Ich finde alles rund um die „Polarstern“ seit Corona spannend (und hatte vorher noch nie von ihr gehört). Damals habe ich für die Kinder eine Serie über das Forschungsschiff entdeckt und wir haben das sehr intensiv verfolgt, was die Froschenden und die Crew damals beim Festfrieren in der Antarktis erlebt haben. Dann kamen Bücher, Dokumentarfilme und Ausstellungen dazu. Und jetzt ein Kinodokumentarfilm.
Natürlich wollte ich mit der Dokumentarfilmerin Ines Reinisch über ihren Film „Salz und Wasser“ sprechen. Über ihre Zeit an Bord, ihren Weg dorthin. Aber auch über das, was wir alle von den Forschenden und der Crew, und eben auch über Dokumentarfilme generell lernen können.
Wie kam es dazu, dass du mit der „Polarstern“ unterwegs warst?
Ines Reinisch: Da muss ich etwas ausholen: Ich habe ökologische Agrarwissenschaften studiert und mich sehr viel mit Lebensmittelerzeugung und dem Boden beschäftigt. In dem Zuge habe ich mich auch damit auseinandergesetzt, wie sehr Dürren und Starkregenereignisse die Böden und die Ernte und damit unserer Ernährungssicherheit beeinflussen.
Ich komme aus der Schäferei, und war für ein Filmprojekt in einem der Dürrejahre im Juni auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Deren Flächen waren die reinste Savanne, da war nichts mehr. Und da reden wir von Nordhessen, nicht irgendwo am anderen Ende der Welt. Für die Tiere war nichts mehr zu fressen da, es musste zugefüttert werden, in einer Zeit, in der es eigentlich mehr als genug Gras geben sollte. Das zu sehen und zu wissen: Da folgt noch ein Winter, durch den man die Tiere bringen muss, das macht was mit einem. Danach habe ich mich noch sehr viel stärker mit der globalen Klimaerwärmung beschäftigt.
Im Ökolandbau schauen wir uns immer das gesamte System an, haben also einen sehr holistischen Blick auf alles. Wir schauen uns genau den Boden an, auf den wir etwas anbauen wollen, seinen natürlichen Aufbau, den Humusgehalt, das Bodenleben, den Nährstoffgehalt, welche Flächen, Bäume, Sträucher ihn umgeben, die Hangneigung, der Niederschlag, die Temperatur, die Sonneneinstrahlung, die Beschattung, welche Kulturen wir wann auf diesem Boden anbauen wollen, das Insekten- und Tierleben, aber auch, was ich als ökolandwirtschaftlicher Betrieb leisten kann und was nicht u.s.w. Somit wird alles aufeinander abgestimmt, um im Zusammenspiel mit dem komplexen Ökosystem Ernten zu erwirtschaften und dabei möglichst noch den Boden aufzubauen und nicht gegen die Natur zu arbeiten.

Meine Familie hat einen beruflich starken Seefahrtsbezug, ich hatte immer einen Bezug zum Meer. Für mich endet das Land nicht an der Küste, wir müssen im Gesamtökosystem auch die Ozeane mitdenken. Das ist dann wieder mein holistischer Blick. Die Ozeane sind extrem entscheidend, um das Klimageschehen der Vergangenheit zu verstehen und in die Zukunft zu denken. Zwei Jahre habe ich mich intensiv mit den Ozeanströmungen, mit physikalischen und chemischen Parametern auseinandergesetzt und bin dann zwangsläufig bei den polaren Gebieten gelandet. Ich war schon mit der Schäferei in der arktischen Region tätig, deswegen hat mich auch die Gegenseite, die Antarktis, interessiert.
Für alle, die mit der Seefahrt zu tun haben, ist die „Polarstern“ ein Begriff. Sie ist etwas sehr Besonderes, und ich habe also meinen ganzen Mut zusammengenommen und dem Expeditionsleiter Marcus Gutjahr eine Mail geschrieben und gefragt, ob ich bei seiner Expedition dabei sein darf. Ich habe gar nicht mit einer Antwort gerechnet. Aber er hat geantwortet und meinte: Ich finde deinen Ansatz für den Film gut. Ich wollte keine typische Wissenschaftsdoku machen, sondern einen Kinodokumentarfilm. Das ist ja eine ganz andere Erzählweise.

