Chiara Schoras im Interview zu "EIne Wingwoman verliebt sich nicht" mit Andrea Zschocher

Chiara Schoras: „Es braucht den Mut, sich auf sein Gegenüber einzulassen“

Chiara Schoras spielt in „Eine Wingwoman verliebt sich nicht“ Caro, die Wingwoman, die für ihre Kund*innen alles macht und sich dabei ein bisschen vergisst. Und ich glaube, dass viele Frauen da schon zustimmen können, weil wir einfach echt viele Hüte gleichzeitig auf haben und uns selbst dann gern mal nach hinten schieben. Deswegen beantwortet doch vielleicht für euch mal die Frage: In was seid ihr richtig gut? Denn wir sehen und loben uns vielleicht alle auch einfach ein bisschen zu wenig.

Mit Chiara Schoras habe ich aber nicht nur über den Film gesprochen, sondern auch über Frauenfiguren, wieso Filme immer Teamarbeit sind und bei welchem Rollenangebot sie zögern würde.

Weil es auf ein Zitat aus dem Film anspielt: Worin, außer in deinem Job, bist du richtig gut?

Chiara Schoras: Ich kann ganz gut singen. Ich glaube, ich habe ein ganz gutes Körpergefühl. Außerdem kann ich ganz gut mit Menschen.

Ich mochte, dass die Frauen im Film echt wirken, dass sie für sich selbst einstehen. Sarah hat im Interview darüber gesprochen, wie schön das für sie war, dass ihr beide das zusammen erreicht habt.

Danke, wie schön. Es darf sich gern noch mehr in diese Richtung in der Film- und Fernsehlandschaft  ändern. Wir behandeln Frauenrollen immer noch sehr stiefmütterlich. Dieses Buch ist von einer Frau geschrieben worden, mit wirklich schönen Figuren. Uns war es sehr wichtig herauszuarbeiten, dass sich die Frauen eher füreinander als für den Mann entscheiden würden. Dann
kommen die Gefühle dazwischen, und es passiert, was dann eben im Film passiert.

Aber in erster Linie geht es um eine Frauenfreundschaft. Das wollten Sarah und ich unbedingt erzählen. Der Schluss hätte für mich auch einer sein können, wo die beiden Frauen dann Hand in Hand in den Sonnenuntergang hüpfen, aber es ist ja allen klar, dass das nicht die Ausgangsposition des Filmes ist.

Wir haben viel geprobt und Dinge ausprobiert, um die vulnerablen Momente der Figuren herauszuarbeiten. Wo kann ich denn jemanden abholen und wo eben nicht? Wir müssen mehr Diversität innerhalb von Frauen abbilden, das sieht man viel zu wenig. Dabei sind wir alle so vielfältig.

Chiara Schoras im Interview zu "EIne Wingwoman verliebt sich nicht" mit Andrea Zschocher
© ZDF/Gordon Muehle

Es geht um Repräsentanz von Frauen aller Generationen. Es ist ja auch nie zu früh oder zu spät, sich damit zu befassen.

Mir macht es große Hoffnung, dass die jüngere Generation ganz anders mit diesem Thema umgeht. Das heißt nämlich auch, dass diese ganzen Filmemacherinnen die Möglichkeit haben zu verändern, wie wir Filme gucken werden.

Mir ist bewusst, dass es Leute gibt, die da kritisch draufschauen, aber die haben sich vielleicht bisher auch immer super repräsentiert gefühlt. Wir wollen aber nicht immer nur präsentieren, was schon da ist. Die Dinge dürfen sich verändern.

Caro und ihr Onkel Heiner haben eine tolle Beziehung zueinander. Wie gelingen gute Familienbande?

Ich glaube, sie funktionieren dann gut, wenn es eine offene, vulnerable Kommunikation gibt. Wenn wir aus den Fehlern, die wir in der Vergangenheit gemacht haben, lernen. Ich glaube, dass sehr viele Konflikte und Probleme dadurch entstehen, dass man Dinge nicht offen anspricht. Eine Familie funktioniert dann gut, wenn alle über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sprechen können.

Man muss sich immer daran erinnern, dass wir alle keinen Beipackzettel bekommen, wenn wir eine Familie gründen. Wir alle machen Fehler, das ist menschlich. Wir alle leben Familie so gut wir können.

Chiara Schoras im Interview zu "EIne Wingwoman verliebt sich nicht" mit Andrea Zschocher
© ZDF/Gordon Muehle

Onkel Heiner gibt Caro auch den Rat, sich nicht zu verstecken, sondern mutig zu sein, sich zu zeigen. Wie werden wir mutiger in unserem Leben, gehen mehr auf andere zu?

Ich glaube, die Antwort ist gar nicht so weit weg von dem, was ich über die Familie gesagt habe. Man darf innehalten und Verbindung spüren. Das geht aber nur, wenn man nicht sofort weiterrast, nicht nur auf den Apps hin- und herwischt und schaut, wer da vermeintlich noch größer, besser, toller und jünger ist – sondern stattdessen jemandem in die Augen schaut und echtes Interesse am Gegenüber hat.

