Herbert Knaup zu "Sarah Kohr" im Interview mit Andrea Zschocher

Herbert Knaup: „Wir haben verlernt, uns zu begegnen und vergessen, dass wir uns, einfach weil wir Menschen sind, doch eigentlich total nah sind.“

Dass ich mit Herbert Knaup über Langzeitbeziehungen und Verbundenheit mit anderen Menschen spreche, war am Beginn unseres Interviews gar nicht unbedingt abzusehen. Denn der Grund fürs Gespräch war der neuste Teil der „Sarah Kohr“- Reihe, in der Herbert Knaup den Staatsanwalt Anton Mehringer spielt. Und doch sind wir bei diesen Themen gelandet. Weil wir alle, egal wie tough wir sind, mit welchem Panzer wir durchs Leben gehen, wir uns auch nach Liebe und Zuflucht sehnen.

Du bist seit 2014 bei „Sarah Kohr“ dabei. Was bedeutet dir diese Serie?

Herbert Knaup: Am Anfang war ich noch Anwalt und Sarah Kohr und Anton Mehringer ein Liebespaar. Das hat sich wirklich sehr verändert. Meine Figur wurde zu einem väterlichen Freund, mit dem es auch mal emotional knallt. Auch, weil er als Staatsanwalt mit ihren Methoden als Ermittlerin nicht immer einverstanden ist. Aus der Liebesbeziehung ist eine Freundschaft geworden.

Mir gefällt, dass Sarah im Laufe der Zeit ein Kampfsportprofi, ein Nahkampfvirtuose geworden ist, die die Männerwelt zerlegen kann. Ich finde das toll, wie Lisa Maria Potthoff das macht.

Wie gelingt es, dass aus Liebe Freundschaft wird?

Das ist nicht so leicht. Wahrscheinlich muss man offen miteinander sprechen und akzeptieren, dass die Liebe eben nicht mehr da ist. Man muss den anderen auf jeden Fall noch in seinen Lebensumfeld haben wollen, denn früher oder später muss man auch aushalten, dass die andere Person einen neuen Partner hat. Sarah Kohr hatte ja in einer Folge auch mal einen neuen Liebhaber. Sie ist zwar eine Einzelkämpferin, aber ein Liebesabenteuer gehört  schon auch mal dazu.

Eine Liebesbeziehung kann sich in eine Freundschaft verwandeln. Man muss akzeptieren, dass der andere eigene, neue Wege geht. Wenn man die menschlichen Qualitäten am anderen so sehr schätzt, dass man trotz einer Trennung Anteil an diesem Schritt haben kann, dann ist das eine gute Grundstein für eine Freundschaft.

Herbert Knaup zu "Sarah Kohr" im Interview mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Christine Schröder

Ist Freundschaft nicht nur eine andere Form von Liebe?

Ich habe verschiedene Beziehungen gelebt, die sich verwandelt und verändert haben. Am Anfang dachte man, dass es nie zu einer Trennung kommen wird, weil das die ganz große Liebe ist. Und dann wird man enttäuscht. Oder enttäuscht selbst jemand.

Enttäuschung heißt ja auch, dass man plötzlich sieht, wer der andere wirklich ist. Man blickt hinter die Fassade, erkennt denjenigen besser. Man öffnet sich gegenseitig, Vertrauen wird verletzt, dann bekommt man eine Reaktion, mit der man nicht gerechnet hat. Und dann sind beide verletzt. Die Liebe ändert sich im Lauf der Zeit. Wenn sie nicht gepflegt wird, kann sie toxisch werden und enden.

Miteinander leben ist schwierig. Wenn sich die Liebe also in Freundschaft verwandelt, dann ist das auch ein Glück. Weil dann noch etwas da ist, nicht nur Enttäuschung, Wut und Trauer.

Ich bin seit 23 Jahren in einer Beziehung. Die war nicht immer nur Glück, es geht in jeder Beziehung auf und ab. Aber wir haben uns füreinander entschieden, haben uns versprochen , dass wir das hinbekommen.

Vielleicht fehlen uns auch die Vorbilder für Langzeitbeziehungen. Denn in Filmen und Serien geht’s in den allermeisten Fällen nur ums Verlieben. Aber nach dem Happy End wird nichts mehr gezeigt.

Das stimmt. Ich glaube, es kann gut funktionieren, wenn man sich Freiräume gibt und gegenseitig wirklich vertraut. Eifersucht ist das Schlimmste, was in einer Beziehung passieren kann. Und Neid. Wer sich davon befreien kann, der kann wirklich glücklich werden. Liebe braucht Vertrauen.

Man sollte sich auch nicht vergleichen. Wir sind alle unterschiedlich und wir müssen das aushalten, dass der Partner, die Partnerin anders ist als wir selbst. Man sollte nicht verändern wollen. Das passiert aber in langen Beziehungen oft, dass einen plötzlich nervt, was man lange mochte. Es geht aber nicht ums Blödfinden, sondern um Akzeptanz.

Herbert Knaup zu "Sarah Kohr" im Interview mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Christine Schröder

Und doch will man in Langzeitbeziehungen oft den anderen verändern, weil man am Gegenüber Dinge entdeckt, die einen stören.

Am Anfang ist man ja auch einfach blind vor Liebe. Da kannst du das alles gar nicht sehen, da kann dein Gegenüber machen, was er oder sie will, alles ist super. Wenn andere sagen: Guck doch vielleicht noch mal genau hin, will man das selbst nicht wahrhaben. Und irgendwann sieht man es eben doch. Und dann muss man lernen damit umzugehen.

Man muss erkennen, dass Beziehung Gemeinsamkeit bedeutet, eine gemeinsame Welt. Und dann hat jeder auch noch das eigene Leben.

Dein Anton hält Sarahs Alleingänge aus. Wie viel Vertrauen braucht das?

Er respektiert ihre Entscheidungen. Er versteht, warum sie wie handelt, auch wenn er sie kritisiert. Meine Figur gibt Sarah aber nicht vor, wie sie zu leben und zu arbeiten hat. Das lässt Sarah Kohr gar nicht zu.

In der neuen Folge geht es um Menschenhandel und um Menschen ohne Mitgefühl. Wie kann das passieren?

Mich hat die emotionale Kälte von einigen Figuren im Film sehr beschäftigt. Da werden Menschen ausgebeutet und es gibt überhaupt kein Mitgefühl. Wie kann man so abstumpfen?

Wir leben in Zeiten dieser emotionalen Kälte, wir haben uns in uns selbst zurückgezogen, überbrücken diese Distanz unter einander kaum noch. Wir leben in Sprachlosigkeit für ehrliche Gedanken und Empfindungen, tauschen uns nicht mehr wirklich miteinander aus. Haben Angst vor einander.

Wir haben verlernt, uns zu begegnen und vergessen, dass wir uns, einfach weil wir Menschen sind, doch eigentlich total nah sind. Genau daran müssen wir uns aber wieder erinnern.

Den neusten Fall von „Sarah Kohr“ könnt ihr ab sofort in Web & App vom ZDF sehen. Der Film wird am 12.Oktober um 20:15 im ZDF ausgestrahlt.


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