Antoine Monot im Interview zu "Ein Fall für Zwei" mit Andrea Zschocher

Antoine Monot: „Sich auf Neues einzulassen, kann man trainieren wie einen Muskel“

„Ein Fall für Zwei“ läuft seit 13 Jahren in der „neuen“ Besetzung mit Antoine Monot als Anwalt Benjamin „Benni“ Hornberg“ und Wanja Mues als Privatermittler Leo Oswald. Im Interview sollte es aber nicht nur um das Aus für die Serie gehen, weil das ja nicht wirklich produktiv ist, sondern vor allem darum, wie man mit solchen Nachrichten umgeht, wie man sich immer weiter entwickeln kann und wie wir veränderungswilliger im Leben werden.

Denn wenn wir mal ehrlich sind: Wie gern erlebt ihr denn Veränderungen in eurem Umfeld? Für alle, denen das schwer fällt, hat Antoine Monot ein paar Tipps und Weisheiten.

Was bedeutet dir „Ein Fall für Zwei“?

Antoine Monot: Es ist eine liebgewonnene Serienheimat im ZDF und ein Krimi, der beim Spielen und Erzählen sehr viel Spaß macht. Es ist etwas Besonderes, diese Figur über so viele Jahre weiterentwickelt haben zu dürfen.

Du spielst deinen Benni Hornberg seit 13 Jahren. Welche Entwicklung ist dir am wichtigsten?

Ich bin damals sehr naiv an diese Rolle herangegangen, habe einfach angefangen. Und dann habe ich gemerkt, dass die einen doppelten Boden braucht, um sie zu spielen. Den habe ich mit der Zeit entwickelt und umgesetzt. Inzwischen ist er, meiner Meinung nach, eine sehr viel vielschichtigere Figur als am Anfang.

Und ich selbst habe mich in der Zeit ja auch weiterentwickelt. Über die Jahrzehnte habe ich mir angewöhnt, mit Umständen umzugehen und aus allem das Beste zu machen. Was immer passiert, ich werde damit klarkommen. Diese Lebenseinstellung habe ich von meiner Frau Stefanie Sick übernommen, die mir das vorlebt.

Antoine Monot im Interview zu "Ein Fall für Zwei" mit Andrea Zschocher
© ZDF / Daniel Dornhöfer

13 Jahre hast du in dieser Serie gespielt und dann kam die Nachricht über das Aus. Wie geht man mit so einer Nachricht um?

Zuerst möchte ich betonen, wie glücklich ich für die 13 Jahre und den Spielfilm, der noch kommt, bin. Mir war immer klar, dass dieser Tag kommen wird, dass irgendwann der Anruf kommt und jemand sagt: Herr Monot, wir haben entschieden, das zu beenden.

Es geht mir, wie so vielen Menschen in ihren Berufen, auch wenn die meisten Menschen nicht davon ausgehen, dass ihr Arbeitgeber ihnen einfach so kündigt. Da sind wir Schauspieler, gerade im Seriensegment, sicherlich anfälliger für. Aber wir müssen immer davon ausgehen, dass Dinge enden. Und das kann auf zwei Arten passieren: Entweder die Rolle wird beendet, oder das Format. Das ist einfach der Lauf der Dinge.

Ich arbeite seit 1993 in diesem Beruf, das sind 33 Jahre. In all der Zeit habe ich noch nie was gemacht, das über 13 Jahre lief. Das, was ich erleben durfte, ist also die Ausnahme, nicht die Regel. Da kann ich doch nur dankbar sein, dass der Sender uns ermöglicht hat, das so lange zu machen.

Unabhängig davon bin ich natürlich traurig und finde es sehr schade, dass wir aufhören.

Wie bist du zu dieser relativ entspannten Einstellung gekommen?

Indem ich mir immer wieder die Frage gestellt habe, ob mich das wirklich weiterbringt, wenn ich mich jetzt aufrege. In der Regel kann man sich selbst diese Frage nur mit Nein beantworten, denn wer sich aufregt, ist gestresst.

Wenn z. B. jemand im Straßenverkehr einen Fehler macht und ich den dann beschimpfe, dann geht’s mir schlecht, ich bin aufgewühlt und ärgere mich. Das sein zu lassen, ruhig zu bleiben und nicht in die Verärgerung zu gehen, sorgt dafür, dass es mir besser geht.

Curt Goetz hat mal gesagt, „Ärgere dich nicht, wunder dich bloß“. Das ist meiner Meinung nach ein guter Ansatz. Denn wir brauchen ein Ventil, niemand kann sich sagen: „Ich ärgere mich jetzt nicht mehr“ und dann klappt das. Aber man kann die Energie umleiten. Ich ärgere mich nicht mehr über andere, ich wundere mich. Ich kann mich darüber wundern, was da wieder Verrücktes im Straßenverkehr passiert. Dann rege ich mich nicht mehr auf, aber die Energie ist trotzdem abgeleitet.

Antoine Monot im Interview zu "Ein Fall für Zwei" mit Andrea Zschocher
© ZDF / Daniel Dornhöfer

Wie veränderungswillig bist du generell im Leben?

Ich habe um die Jahrtausendwende angefangen, mich sehr mit mir selbst zu beschäftigen. Ich wollte meinen Horizont erweitern, mich fortbilden. Durch diese Arbeit bin ich jemand geworden, der sich permanent außerhalb seiner Komfortzone bewegt. Es gibt immer wieder Situationen, die mir vorher totale Angst machen, bei denen ich ein Unwohlsein habe. Einfach, weil ich das noch nie gemacht habe. Aber ich merke, sobald ich ins Handeln komme, geht’s mir besser. Die Angst schwindet und etwas Unbekanntes wird zur Normalität.

Ich habe mich also selbst dazu trainiert, Situationen herbeizuführen, die mich aus der Komfortzone rausholen. Der Golfer Bernhard Langer hat während eines Turniers mal einen Fehlschlag gespielt, der Ball landete in einem Baum, das Turnier galt für ihn als verloren. Er hat diese Aufgabe, den Ball da wieder rauszuspielen, angenommen und es tatsächlich auch geschafft. Nach dem Turnier wurde er von der Presse darauf angesprochen, nach dem Motto, wie viel Glück er gehabt hatte. Und er sagte: „Wissen Sie, je mehr ich übe, umso mehr Glück habe ich“. Das ist für mich eine wichtige Einstellung dem Leben gegenüber.

Antoine Monot im Interview zu "Ein Fall für Zwei" mit Andrea Zschocher
© ZDF / Daniel Dornhöfer

Wenn Menschen hören, dass sie sich aus ihrer Komfortzone herauswagen sollen, dann gibt es da, meiner Meinung nach, oft die Idee, man solle nun ganz verrückte Sachen ausprobieren. Aber es geht doch sicher eine Nummer kleiner, als dass wir alle Achterbahn um jeden Preis fahren, oder?

Womit man anfängt, sich aus der Komfortzone zu bewegen, ist eigentlich relativ egal. Vor 26 Jahren habe ich relativ viele Bücher gelesen, auch von Bodo Schäfer, einem Coach. Ein Beispiel: Wenn man nicht entscheidungsfreudig ist, kann man das trainieren, zum Beispiel beim Essen im Restaurant. Einfach innerhalb von 20 Sekunden nach Aufschlagen der Speisekarte eine Entscheidung treffen. Nicht ewig überlegen, ob man Fisch oder Fleisch oder lieber Pommes will, sondern sich innerhalb von 20 Sekunden entscheiden.

Sich auf Neues einzulassen, kann man trainieren wie einen Muskel. Einen Entscheidungsmuskel. Wenn man sich das bildlich vorstellt und trainiert, dann hat das große Auswirkungen auf alle Bereiche des eigenen Lebens. Fang mit etwas Kleinem an, das regelmäßig in deinem Leben vorkommt.

Antoine Monot im Interview zu "Ein Fall für Zwei" mit Andrea Zschocher
© ZDF / Daniel Dornhöfer

Wenn man es geschafft hat, sich auf Neues einzulassen, muss man vielleicht andere Dinge loslassen. Wie gelingt das gut?

Mit Akzeptanz. Natürlich war der Anruf zum Aus von „Ein Fall für Zwei“ nicht schön. Ich habe geahnt, dass das passiert, weil ich vorher eine Mail bekam, dass man dringend mit mir sprechen wollte und auf meine Rückfrage, ob es etwas Schlimmes sei, keine Antwort kam. Ich habe mich also auf schlechte Nachrichten vorbereitet. Und sie dann akzeptiert.

Natürlich darf ich traurig sein, darf auch über die finanziellen Konsequenzen nachdenken. Wie kompensiere ich das? Werde ich das auffangen können? Wird es andere Rollen geben? Denn ich war 13 Jahre lang in der ersten Jahreshälfte sehr begrenzt verfügbar, das hat sich bei Leuten ja auch eingeprägt. Aber da kann ich nur abwarten.

Ich verwende meine Energie nicht darauf, zu schimpfen. Man kann immer auf alles schimpfen. Aber aktiv werden, schauen, welche Rollen ich jetzt bekommen kann, wen ich kontaktieren kann, das ist jetzt wichtig. Ich nutze meine Energie für positive Ansätze. So der theoretische Ansatz. Daran arbeite ich, jeden Tag. [Er lacht]

Mir fällt auf, wie liebevoll du in Interviews immer auch über deine Frau sprichst. Du schiebst sie in den Vordergrund, was ich wichtig finde in einer Gesellschaft, in der Frauen noch viel zu oft im Hintergrund alles regeln, aber nicht öffentlich in Erscheinung treten. Wie viel von ihr hat auf dich abgefärbt?

Sehr viel, ich bin schon ganz bunt. [Er lacht]

Es ist schön, dass dir das auffällt. Mir ist es einfach wichtig zu zeigen, wie unfassbar weit mich Stefanie als Mensch nach vorne gebracht hat. Das war auch vor unserer Partnerschaft so, wir waren ja lange beste Freunde. Ihre Anmerkungen, Ideen, ihre Lebensweise, das hat mich schon immer beeinflusst und auch besser gemacht. Ich weiß, dass ich noch immer meilenweit hinter ihr herhinke, aber ich versuche alles anzunehmen und umzusetzen. Ich bin froh, wenn ihr Sein auf mich abfärbt.

Stefanie ist so ein kluger und intelligenter Mensch und mir meilenweit überlegen.

Wanja Mues im Interview mit Andrea Zschocher über Politik
© ZDF / Daniel Dornhöfer.

Nochmal kurz zu den Männern zurück: Du bist im echten Leben sehr gut mit Wanja Mues befreundet, der zweiten Hälfte von „Ein Fall für Zwei“. Ihr werdet auch zusammen auf Tour gehen. Wie habt ihr das geschafft, dass aus einer Arbeitsbeziehung eine Freundschaft wurde?

Wir haben schon vor Jahren gesagt, dass wir mal was zusammen machen wollen. Da waren wir aber noch sehr mit „Ein Fall für Zwei“ beschäftigt. Wir hatten diese Basis schon früh miteinander und haben dann mit unserem Live-Hörspiel zu „Pater Brown“ angefangen. Das erweist sich jetzt als glückliches Timing. Denn das alles jetzt erst aufzubauen, das wäre viel schwieriger geworden. So gehen wir auf Tour und werden bis Frühjahr 2028 einmal quer durch die gesamte Republik touren, von Norden nach Süden, von Ost nach West. Es wird ein spannender Abend voller Humor und Unterhaltung, bei dem hoffentlich alle eine gute Zeit haben.

„Ein Fall für Zwei“ läuft ab 11. September wieder um 20:15 Uhr mit neuen Folgen im ZDF. Ab sofort könnt ihr die 12. Staffel auch in Web & App vom ZDF anschauen. Wenn ihr Wanja Mues und Antoine Monot live sehen wollt, dann bekommt ihr alle Infos und Tickets unter www.paterbrown.com

Das Interview mit Wanja Mues zu „EIn Fall für Zwei“, was sich aber vor allem auch mit der Politik und dem Zeitgeist beschäftigt, findet ihr ebenfalls auf dem Blog.


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