Oliver Kalkofe habe ich anlässlich der Premiere von „Mission Santa – Ein Elf rettet Weihnachten“ zum Interview getroffen. Schnell kamen wir vom Film aber auch auf (geliebte) Weihnachtstraditionen, Weihnachten als Erziehungskonzept und die Frage, was gerade Hoffnung verbereitet. Ich mag die Frage sehr, weil sie uns doch alle in diesen Zeiten beschäftigt, oder?
Deswegen, schreibt mir gern, was euch Hoffnung schenkt, wo ihr Kraft rauszieht und welche (Weihnachts)Traditionen ihr pflegt.
Wie viel von deinem eigenen Großvater steckt in Opa, den du in „Mission Santa – Ein Elf rettet Weihnachten“ sprichst?
Oliver Kalkofe: Da steckt wenig drin. Ich habe eigentlich nur einen von meinen Opas kennengelernt. Der war soweit auch ganz lustig. Für die Rolle habe ich einen ganz eigenen Wunsch-Opa kreiert, wie man ihn gerne hätte.
Da gehe ich total mit. Auch mein Gedanke war: Wenn ich mir einen Opa zaubern könnte, dann wäre es vermutlich deiner.
Den Opa im Film finde ich cool, weil der so durchgeknallt ist. Denk mal an die Filme von früher zurück, da waren die Opas meist langweilig. Sie waren da, ein bisschen behutsam und haben sich gekümmert. Das hat sich inzwischen aber geändert.
Die älteren Menschen sind viel jünger. [Er lacht]
Schau mich an, ich bin auch viel älter, als ich mich eigentlich fühle. Wenn ich daran denke, als ich ein Kind war, hatte ich Leute in meinem Alter längst abgeschrieben. Aber Opas ändern sich heutzutage. Die sind doch oft viel durchgeknallter als ihre Enkel. Eine schöne Entwicklung, und ich freue mich, dass ich das im Film ein bisschen zeigen konnte.

Dein Opa hat auch nichts Opahaftes an sich. Und so sehr ich hoffe, dass Großeltern heute ganz anders sind als früher, den Generation Gap können wir ja nicht wegdiskutieren. Die Älteren regen sich durchaus über viele Themen auf, die die Jungen umtreiben.
Es ist immer die Frage, wie man das selber angeht. Ich muss gestehen, dass ich persönlich keinen Bock darauf habe, Opa zu sein. Ich habe ja auch keinen Bock darauf, erwachsen zu werden. [Er lacht] Ich bin jetzt gerade über eine Altersschwelle gestolpert, die mir ein bisschen zu denken gegeben hat. Ich habe nur auch gemerkt: Ich benehme mich überhaupt nicht dementsprechend!
Ich habe meine ganzen Figuren zu Hause, sammle Comics, habe Lust an all den verrückten Sachen, die mir schon früher Freude gemacht haben. Ich finde das ganz komisch, dass man sich dazu zwingt, mit sowas aufzuhören. Man kann doch versuchen, im Herzen Kind und fröhlich zu bleiben. Ich habe mir das total bewahrt. Deswegen ist mir der Opa im Film wahrscheinlich doch ähnlich.
Glaubst du, dass du dich noch mal änderst? Dass du unter Druck doch beschließt, jetzt spießig zu werden?
Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum man spießig wird! Warum sollte man das tun? Es stimmt, bei vielen Menschen, die ich kenne und mit denen ich groß geworden bin, habe ich gemerkt, dass die irgendwann so wurden. Bei mir sehe ich das nicht. Da ist der Zug wahrscheinlich auch abgefahren. Ich bin zu alt dazu, spießig zu werden.
Dein Opa im Film ist auch Schneekugel-Erfinder. Ich liebe Schneekugeln und hätte gern auch eine, mit der ich, wie die Elfen im Film, reisen könnte. Wenn du jetzt mit einer Schneekugel irgendwohin reisen könntest, wohin würde es gehen?
Wow, gute Frage. Kann ich auch in der Zeit reisen? Denn ich finde die Idee einer Zeit-Ort-Maschine schon großartig.
[Er überlegt] Ich möchte vor Weihnachten gerne noch mal nach London, weil ich es da einfach liebe zu dieser Zeit. Da mit einer Schneekugel einfach mal schnell hinzuhuschen, das wäre super. Oder will ich lieber in vergangene Zeiten? Ich würde ja auch gern alles Mögliche erleben, was ich bisher nur aus Filmen kenne. Ob jetzt der Wilde Westen oder die Zukunft … Ich hätte nur Angst, dass ich dann da vielleicht hängen bleibe. So eine Schneekugel geht ja schnell kaputt.
Mir geht’s wie dir, ich finde Schneekugeln wirklich eine tolle Sache. Als Kind hatte ich ganz viele. Dann kam ich davon weg, und jetzt habe ich mir gerade die James-Bond-„Feuerball“-Schneekugel bestellt. Es gibt verschiedene Varianten, und ich sammle die.
Komisch, dass einem das irgendwann abhandenkommt, die Faszination dafür. Ich kenne das nämlich auch.
Vielleicht liegt es an dem Overkill? Es gibt ja auch so viele billige Dinger, die einfach kitschig sind. Es gibt aber auch richtig coole Schneekugeln für Erwachsene, die ganz liebevoll gemacht sind. Schneekugel ist ja nicht gleich Schneekugel!

„Weihnachten vermittelt immer Hoffnung“, heißt es im Film. Das können wir in diesen Zeiten brauchen. Was macht dir Hoffnung?
Es ist wirklich schwer, momentan Hoffnung zu empfinden.
[Er überlegt] Ich habe die Hoffnung, dass immer dann, wenn es irgendwie besonders schlimm wird, die Menschen wieder zur eigenen Vernunft zurückfinden. Wir haben jetzt eine ganze Zeit lang eher gegeneinander agiert, nicht nur im Sinne von Kriegen, sondern auch von Empörung, Meinung gegen Meinung. Das muss sich wieder drehen. Wir merken doch, dass das im Grunde gar nichts bringt.
Es ist immer so, dass, wenn es dem Menschen etwas zu gut geht, er bekloppt wird und komische Sachen macht. Da müssen wir jetzt merken, dass es besser ist, wieder mehr zurückzutreten. Auf diese Hoffnung setze ich im Moment, auch wenn es gerade ein bisschen schwierig ist.
In beinahe jedem Kinderfilm gibt es eine „naughty & nice“-Liste, auf der die vermeintlich guten oder bösen Kinder landen. Ich hasse sie heiß und innig. Was ist deine Meinung dazu? Sollte es die geben?
Nein! Dass an Weihnachten Listen geführt werden, was man richtig oder falsch gemacht hat, das fand ich nie gut. Damals gab es die Rute. Da war die Androhung, dass der Weihnachtsmann kommen und dir theoretisch den Arsch versohlen könnte. Früher war sowas noch okay. Das ist zum Glück heute nicht mehr so, auch der Weihnachtsmann ist friedlicher geworden.
Aber diese Listenführerei, die kann er doch jetzt auch sein lassen. Das bringt sowieso nichts. Wer da wo landet, ist ja auch immer relativ. Weihnachten soll nicht dazu sein, Kinder zu erziehen oder ihnen Angst zu machen, sondern ein Fest des Zusammenfindens, des Vertrauens und Vergebens und des Spaßhabens sein. Da muss man nicht mit irgendwelchen Repressalien kommen.

Hast du eine Weihnachtstradition, die du immer pflegst und von der du nicht abrückst?
Wenn wir über Weihnachten nicht wegfahren, dann habe ich eine Tradition für den Vorabend vor Weihnachten. Abends oder nachts am 23. Dezember schmücke ich allein den Baum. Dabei trinke ich mich leicht einen an. [Er lacht]
Ich schmücke wirklich gerne den Baum und habe gemerkt, dass meine Familie da nicht so richtig Spaß dran hat. Es wird auch zu chaotisch, wenn wir das zusammen machen. Deswegen mache ich es allein, verstecke immer Figuren zum Beispiel von „James Bond“, „Star Wars“ oder „Spiderman“ im Baum und höre dabei Musik oder ein Hörspiel. Dazu trinke ich was, und am Ende ist es ein wunderschöner Baum. Morgens bin ich immer ganz gespannt, wie der eigentlich aussieht, weil ich mich nicht mehr dran erinnern kann. [Er lacht]
Es gilt die Regel: Je besser ich drauf bin, desto schöner wird auch der Baum!
„Mission Santa: Ein Elf rettet Weihnachten“ könnt ihr mit euren Kindern nach wie vor im Kino anschauen.
Die Interviews mit Bettina Zimmermann und Julius Weckauf zum Film und zur Weihnachtszeit, findet ihr ebenfalls im Magazin.

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