Was genau ist denn der Unterschied?
Mir war von Anfang an klar, welche Art von Film ich realisieren und wie ich ihn erzählen möchte. Es sollte keine typische TV-Wissenschaftsdoku werden, weil ich das Gefühl habe, dass diese Art der Darstellung schon sehr durchformatiert ist und nicht so wirklich klar wird, wie viel Arbeit hinter einer wissenschaftlichen Arbeit steckt und wie viele verschiedene Menschen daran beteiligt sind.
Ich wusste also, dass ich es über die Menschen erzählen möchte, damit das Publikum sich mit ihnen und das Geschehen verbinden kann. Und es war mir von Anfang an klar, dass es ein Film für die Kinoleinwand wird. Dafür filmt man anders, die Kameraführung, die Erzählweise und auch die Schnittfrequenz sind anders als bei TV-Produktionen. Fürs Kino kann ich meinem Publikum die Zeit gönnen, sich die Bilder wirklich in Ruhe anzuschauen und sich auf das Geschehen einzulassen, weil das Format viel größer ist und ich auch den Filmton noch ganz anders nutzen kann. Ich kann ihnen durch diese intensive Betrachtung ein Erlebnis schenken, das sie sonst vielleicht nicht erleben würden.
Die Wege, über Wissenschaft zu kommunizieren, sind sehr vielfältig und haben alle ihre Berechtigung. Ich wollte aber zeigen, was Wissenschaft wirklich bedeutet. Nämlich Teamarbeit, nicht nur eine einzelne Person. Überspitzt dargestellt, scheint die öffentliche Wahrnehmung von Forschungsarbeit zu sein, dass Alexander von Humboldt in die Welt segelt, um dann eine Fliege zu fangen, ihr einen Namen zu geben und damit ein wissenschaftliches Ergebnis vorliegt. Aber so funktioniert das in der Realität nicht.
Wissenschaft ist immer Teamarbeit, die „Polarstern“ ist immer Teamarbeit. Die Schiffsbesatzung bringt so unglaublich viel Erfahrung mit. Sie hat die Verantwortung für das Schiff, für das Leben aller an Bord. Ohne die Schiffsbesatzung könnten die Wissenschaftler*innen gar nicht losfahren, sie würden mit dem Schiff noch nicht einmal Bremerhaven verlassen können.

Was ich im Film zeige, die Probenentnahme von Wasser und Sedimenten und deren Vorbereitung für die Analyse, das ist nur ein ganz kleiner Teil der Wissenschaft. Das geht danach in den Laboren ja weiter. Die ganzen Datensätze werden ausgewertet, das ist eine sehr langwierige und sehr akribische Arbeit. Ich weiß, dass Wissenschaft in unserer Gesellschaft gar keinen so hohen Stellenwert hat und die viele Arbeit nicht gesehen wird. Wir nehmen es einfach hin, dass es Forschungsergebnisse aus den polaren Gebieten gibt. Dass da Menschen für die Forschung hinfahren, dass das sehr herausfordernd und mitunter auch gefährlich ist, ist vielleicht in Ansätzen bekannt, der Umfang und der sehr hohe Einsatz von den Beteiligten aber nicht.
Als wir durch den Eisspalt gefahren sind, gab es dort gefährliche Untiefen. Es braucht einen extrem guten Kapitän, sehr erfahrene Menschen auf der Brücke und in der Maschine, die uns da durchbringen. Die Schiffsbesatzung, die genau weiß, was sie tut. Nur deswegen gibt es Wasserproben aus Gegenden, in denen noch nie jemand war.
All diese verschiedenen Aspekte waren mir vorher schon klar. Was ich nicht wusste, war, was auf dem Schiff passieren wird, was ich wo wann wie filmen kann. Was die Menschen mir erzählen werden, was sie bewegt. Denn all diese Personen im Film sind ganz normale Menschen, die aber alle einen sehr speziellen Beruf haben. Aber wir alle können eine gewisse Verbindung zu ihnen aufbauen.

Ich habe einen riesigen Respekt und eine große Wertschätzung allen Menschen auf der „Polarstern“ gegenüber. Mir ist bei den Dreharbeiten, aber vielmehr noch Schnitt klar geworden, was davon ich herausarbeiten möchte, um eine vielschichtige Sichtweise zu ermöglichen. Es war ein spezieller Weg, dass dieser Film so anders geworden ist. Aber ich wollte, dass er so wird, wie er ist.
Ich glaube, dass „Salz und Wasser“ die Menschen berühren wird. Ich habe ihn ja bei den Filmfestivalpremieren schon vorführen dürfen und nach dem Filmende immer in sehr bewegte Gesichter geschaut. Ich hoffe, dass ein wenig davon in den Menschen weiterlebt, dass Menschen, wenn sie jetzt von Hitzewellen hören, eine andere Verbindung und ein tieferes Verständnis für die globale Klimaerwärmung aufbauen können.
Der Film wird sicherlich nicht allen gefallen, aber ich hoffe, dass er etwas in den Menschen bewegt. Dass Veränderungen angestoßen werden, und wir vielleicht auch darüber debattieren, wie wir in Filmen über Wissenschaft erzählen, wie wir sie darstellen.

Wie bist du mit dem Druck umgegangen, möglichst viel zu filmen? Denn alles, was du nicht filmst, wird es im Film nicht geben, und ihr wart ja nur zu zweit an Bord.
Es war ein permanenter Druck. Wir waren im antarktischen Sommer da, das heißt, die Sonne geht nicht unter, und auf diesem Schiff wird 24/7 gearbeitet. Es findet zu jeder Zeit Forschung statt, egal wie spät es ist. Und es ist klar: Man kann nicht alles mitnehmen. Vieles passiert in Gruppen und gleichzeitig. Manches wiederholt sich, weil der Ablauf für die Probenentnahme immer gleich ist.
Auf dem Handy konnte ich die schiffsinternen Ablaufpläne verfolgen und wusste dann, welche Proben wann entnommen werden und mit der Zeit, welche Arbeitsschritte darauf folgen werden. Ebenso, wer von der Schiffsbesatzung für welchen Arbeitsbereich zuständig war und Schritt für Schritt, wie sich die Arbeitsprozesse auf dem gesamten Schiff zusammenfügen. Und dann musste ich entscheiden: Wo will ich dabei sein, worauf muss ich verzichten? Und dann ist da noch diese unfassbare Landschaft! Ich wusste gar nicht, wann ich die Kamera abschalten sollte, weil die Antarktis so beeindruckend ist.
Im Film gibt es die Szene, bei der wir durch diese atemberaubende Eislandschaft fahren. Da standen meine Toningenieurin und ich zweieinhalb Stunden auf dem Peildeck in eisiger Kälte. Wir hatten natürlich die Schutzanzüge an, aber das wird irgendwann einfach sehr kalt.

Wie bist du mit dem Wissen umgegangen, dass zwangsweise nicht alles gefilmt werden kann? Wie gut konntest du das loslassen?
Der Druck war enorm, ich habe während der 10 Wochen 6 kg abgenommen. Aber es ist ja nicht mein erster Film und mir ist es beim Dokumentarfilm sehr wichtig, bestimmte Grenzen einzuhalten und Respekt vor den Protagonist*innen zu haben.
Auf dem Schiff gibt es natürlich Grenzen und Regeln, an die man sich halten muss. Es gibt zum Beispiel keine Privatsphäre. Das Schiff ist 118 m lang, 25 m breit und hat einen Tiefgang von 11,20 m. Man ist mit 93 Menschen für zehn Wochen auf diesem Schiff zusammen, und wir kannten vorher kaum jemanden. Uns war es deswegen wichtig, von Anfang an das Gefühl zu vermitteln, dass jede*r immer sagen kann, dass die Kamera ausgeschaltet werden soll. Wir wollen sicherstellen, eben weil es keine Privatsphäre gibt, dass wir als Medienteam nichts Privates filmen.
Wir alle wissen, dass es Momente gibt, in denen es einem nicht gut geht oder in denen Sicherheitsvorkehrungen absoluten Vorrang haben. Da halte ich dann bestimmt nicht die Kamera drauf. Ich weiß, dass ich mit meinem Film die Protagonist*innen einem Publikum exponiere. Ich trage die Verantwortung für sie, denn sie leben ihr Leben auch nach meinem Film weiter und das sollen sie auch ohne Probleme tun können.
Respekt voreinander zu haben ist das Wichtigste. Wir haben auf dem Schiff die Verantwortung füreinander. Denn, wenn jemand etwas entscheidet, hat das auch Auswirkungen auf die anderen, da ist kaum etwas nur persönlich. Man ist auf dieser Nussschale, 4000 Kilometer von jeglicher Zivilisation entfernt. Es gab Situationen, da wurde ich gebeten, die Kamera auszuschalten, und das war vollkommen in Ordnung. Dadurch, dass ich das ohne Diskussionen gemacht habe, hat sich ein Vertrauen entwickelt, das uns zu einem Teil des Teams hat werden lassen. Dadurch haben sie dann auch Dinge geteilt, die sie so vielleicht gar nicht unbedingt geteilt hätten, wie beispielsweise das Gespräch zwischen Torben und seiner Tochter Lena. Ich bin so dankbar dafür, dass die beiden mir so vertraut haben, weil ich glaube, dass sich sehr viele Menschen mit dem identifizieren können, was die beiden im Interview erzählt haben.
Aus diesem Vertrauen kam eher mein Druck. Natürlich wollte ich genügend Bilder haben, aber es ging immer auch darum, wie auf dem Schiff gelebt wird, weil das auch für mich stellvertretend dafür ist, wie wir gemeinsam alle auf diesem Planeten leben könnten. Wir tragen Verantwortung füreinander, nie nur für uns, sondern auch für die anderen.

Du trägst, wie du auch gesagt hast, sehr viel Verantwortung für die Menschen, die du zeigst.
Ich habe als Dokumentarfilmerin ein sehr mächtiges Mittel, meine Kamera, in der Hand. Und dann passiert während des Filmschnitts auch noch wahnsinnig viel. Wie viel zeige ich von jemandem? Menschen haben durch meine Arbeit das Gefühl, jemandem näherzukommen.
Ich weiß, dass es in der klassischen Dramaturgie immer „Konflikte, Konflikte, Konflikte“ heißt. Am besten Streit oder andere Probleme. Aber das war nicht mein Ansinnen und das Erstaunliche war, dass man das auf Polarstern tatsächlich auch nicht beobachten konnte, weil es dort immer um eine produktive Zusammenarbeit ging. Wer Konflikte sehen will, muss nur den Fernseher anschalten und die Nachrichten schauen. Der Konflikt in diesem Film liegt woanders. Und zwar nicht bei den Protagonisten, sondern im Publikum. Und das ist eine komplett andere Erzählweise, die aber nicht weniger Wirkung hat.

Ich habe „Salz und Wasser“ angeschaut und war an der Stelle, als die „Polarstern“ in diesen Crack, dieses komplett unberührte Wasser, hineinfährt, extrem zwiegespalten. Denn natürlich ist Forschung wichtig, dadurch erfahren wir etwas über die Welt. Aber andererseits ist die „Polarstern“ ein 40 Jahre altes Schiff, das sicherlich auch Spuren hinterlassen wird.
Nein, das tut sie nicht, das darf sie nicht. Sonst dürfte sie überhaupt nicht in die polaren Gebiete fahren. Die Sicherheitsstandards und Auflagen vom Umweltbundesamt sind extrem hoch. Ja, das Schiff ist 40 Jahre alt, aber in Punkto Sicherheit ist sie die Königsklasse, was Eisbrecher und Forschungseisbrecher angeht.

An Bord zeigst du auch die iranische Wissenschaftlerin Nazanin Asadi. Mich hat sie sehr beeindruckt, auch in ihrer Freude darüber, überhaupt an Bord der „Polarstern“ sein zu können. Ging es dir, als du mit ihr gesprochen hast, auch so, dass du dachtest: Wie verrückt, dass wir beide jetzt hier sind und miteinander sprechen?
Auf jeden Fall. Es braucht viel Mut von uns Frauen in dieser Zeit. Es braucht auch glückliche Fügungen, aber vor allen Dingen Mut und Durchhaltevermögen, um da hinzukommen, wo wir hinwollen. Nazanin beweist allen, dass sie ihren Weg gegangen und sich ihren Traum erfüllen konnte. Und sie geht ja auch weiter in ihrem Leben.
Für mich zeigt u.a. sie ganz deutlich, dass es sich lohnt, auch durch die schwierigen Zeiten zu gehen, das anzunehmen und das Beste draus zu machen. Wir dürfen nie den Mut verlieren. Genau das schwingt in meinem Film auch mit. Wir brauchen den Mut, unbekannte Wege einzuschlagen, die manchmal unmöglich erscheinen. Es braucht Mut, Frieden zu finden auf diesem Planeten, auf dem sich Menschen gerade bekriegen. Wir können uns jeden Tag für Frieden entscheiden, die Waffen niederlegen und sagen: Wir hören jetzt damit auf und trinken lieber einen Tee zusammen. Aber noch tun wir das nicht. Das Vertrauen zu haben, dass es anders wird, das erfordert Mut.
Wir merken auch, dass die Hitzewellen immer stärker werden, es gibt immer mehr extreme Wetterereignisse, auch Starkregenereignisse, Überflutungen. Wir müssen, um damit zurechtzukommen, alte Pfade verlassen und neue Möglichkeiten suchen, Energien zu gewinnen. Es braucht neue Berufe, andere Ideen, die die Ökosysteme nicht weiter schädigen, sondern sie stützen und bestenfalls wieder aufbauen. Die Menschheit lebt aus der Innovation heraus, aus Kreativität und Ideen. Und dabei müssen wir das Ziel weiter verfolgen, so wenig CO2 zu emittieren wie irgendwie möglich.

Verzweifelst du manchmal an der Realität, wie sie im Moment ist?
Ja, denn es ist zum Verzweifeln. Aber ich sehe auch so viele Menschen, die Dinge anders machen, die sich anders orientieren. Wenn ich nur darauf schaue, was sich Milliardäre für unseren Planeten vornehmen, dann halte ich mich mit dem Negativem auf. Das raubt mir Energien. Wir haben die höchsten CO2-Ausstöße in der Geschichte der Menschheit, und es wird nicht besser. Das kann einen doch nur zur Verzweiflung bringen. Aber man muss dann auch schauen, was sich verbessert.
Es gibt in jedem Bereich Menschen, die andere Wege einschlagen, die viel ausprobieren. Und es ärgert mich, wie viele Steine denen oft in den Weg gelegt werden. Wir alle tragen Verantwortung für unseren Lebensraum, wir leben schließlich in ihm. Also haben wir auch die Verantwortung für die Tiere, Insekten, Pflanzen, mit denen wir in diesem Lebensraum leben, den wir ihnen durch unser maßloses Konsumverhalten streitig machen und leider in großen Teilen nahezu unwiederbringlich zerstören. Wir müssen uns daran wieder erinnern, dass wir nur ein Teil von dem Ganzen sind und nicht die Krone.
Wir müssen uns auch daran erinnern, dass wir füreinander Verantwortung haben, oder? Denn Einsamkeit ist ein riesiges Thema unserer Zeit.
Mein Beruf ist letztendlich sehr einsam. Die Zuschauenden sehen ja nur den sehr aktiven Teil, die Dreharbeiten. Aber es ist sehr viel Zeit, die ich dann allein vor meinem Computer verbringe, um das Material zu sichten, zu transkribieren und den Film zu schneiden Ich merke schon, wie ich vereinsame. Das ist sehr ungesund. Da muss ich schon schauen, wie ich nach außen treten kann. Wir müssen über Einsamkeit mehr sprechen. Denn nur weil wir uns gegenseitig mal eine Nachricht schicken, sind wir nicht weniger einsam. Das ist dann kein echter Austausch, sondern nur der Hinweis, dass mal jemand netterweise kurz an mich gedacht hat.
Aufeinander zugehen, einander zuhören, sich gegenseitig wertschätzend unterstützen, das hilft. Wir müssen viel mehr Verständnis füreinander aufbringen und lernen, dass die Ängste, die man in sich trägt, berechtigt, aber nicht unüberwindbar sind.

Wie hat die Crew eigentlich auf den Film reagiert?
Sie mögen den Film. Das muss natürlich erstmal sacken, da es etwas sehr Besonderes ist, sich so groß auf einer Kinoleinwand zu sehen. Aber sie haben mir rückgemeldet, dass sich alle repräsentiert fühlen und mit dem Film mitgehen.
Leider konnte ich nicht alle, die auf Polarstern dabei waren, mit reinbringen. Es gibt z.B. Markus, den Lagerhalter, den ich eigentlich auch unbedingt zeigen wollte, weil er sehr viel Erfahrung auf dem Schiff mitbringt und in seiner Bordwerkstatt mit seinen erstaunlichen Tüftlerfähigkeiten sogar locker MacGyver in den Schatten stellen kann. Aber beim Schnitt musste ich mich von ihm und auch einigen anderen dann doch verabschieden, was wirklich nicht leicht war. Aber auch sie stehen hinter dem Film. Und ist etwas sehr Besonderes.
„Salz und Wasser“ könnt ihr ab 20. August im Kino anschauen.
„Salz und Wasser“ hat auf jeden Fall noch neue, spannende Fragen aufgeworfen und nach den ersten ca. 20 Minuten war ich auch voll drin. Mir war der Anfang des Films etwas zu schwerfällig und ich hatte Sorge, dass ich eine krasse Wissenschaftsabhandlung anschaue, aber das vergeht und dann nimmt einen der Film total mit und bleibt auch lange nach dem Schauen noch im Gedächtnis.
Ich empfehle euch den Besuch des Films auch dann, wenn ihr bisher noch keine Berühungspunkte mit der „Polarstern“ hattet. Das Forschungsschiff und die Arbeit, die dort von den Wissenschaftler*innen und der Crew geleistet wird, ist einfach beeindruckend.

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