen hast für etwas und deine Intuition dir sagt, dass du da dran bleiben sollst, dann kannst du vielleicht auch gar nicht anders. Dann ist es kein Beruf mehr, sondern Berufung.
Beke schnappt ständig Geschichten auf, ist neugierig, will wissen, was dahintersteckt, wer warum wie agiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie irgendetwas anderes genauso leidenschaftlich macht, wie ihre Arbeit als Journalistin ist. Das steckt einfach in ihr drin, da steckt ihre Leidenschaft.
Nur traut sie der manchmal nicht. Dann weint sie sich bei Norbert aus, denkt, dass sie nichts kann, und er baut sie auf, indem er ihr zeigt, was sie alles kann. In diesen Momenten merkt sie, wie gern sie an diesem Ort ist. Und deswegen fühlt es sich nicht wie ein Downgrading an. Weil immer etwas Neues entsteht.

Ich finde spannend, dass Beke, anders als viele andere Figuren, sich gar nicht unbedingt für ein Love Interest entscheidet. Sie hat verschiedene Optionen und testet alle ein bisschen aus. Was denkst du, sollte es langsam mal losgehen mit ihr und Paul?
Unsere Autorin konzentriert sich sehr darauf, Geschichten aus weiblicher Perspektive zu schreiben, und ich finde, dass man das merkt. Aber es muss auch spannend bleiben. Wenn Paul und Beke jetzt zusammenkommen, dann wäre das vielleicht auch das Ende der Serie. Aber ich finde schon, dass man es auch überreizen kann.
Was Beke und auch ihre Beziehungen so spannend macht, ist dieses Gefühl eines zweiten Frühlings. Sie nimmt an, wem sie begegnet, sie lässt sich ganz frei darauf ein. Nie vermittelt sie den Eindruck, dass etwas zu spät sein könnte, dass sie, übertrieben formuliert, kurz vor Ladenschluss ist und nehmen muss, was noch da ist. Sie zeigt vielen Frauen, dass man in der Mitte des Lebens stehen und trotzdem neu anfangen kann. Ich empfinde das auch so.
Mit Anfang 40 fängt es an der einen Stelle an zu zwicken, ich nehme Falten wahr oder auch mal ein graues Haar. Viele fangen doch in dem Alter an zu überlegen, welcher Mensch sie sein wollen. Das an sich zu beobachten, ist doch etwas Schönes. Aber dafür braucht man sicher nicht gleich drei Männer um sich herum, so wie Beke. [Sie lacht]

Vielleicht wäre es aber auch spannend zu erzählen, was nach dem ersten Kuss von Beke und Paul kommt. Meist hören die Geschichten dann auf. Aber das Leben geht ja weiter.
Natürlich passiert so viel mehr nach dem ersten Kuss oder auch der ersten Verliebtheitsphase. Denn dann verbindet man sich ja noch mal ganz tiefer, auch intensiver miteinander. Aber filmisch lässt sich das ganz schwierig erzählen. Man kann zeigen, wie sie zusammen frühstücken, vielleicht auch eine gemeinsame Wohnung haben. Aber das wird für den Zuschauer sehr schnell langweilig. Beke in trouble ist da einfach spannender.
Was wünschst du dir für Bekes Zukunft?
In erster Linie wünsche ich ihr journalistisch weiterhin schöne Geschichten, die sie mit Menschen verbindet, mit denen sie anderen weiterhilft. Geschichten, die lustig, traurig und irgendwie schön sind, aus denen auch sie etwas mitnehmen kann. Ich weiß nicht, ob ich ihr wünsche, dass sie nochmal ihre Koffer packt und in die Ferne zieht. Sie hat diesen Wunsch schon auch, aber sie ist auch heimisch da, wo sie jetzt ist.
Ich wünsche ihr, dass sie zur Ruhe kommt, bei sich selbst ankommt. Vielleicht kann sie irgendwann mal im Garten sitzen, mit einem Kaffee in der Hand und sich sagen: Es ist alles genauso gekommen, wie ich es mir gewünscht habe.

Was Beke erlebt, diese Suche nach ihrem Platz, die Neugier auf Unbekanntes, das erleben ja viele Frauen ab den 40ern. Glaubst du, Beke ermutigt Frauen, mehr auf sich zu schauen?
Ich kriege sehr viele Zuschriften von Frauen, die genau in dieser Lebensphase sind und sich total angesprochen fühlen. Einige fühlen sich auch motiviert, weil sie realisieren, dass sie nicht alleine sind, dass es vollkommen in Ordnung ist, 20 Jahre eine schöne Ehe zu haben, zwei erwachsene Kinder und dann zu merken, dass man nun aber gehen möchte. Man muss da gar nicht vom Scheitern reden, von einer zerbrochenen Ehe. Man kann auch sagen: Das war eine ganz tolle Zeit und ich bin gespannt auf das, was jetzt kommt.
Ich bin kein Fan vom extremen Feminismus. Mir ist das zu starr und es kann in die falsche Richtung führen. Aber für sich selbst zu kämpfen, eine eigene Freiheit erreichen, sich Fehler einzugestehen, das können wir alle. Wir dürfen es uns gönnen, uns zu sagen: Das habe ich gelernt, und dann weiterzugehen. Das ist doch gut. Man darf erkennen, dass man tolle Kinder großgezogen hat, dass man sich eine eigene Wohnung leisten kann, dass man gehen darf.
Wir diskutieren immer noch über Frauenrechte und vielleicht wird sich das auch nie ändern. Aber wir müssen uns auch vor Augen führen, dass der Wunsch, Mutter zu sein, auch bedeutet, eine Weile für die Kinder da zu sein. Sonst musst du es auch nicht machen. Die Welt steht dir offen, niemand zwingt dich in dieses Konstrukt Familie. Es gab das so lange, dass Frauen einen Mann finden und heiraten mussten, Kinder kriegen, irgendwann kam die Rente und dann waren sie tot.
Heute können wir uns davon freimachen. Du kannst einen Partner finden, der das mitträgt, auf Augenhöhe. Und wenn es nicht mehr passt, dann gehst du. Und das geht auch dann, wenn andere sagen: Wieso bist du allein, wieso hast du keinen Partner? Ich stecke da selbst mittendrin und freue mich, dass es so viele Frauen gibt, die sich verbinden. Wir haben alle Ängste, aber daraus kann so viel Kraft und Zusammengehörigkeit und Strahlen entstehen. Weil niemand alleine ist.
„Neuer Wind im Alten Land“ könnt ihr ab sofort sonntags um 20:15 Uhr im ZDF schauen. Alternativ könnt ihr die vier neuen (und die älteren Folgen natürlich auch!) jederzeit in Web & App vom ZDF schauen.

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