Wenn man sich vor Augen führt, dass man von jeder Person, der man im Leben begegnet, etwas lernen kann. Oft begegnen wir Menschen mit einer gewissen Überheblichkeit, weil wir gelernt haben, in Mustern und Konzepten zu denken.

Es braucht den Mut, sich auf sein Gegenüber einzulassen.

Chiara Schoras im Interview zu "EIne Wingwoman verliebt sich nicht" mit Andrea Zschocher
© ZDF/Gordon Muehle

Ich war neulich mit den Öffis unterwegs und habe da auch beobachtet, wie alle am Handy kleben. Schon allein mal hochzugucken, um sich mit Blicken zu begegnen, braucht da ja Mut.

Das glaube ich auch. Jetzt zücken wir aus Gewohnheit alle das Handy, um die Zeit zu überbrücken. Dabei setzen wir uns mit den Dingern eigentlich nur selbst unter totalen Stress.

Im Film ist das Handy eigentlich auch nur bei Caro präsent, der Rest agiert kaum damit.

Caro hat ihr Handy immer umhängen, weil wir zeigen wollten, dass diese Person immer verfügbar für die ganze Welt ist.

Mir sind auch die Kostüme sehr positiv aufgefallen. Das ist so schön bunt und ohne Klischees, das ist eher selten.

Dieser Film sollte die Leichtigkeit, den Sommer und Fraben in Berlin einfangen. Unsere Kostümbildnerin Petra Fichtner hat da einen ganz tollen Job gemacht.

Ich finde es wichtig, dass wir auch über die anderen Gewerke beim Film sprechen. Denn es gibt ja nicht nur die Schauspielenden, das Drehbuch, die Regie und die Kamera, sondern noch so viel mehr.

Unbedingt! Oliwia Strazewski hat das tolle Drehbuch geschrieben und wir haben eine Drehbuchbesprechung gemacht, bei der sie, die Produzent*innen, die Regie [Wolfgang Eißler] und wir Schauspielenden dabei waren. Das war toll, weil wir gemeinsam das Drehbuch gelesen haben und die Autorin dann hören konnte, wie sich das eigentlich anhört, was sie da geschrieben hat. Denn Dinge zu schreiben ist ja eine Sache, aber sie aufleben zu lassen eine ganz andere. Gerade bei Komödien muss man sehr genau gucken, was funktioniert und was vielleicht auch eher nicht.

Oliwia war da sehr cool und meinte immer wieder auch: „Lass uns doch mal was anderes ausprobieren!“ Oder sie hat uns gebeten zu improvisieren und dann wurde das dann noch angepasst. Es war ein tolles Zusammenspiel zwischen den Abteilungen.

Wie ging es euch bei dem Satz von Anya, den ich ja sehr feiere: „Mein Limit ist erreicht, ich kann jetzt einfach nicht mehr zuhören“. Warum sagen wir nicht öfter, was wir wirklich fühlen?

Im Italienischen sagt man „Alla faccia della Verità“, das Gesicht der Wahrheit. Das sagt man vor allem zu Kindern, weil sie so ehrlich sind.

Ich finde es viel schöner, wenn wir ehrlicher miteinander sein könnten. Das macht Anja tatsächlich aus, dass sie kein Blatt vor dem Mund nimmt. Manchmal trifft sie nicht ganz den richtigen Ton… Das ist ja das besondere an der Figur, und das schätzt Caro sehr an Anja.

Chiara Schoras im Interview zu "EIne Wingwoman verliebt sich nicht" mit Andrea Zschocher
© ZDF/Gordon Muehle

Wonach suchst du Rollen aus, die du spielst? Was reizt dich?

Je vielfältiger desto schöner. Das ist ja der Grund, warum ich Schauspielerin geworden bin. Ich möchte durch die unterschiedlichsten Figuren und Emotionen die verschiedenen geistigen Zustände erzählen.Wonach ich das aussuche, ist aber oft mein Bauchgefühl.

Manchmal lese ich ein Buch und werde sofort in die Geschichte gezogen. Dann will ich das spielen. Wenn mich etwas berührt, dann ist das ein gutes Zeichen. Beim zweiten oder dritten Durchlesen schaue ich mir dann genauer meine Figur an. Je komplexer sie ist, je mehr Höhen und Tiefen sie durchlebt, desto interessanter wird sie für mich. Für mich ist es wichtig, dass meine Figur eine Entwicklung durchmacht.

Gibt es eine Figur, die du niemals spielen würdest?

Generell ist es uninteressant, wenn sie zu eindimensional erzählt wird. Dann ist dem Drehbuchautor ja auch nichts zu ihr eingefallen.

Wofür ich gar keine Toleranz habe, sind Nazis. Ich weiß nicht, was ich tun würde, bekäme ich eine Nazifigur angeboten. Clemens Schick hat neulich auf Instagram darüber berichtet, wie schwer es für ihn war, die Rolle eines hochrangigen Nazis in der fünten Staffel von „Babylon Berlin“ anzunehmen und dann wieder loszuwerden.

„Eine Wingwoman verliebt sich nicht“ könnt ihr ab sofort in Web & App vom ZDF anschauen. Am 30. August läuft der Film um 20:15 Uhr im ZDF.


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