Bettina Lamprecht übernimmt in „Eine fast perfekte Bescherung“ die Rolle der resoluten Mitarbeiterin des THW Martha. Als Berlinerin kann ich berichten, dass wir tatsächlich Menschen in der Stadt haben, die genau so agieren, sprechen und die Stadt zu dem machen, was sie sind. Und auch wenn sie im ersten Moment vielleicht zu resolut wirkt, für mich macht sie das aus, was Berlin so liebenswert macht. Denn natürlich hat sie das Wohl aller im Blick, sie drängt sich nicht auf und ist trotzdem helfend da.
Bettina Lamprecht und ich haben aber nicht nur über ihre Rolle und den Film gesprochen, sondern auch über Stress an Weihnachten und was dagegen helfen könnte.
Ist dir schon mal was Verrücktes an Weihnachten passiert?
Bettina Lamprecht: Nein, zum Glück nicht. Ich musste aber auch schon mal wegen einer Bombenentschärfung das Haus für einen Tag verlassen. Allerdings nicht an. Wir wurden vorher benachrichtigt und konnten uns da gut drauf vorbereiten, einen Unterschlupf suchen. Es war nur ein bisschen komisch als wir die Wohnung verließen, weil ich darüber nachgedacht habe, was passiert, wenn niemand mehr irgendwo in den Häusern ist. Die allerbeste Zeit für Einbrecher zum Beispiel.
Deine Martha ist für mich schon auch das Sinnbild von Berlin. Sie ist total resolut und gleichzeitig hat sie ein großes Herz. Wie hast du sie wahrgenommen?
Sie ist ein Mensch, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht, selbstbewußt Ansagen machen kann, gut organisiert und praktisch ist. Sie hat das Herz am rechten Fleck, macht aber kein großes Tamtam.
Mit dem Berlinern habe ich versucht, diese Type, die man so gut aus dem Alltag in der Hauptstadt kennt, noch ein bisschen zu unterstreichen.

Bist du eigentlich ein Fan von Berlin oder ist die Hauptstadt nicht so deins?
Ich habe ein Herz für die Berliner. Mein Vater ist in Berlin aufgewachsen, viele Familienfreunde und meine Großeltern haben hier Zeit meines Lebens gelebt. Ich war schon als Kind oft hier. Deswegen ist mir diese Art und auch der Slang schon sehr vertraut.
Natürlich denke ich, wenn ich eine Zeit lang woanders gedreht habe und dann zurück nach Berlin komme: Muss man jetzt gleich schon wieder angeranzt oder belehrt werden? Geht es auch ein bisschen freundlicher? Aber dann bin ich selbst einfach noch freundlicher und meistens trifft man sich mit Humor dann doch auf einer menschlichen Ebene.
Ich fand deine Martha in ihrer Art sehr nachvollziehbar. Sie organisiert und hält alle zusammen, drängt sich aber nicht auf. Das macht Berliner*innen ja schon auch ein bisschen aus.
Mir hat das auch echt Spaß gemacht. Der Film an sich ist ja sehr nett. Da kann ein bisschen Berliner Charme nicht schaden. [Sie lacht]
Hast du Traditionen in der Vorweihnachtszeit, die du jedes Jahr aufs Neue begehst?
Plätzchen backen mit Freundinnen und den Kindern. Die große Weihnachtspyramide aufbauen und ein Kerzchen anmachen an den Adventssonntagen. Allem vorausgesetzt ich bin zu Hause.
Der Typ Weihnachtsmarkt bin ich gar nicht. Ich kann nicht so mit Kälte und hab noch nie verstanden, was daran Spaß macht. Selbst mit beheizbaren Sohlen kriegst du mich an keinen Glühweinstand.
Hast du einen Lieblingsweihnachtsfilm?
Nein. Statt Weihnachtsfilme zu schauen, haben wir in meiner Kindheit eher Musik gemacht. Manchmal schauen wir jetzt Charlie Brown, aber wir haben keine feste Tradition.
Vielleicht gründet ihr einfach eine neue und schaut ab jetzt „Eine fast perfekte Bescherung“? Bist du jemand, die sich die Filme, in denen sie mitspielt, gut angucken kann?
Ich schaue die, auch um zu sehen, was ich gemacht habe und was ich in Zukunft vielleicht besser machen könnte.
Es gibt Sachen, die muss ich zwei-, dreimal sehen, um dann wirklich den Film zu sehen, weil ich mich daran gewöhnen muss, wie ich aussehe oder wie das Licht ist oder die Wirkung. Das geht vielen Kolleginnen und Kollegen so.
Es gibt aber auch Projekte, da habe ich das gar nicht. Da stimmt sofort alles und ich schaue gerne zu.

Deine Martha ist als Helferin für mich so ein Sinnbild für so viele Menschen, die sich auch an Weihnachten für andere einsetzen. Ihre Arbeit ist wichtig, aber so richtig wertgeschätzt wird das nicht. Wie können wir alle diese Arbeit im Alltag mehr wertschätzen, ohne noch mehr „Merci“-Packungen an z. B. Pflegekräfte zu verteilen?
Das ist eine gute Frage. Ich glaube, das hat was mit Aufmerksamkeit und Wahrnehmung zu tun. Man muss ja erst mal überhaupt wahrnehmen, dass da jemand ist und etwas tut, was nicht selbstverständlich ist. Unsere heutige Zeit mit diesem Alles-immer-schnell-am-besten-vom-Handy-aus-erledigen-und-bekommen hilft da nicht wirklich.
Vielleicht müssen wir ein paar mal öfter vom Handy aufschauen und mit einem offeneren Blick durchs Leben gehen, dann sieht man sicherlich viele Menschen, die sehr schwere und anstrengende Arbeit für die Allgemeinheit tun.
Und ganz ehrlich: Besser noch eine Pralinenpackung mehr als keine, oder?
Wie kriegen wir stressfreiere Weihnachten hin? Denn diese Zeit hat immer so ein Potenzial, für Streit und Stress zu sorgen.
Weihnachten ist überladen von Erwartungen, Ansprüchen und Traditionen. Man denkt sich vielleicht: Das war immer so, das machen wir weiterhin so. Auch wenn es dieses Jahr vielleicht eigentlich viel zu viel ist.
Ich führe ein eher unstetes Leben, so dass ich mir das gar nicht abgewöhnen muss, zu denken, dass wir irgendwas jedes Jahr genau gleich machen müssen. Das ist aber gleichzeitig auch schwer, weil ich natürlich auch gern alles schön haben will. Deshalb komme ich manchmal in den gleichen Stress. Letztes Jahr habe ich beschlossen: Wir fahren einfach alle weg. Da kann man dann nämlich sowieso nicht machen, was man immer gemacht hat und vieles war gleich entspannter.
„Eine fast perfekte Bescherung läuft am 14.12.25 um 20:15 Uhr im ZDF. Ihr könnt den Film ab sofort auch im Web & App des ZDF anschauen.

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