David Balda im Interview zu Manipulation mit Andrea Zschocher

David Balda: „Ich möchte, dass das Publikum genauer hinschaut, über Dinge nachdenkt.“

David Balda hat mit „Manipulation“ nicht nur seinen ersten internationalen Film ins Kino gebracht, er ist auch noch Co-Autor des Drehbuchs, Kameramann und Produzent des Films. Ziemlich viele Hüte, die der 26-Jährige da auf einmal aufhatte. Ich sprach mit ihm über den Film, den internationalen Cast, einen Synchronisationsidee, die ich richtig spannend finde und warum wir Manipulation vielleicht auch nicht zu oft sagen sollten.

David, du bist nicht nur der Regisseur von „Manipulation“, sondern auch Produzent, Co-Autor des Drehbuchs und Kameramann. Wie kam es dazu?

David Balda: Was die Kameraarbeit und das Skript angeht, da bin ich nur Co-Autor. Es ist also nicht allein mein Werk. Ich liebe es, mich mit vielen sehr erfahrenen Leuten zu umgeben und mich mit ihnen auszutauschen.

Im Grunde ist es für mich am wichtigsten, Regisseur und Produzent zu sein, denn ich mag es nicht, zu etwas gedrängt zu werden. Ich bitte mein Umfeld immer um seine ehrliche Meinung, mich interessiert das sehr. Ich kann Kritik aushalten, ich will das hören. Was ich nicht möchte, ist, einen Schauspieler für eine Rolle zu besetzen, weil das gut fürs Marketing ist. Das ergibt für mich keinen Sinn.

Ich möchte frei sein in meiner Art, Filme zu machen. Wenn ich nicht frei sein kann, möchte ich auch keine Filme machen.

David Balda im Interview zu Manipulation mit Andrea Zschocher
© Balda Film

Du willst Kritik hören, und gleichzeitig sind gerade Künstler*innen ja besonders sensibel, wenn es um Kritik geht. Wie bringst du das in Einklang?

Diesen Zwiespalt kenne ich. Aber weil ich zur Hälfte Produzent und zur Hälfte Regisseur bin, darf ich nicht zu emotional sein. Ich habe nichts gegen Kritik. Die gibt es, ob ich sie nun lese oder nicht. Ich muss für mich entscheiden, ob ich mir darüber Gedanken machen möchte.

Konstruktive Kritik liebe ich. Wenn mir jemand sagt, warum etwas nicht so gut funktioniert, empfinde ich das als hilfreich. Wenn nur gemeckert wird, um etwas Schlechtes zu sagen, dann bringt das nichts. Und am Ende ist für mich die Meinung des Publikums am wichtigsten. Mit Menschen in einem Kinosaal zu sitzen und ihre Reaktionen mitzubekommen, das sagt mir am meisten.

Was soll das Publikum denn aus „Manipulation“ mitnehmen?

Das sind mehrere Botschaften. Die Hauptbotschaft ist natürlich, dass Manipulation wirklich überall um uns herum ist. Und das über verschiedene Kanäle und schon seit Tausenden von Jahren. Manipulation ist nichts Neues, sie ist heute nur etwas versteckter und schwieriger zu erkennen, aufgrund der sozialen Medien.

Ich möchte, dass das Publikum genauer hinschaut, über Dinge nachdenkt. Heute muss man vielleicht zweimal nachdenken, bevor man eine Entscheidung trifft.

Mir ist Glaube im Allgemeinen sehr wichtig. Glaube kann Klarheit bringen. Aber Glaube hängt nicht unbedingt mit der Kirche zusammen.

David Balda im Interview zu Manipulation mit Andrea Zschocher
© Balda Film

Wie ist dein Verhältnis zur Kirche?

Als ich anfing, das Drehbuch zu schreiben, hatte ich eigentlich vor, kritischer gegenüber der Kirche zu sein. Aber während meiner Treffen mit verschiedenen Priestern habe ich entdeckt, dass es natürlich einige Priester und Bischöfe gibt, die nur nach Macht streben, aber auch Hunderte, die ehrlich sind. Es gibt die, die sagen, sie seien Manager der Kirche, und die, die das Gefühl haben, die Botschaft des Glaubens weiterzugeben und für ihre Leute da zu sein.

Ich kann also nicht gegen die Kirche sein, weil ich dann auch gegen diese wunderbaren, guten Menschen wäre. Ich muss irgendwo in der Mitte bleiben und sagen: Es gibt einen schlechten Teil der Kirche und einen guten.

In „Manipulation“ spielt der echte Priester Tomáš Petráček die Rolle von Pater Zbigv, dem „guten“ Priester im Film. Er ist in der Tschechischen Republik sehr bekannt dafür, als Historiker ein sehr wahrheitsgetreues Bild von Dingen zu zeichnen, die mit der Kirche und dem Glauben zu tun haben. Von manchen Leuten wird er stark kritisiert, aber für viele Leute, mich eingeschlossen, ist er ein Lichtblick, der in Kirchenkreisen etwas verändern kann.

Wie war es für dich, all diese verschiedenen Hüte aufzuhaben und all diese Rollen mit einer internationalen Crew abzudecken?

