Lucas Reiber im Interview zum Veganuary und Dry January mit Andrea Zschocher

Lucas Reiber: Essen ist ein emotionales Thema

Lucas Reiber ist jemand, mit dem man sich wirklich sehr sehr gut über sehr viele Themen unterhalten kann. Ich mag das ja und freue mich deswegen, dass ihr mit diesem Interview bestens vorbereitet ins neue Jahr starten könnt. Denn.. Na, lest selbst.

Das neue Jahr steht kurz bevor und damit auch die lange Liste an guten Vorsätzen fürs neue Jahr. Die allermeisten von uns starten damit und geben dann doch schnell wieder auf. Deswegen kann ich euch den Veganuary empfehlen. Da habt ihr sowieso nur einen Monat mit gutem Vorsatz, das lässt sich leichter durchhalten als gleich 12 Monate etwas durchzuziehen. Und wer weiß, im besten Fall nehmt ihr Lucas´Inspiration und startet damit, einzelne Lebensmittel durch vegane Alternativen zu ersetzen. Dann gelingt die Umstellung deutlich leichter.

Lucas, lass uns über ein Thema sprechen, das mehr Aufmerksamkeit vertragen kann. Du ernährst dich vegan, und im Januar startet der Veganuary. Da können alle, die es mal ausprobieren möchten, sich einen Monat lang vegan ernähren. Hast du einen Tipp, wie wir mehr Leute dazu bekommen, das mal anzugehen?

Lucas Reiber: Die meisten Menschen haben schon davon gehört, dass zu viel Fleischverzehr ungesund ist, das Darmkrebsrisiko steigert, oder, dass Milchprodukte den Körper säuern. Das ist nicht gesund und trotzdem ändert man nichts, weil wir es einfach so gewohnt sind. Außerdem ist Essen auch ein emotionales Thema.

Der Vorteil am Veganuary ist, dass man nicht zu 100 % sein Leben umstellen muss. Das ist ja auch viel zu anstrengend und kostet Energie. Wer vegane Ernährung ausprobieren will, kann doch auch Stück für Stück Lebensmittel ersetzen. Dann beginnt man z.B. mit Frischkäse und sucht nach einer veganen Alternative, die einem gut schmeckt. Oder Joghurt oder Milch. Da kann man auch ein bisschen herumtesten, aber muss eben nicht gleich alles ersetzen. Vielleicht merkt man auch, dass es einem besser geht, wenn man die Kuhmilch im Kaffee durch eine Pflanzenmilch ersetzt.

Manche haben vielleicht schon davon gehört, dass eine pflanzenbasierte Ernährung Vorteile mit sich bringt. Und wenn man sich dem Stück für Stück nähert, dann fällt der Umstieg gar nicht schwer.

Lucas Reiber im Interview zum Veganuary und Dry January mit Andrea Zschocher
© Max Motel

Du hast gar nicht übers Tierwohl gesprochen, was bei vielen ja direkt eine Abwehrhaltung erzeugt.

Tierwohl ist ein wichtiges Thema für mich. Aber die Leute wissen doch, was da passiert. Sie verdrängen es nur. Wir alle machen das doch manchmal so: Du weißt, etwas ist schlecht für dich, und machst es trotzdem. Das nennt sich kognitive Dissonanz. Beim Tierwohl ist es genau das: Man weiß, dass man Qualen erzeugt, aber man führt das ja nicht selbst durch. Menschen kaufen das Fleisch abgepackt im Supermarkt. Da kann man doch dann erfolgreich verdrängen, wo es eigentlich herkommt.

Wir alle haben doch mal einen Clip oder einen Film dazu gesehen. Es ist absurd, was da abgeht. Und trotzdem will sich das niemand angucken. Ich frage manchmal Leute: Wollen wir uns mal ein Video anschauen, wie ein Alpaka gerupft wird, damit wir hier einen schönen warmen Schal haben? Das will man sich dann aber nicht ansehen. Und gegen dieses Phänomen komme ich auch gar nicht an. Deswegen appelliere ich an eine schrittweise Umstellung und viel Ausprobieren.

Im Januar gibt es auch den DryJanuary. Ich trinke nie Alkohol, aber auch das könnten Menschen ja mal für einen Monat ausprobieren. Denn was mich am meisten nervt, sind diese Nachfragen, warum ich nichts trinke. Statt sich andere fragen, warum sie es tun.

Ich habe vor Kurzem gelesen, dass, wenn Alkohol heute neu entdeckt werden würde, läge die toxikologisch unbedenkliche Menge bei einem halben Glas Rotwein pro Jahr. Ein halbes Glas Wein pro Jahr, das ist der Rahmen, bei dem Toxikologen davon ausgehen, dass man sich nicht vergiften würde. Alles darüber sei definitiv verboten. Alkohol ist einfach ein Nervengift. Es ist absurd, was wir da in uns reinkippen.

Ich habe neulich, nach einer Abschlussfeier von einem Film, darüber nachgedacht, dass ich in solchen Momenten of sage: „Ich trinke Alkohol, aber jetzt gerade nicht.“ Oder: „Ich habe gerade keine Lust auf Glühwein, ich probiere mal eine Mirabellenschorle.“ Ich habe auch jahrelang gar keinen Alkohol getrunken, jetzt eher zu besonderen Anlässen, zum Anstoßen.

Es lohnt sich vielleicht auch, da noch mal intensiver drüber nachzudenken. Ich weiß aber auch: Man greift Menschen damit an. Denn wenn man sich genauer damit beschäftigt, dann wird einem klar: Wir haben in Deutschland echt ein Problem mit Alkohol, aber leider auch eine starke Lobby.

Erzählt doch mal, Veganuary oder DryJanuary, probiert ihr das dieses Jahr mal aus? Wie Lucas so schön beschreibt: Ihr müsst ja nicht radikal alles ändern, jeder Schritt ist einer in eine neue Richtung.

Lucas Reiber könnt ihr am 10. Januar 2026 im neusten Fall von „Ein starkes Team“ im ZDF sehen. Den Film könnt ihr ab sofort auch in Web & App des ZDF anschauen.


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