Da war auch ein bisschen Glück dabei. [Er lacht]

Wir wussten schon beim Schreiben, dass wir den Film für ein internationales Publikum machen wollen. Aber ohne internationale Schauspieler ist es sehr schwierig, den Film international zu zeigen. Wir wussten, dass wir vermutlich keine großen Hollywood-Stars bekommen würden. Deswegen war unser Gedanke: Warum machen wir den Film nicht europäisch? Ich habe also Agenten in verschiedenen Ländern angerufen und das Skript rausgeschickt, habe viel Druck gemacht, und am Ende haben wir all diese tollen Leute bekommen.

David Balda im Interview zu Manipulation mit Andrea Zschocher
© Balda Film

Ist das der Grund dafür, dass alle Schauspielenden Englisch miteinander sprechen? Damit „Manipulation“ direkt international gezeigt werden kann?

Nein. Das war wirklich wichtig, denn wir haben Schauspielende aus sieben Ländern. Wenn jeder seine eigene Sprache sprechen würde und man das dann synchronisieren müsste, wäre das schwierig und seltsam. Ich bin davon überzeugt, dass das auch gar nicht funktioniert und in der Zusammenarbeit auch extrem kompliziert gewesen wäre.

Die Figur Matteo ist aber auch auf Englisch synchronisiert worden. Woran lag das?

Bei dieser Figur wollten wir eine Art Experiment machen: In den 70er- und 80er-Jahren wurde das in der Tschechischen Republik oft gemacht, dass der Schauspieler eine Person war und die Stimme eine andere. Bei Radoslav Gavlas mochten wir ihn visuell sehr. Aber wir wollten ihm eine andere Stimme geben. Das war von Anfang an so geplant. Auf der Leinwand sieht man also den slowakischen Schauspieler, aber die Stimme gehört einem der besten jungen tschechischen Schauspieler, Oskar Hes.

Das war ein Risiko, denn man weiß am Ende nie, ob es mit der Synchronisation klappt. Oskar hat das großartig gemacht, nur deswegen hat es so gut funktioniert. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir das geschafft haben.

Siehst du Medien als eine Form der Manipulation?

Definitiv! Versteh das nicht falsch, ich meine nicht, dass du oder jemand anderes absichtlich versucht, jemanden zu manipulieren. Aber Medien sind definitiv ein Mittel zur Manipulation.

Manipulation ist an sich auch ein sehr interessanter Begriff. Manchmal kann dich jemand manipulieren, ohne es selbst zu wissen. Dann werden Informationen weiterverbreitet, die nicht sorgfältig genug geprüft werden, und landen in den Medien. …

Ich weiß, dass manche Menschen das unsinnig finden, aber ich glaube, dass Manipulation auch gut sein kann. Stell dir vor, ein Freund erzählt dir, dass er sich etwas antun möchte. Und du manipulierst ihn, es nicht zu tun. Dann ist das doch etwas Gutes. Es kommt auf den Blickwinkel an, aus dem man Manipulation betrachtet.

Dein Film fühlt sich ein wenig zeitlos an. Spielt er in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der Zukunft? Warum hast du dich für diese rahmenlose Zeit entschieden?

Wir wollten den Film in der realen, gegenwärtigen Welt ansiedeln, aber gleichzeitig eine eigene Welt erschaffen. Wenn wir eine Geschichte nur über Medien- oder Politikmanipulation machen würden, würde sich das ständig ändern. Vor 30 oder 40 Jahren hätte man nur über Zeitungen und Fernsehen gesprochen. Jetzt haben wir die digitale Welt und soziale Medien. So, wie wir Manipulation zeigen, wird sie vermutlich immer bleiben. Weil wir das Schema der Manipulation zeigen, und das ist immer dasselbe.

David Balda im Interview zu Manipulation mit Andrea Zschocher
© Balda Film

Wie stehst du zu sozialen Medien?

Ich bin 26, natürlich bin ich süchtig nach Instagram. [Er lacht]

Ich bin in den sozialen Medien, seit ich 11 oder 12 war. Man muss für sich eine Grenze finden, die sich nicht beeinflussen lässt. Wie oft sehen wir Fotos, auf denen es aussieht, als würden wir den Moment genießen, und in Wirklichkeit ist das gar nicht so. Auch da manipulieren wir. Social Media sollten wir einfach nur beobachten, uns davon aber nicht beeinflussen lassen. Neid auf andere bringt nichts.

Hast du dich jemals selbst in irgendeiner Weise manipuliert gefühlt?

Natürlich. Ich habe es aber erst hinterher bemerkt. Ich glaube, wenn ich jetzt manipuliert werden würde, würde ich es schneller merken und mich davon befreien können als in meiner Jugend.

Als ich 2019 meinen Debütfilm herausgebracht habe, gab es rund um diesen Film viel Manipulation. Das war auch meine Inspiration für diesen Film. In den tschechischen Medien gibt es wirklich einige manipulative Dinge. Aber weißt du, eigentlich möchte ich das Wort „Manipulation“ gar nicht so oft sagen, weil es dann eine gewisse Macht besitzt. Und umso öfter ich es sage, umso bedeutungsloser wird es. Das will ich nicht.

„Manipulation“ läuft aktuell im Kino. Ihr könnt an ausgewählten Terminen während der Kinotour auch direkt mit David Balda ins Gespräch kommen.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert