Es ist kein Geheimnis, dass ich Fragen wirklich sehr liebe. Und Wissensvermittlung auch. Weil man da noch mehr Fragen an Menschen stellen kann, die sich richtig gut auskennen. Einer, der diesen Job, zusammen mit seinem Team und den anderen Checkern extrem gut macht, ist Tobi Krell, besser bekannt als Checker Tobi. Ab heute könnt ihr den dritten Checker Tobi Film „Checker Tobi – Die heimliche Herrscherin der Erde“ im Kino angucken und mein unbedingter Tipp: Geht zusammen mit Kindern da rein. Ihr werdet auch als Erwachsene was Neues lernen und euren Spaß haben.
Ich konnte in Zusammenarbeit mit Michel Rieck von Riecks Filmkritiken ein Interview mit Checker Tobi führen. Das Interview in Videoform findet ihr auf Michels YouTube Kanal. Und ob ihr es hier lest oder als Video schaut: Auch das Interview richtet sich sowohl an Kinder, als auch Erwachsene. Es ist doch großartig, dass wir alle so viele Fragen haben, oder nicht?
Ein elementarer Teil des Films ist, dass du gegen das Erwachsenwerden kämpfst. Aber können wir in den Augen von Kindern überhaupt so etwas wie nicht langweilige Erwachsene sein?
Tobias Krell: Das „in den Augen von Kindern“ ist ein wichtiger Zusatz. [Er lacht]
Ich glaube, dass das geht. Wir sind zwei Erwachsene und wir reden jetzt hier miteinander über Themen, die auch für Kinder spannend sind. Wenn die Fans von dir und von mir sind, dann ist das nicht langweilig. Aber wenn wir nur als zwei Erwachsene miteinander reden, dann sind wir natürlich langweilige Erwachsene.
Ich glaube, man kann sich viel von dem, was einen schon als Kind zu einem lustigen, abenteuerlustigen, neugierigen Menschen gemacht hat, erhalten und das mit ins Erwachsenenalter nehmen. Genau das ist ja auch ein bisschen das Thema des Films. Und natürlich auch meines Lebens. Ich mache „Checker Tobi“ jetzt seit 13 Jahren und darf als Beruf mit ganz viel kindlicher Neugier durch die Welt gehen. Ich durfte mir das bewahren.

Du kannst im neuen Film deinem eigenen jüngeren Ich, deinem inneren Kind, auch visuell begegnen. Das schaffen die wenigsten. Aber wie bewahren wir das Kind in uns?
Es kann helfen, sich mit Kindern zu umgeben. Wenn man selbst Kinder hat, ist das ganz praktisch. Oder viele Kinder um sich herum hat, das funktioniert wahrscheinlich genauso gut. Und wenn nicht? Dann funktioniert es am besten, indem man nicht vergisst, dass man früher auch mal ein Kind war. Dass man die Welt ganz anders wahrgenommen hat, dass man mit großen, staunenden Augen jeden Tag irgendwo irgendwas Neues entdeckt hat. Das hört ja nicht auf.
Es ist ja nicht so, als hätten wir die Welt jetzt durchgespielt, ab dem 30. Lebensjahr weiß man, wie alles funktioniert, und dann ist es 60 Jahre langweilig. Wir können uns diesen Blick ja behalten. Wir können jetzt aus dem Fenster gucken, den Stuck auf der anderen Straßenseite entdecken und uns fragen, wer den wann da hingemacht hat. Was ist Stuck überhaupt und wie kriegt man den an diesen Ort?
Wir können immer überall etwas entdecken, was uns interessiert. Dafür braucht man natürlich Kapazitäten, und ich glaube, das ist ein Hauptthema: Erwachsene Menschen haben wirklich viel um die Ohren, das frisst Kapazitäten. Wie soll man dann noch staunend mit offenen Augen durch die Welt gehen? Aber wenn man sich immer wieder daran erinnert, ist das, glaube ich, schon mal ein toller erster Schritt.
Was für ein super Appell an alle, die keine Kinder haben, sich mal mit Menschen zu befreunden, die Kinder haben. Dann entdecken sie ihr inneres Kind wieder und die Eltern werden entlastet.
Auf jeden Fall. Deutschland hätte kein Kinderbetreuungsproblem mehr. Gern geschehen, Friedrich Merz. [Er lacht]
Was für eine tolle Überleitung zur nächsten Frage: Im Film geht es viel um Naturschutz und Nachhaltigkeit. Wie können wir den oder die Einzelne(n) dazu kriegen, sich mehr mit Natur, Klimaschutz, Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu beschäftigen?
Unser Hebel sind diese Filme, die eine abenteuerliche und spielerische Auseinandersetzung mit den Themen Klima und Umwelt sind. Es gibt verschiedene Wege, die man nutzen kann, um solche Themen zu kommunizieren. Wichtig ist, überhaupt darüber zu reden. Das ist, glaube ich, das, was letztendlich „Fridays for Future“ vor sechs Jahren so erfolgreich gemacht hat. Sie haben das Thema zu einem Thema gemacht. Es wurde viel darüber geredet, und weil Leute sich damit beschäftigt haben, gab es einen Zugzwang für Politiker*innen und für Menschen in der Gesellschaft, etwas zu unternehmen.
Eine Agenda setzen können wir alle, indem wir uns mit dem Thema beschäftigen. Wenn du jetzt fragst, was wir tun können, dann klingt es so, als wäre das etwas, womit du dich beschäftigst. Und ich habe es auch auf dem Schirm. Wenn also wir, die wir uns gut damit auskennen, anfangen, anderen Leuten viel zum Thema beizubringen, dann ist das doch wichtig.
Wissen ist Macht und die Grundlage von allem. Je mehr Leute sich gut mit dem Thema auskennen, desto mehr Leute können dann immer weitere Leute damit anstecken. Es ist wie ein gutes Schneeballsystem. Das heißt ja nicht, dass all die Leute dann nie wieder fliegen dürfen, aber es sind alles Menschen, die potenziell andere Menschen mit dem Wissen anstecken können. Und wenn wir dann alle nur Kleinigkeiten verändern und die Politik wieder im Zugzwang ist, dann können auch die großen Hebel bewegt werden.

Du sprichst gerade mit dem Fliegen einen wichtigen Punkt an. Denn meistens sind Kinder da viel schlauer als wir. Die Kritik meiner Kinder war: Checker Tobi fliegt für diesen Film aber ganz schön durch die Welt. Das ist voll cool, aber nicht nachhaltig.
Das ist ein superwichtiger Punkt, den sie da ansprechen. Wir haben uns das im Vorfeld natürlich überlegt: Wir machen Klimafilme und dafür reisen wir mit acht Leuten im Flugzeug um die Welt. Das ist ein Widerspruch in sich. Und es war klar, dass wir zwei Sachen tun müssen: Zum einen kompensieren wir die Flüge. Wir versuchen, die Produktion so grün und nachhaltig zu machen, wie es geht. Aber wir wissen auch: Wenn man einen Film macht, der auf Spitzbergen, in Madagaskar und Mexiko spielt, dann geht das nicht immer.
Der zweite Punkt, den ich noch viel spannender finde, ist, dass Kinder diesen Widerspruch erkennen und zu Recht den Finger darauf legen. Das ist schrecklich auszuhalten, aber es gehört zum Thema Klimakrise dazu. Man kommt nicht durch dieses Thema, ohne mit diesem Widerspruch klarzukommen.
Wenn wir bei jedem Punkt sagen: Na, das hat keinen Sinn, das lassen wir lieber, dann geben wir auf. Den Widerspruch auszuhalten ist das, was das Thema Klimakrise so unendlich kompliziert macht. Es steckt voller Widersprüche, und Menschen verlernen zunehmend, Widersprüche auszuhalten und damit klarzukommen, dass es keine einfachen Lösungen gibt.
Jetzt kann man sehr schnell in die große Politik kommen und von Populismus sprechen. Das spielt da auch eine große Rolle. Aber ich glaube, für Kinder ist es wichtig zu verstehen, dass es diesen Widerspruch gibt. Ich habe das auch erst beim ersten Kinofilm verstanden, als wir nach Grönland geflogen sind und die Wissenschaftler, die ihr Leben dem Thema Klimaschutz widmen, mir gesagt haben, dass sie nur mit den dreckigsten Militärmaschinen der USA überhaupt dorthin kommen. Die leiden darunter, dass das nicht anders geht, aber sie müssen es tun. Und es ist ihr täglich Brot, dass sie ihr Leben in einer fossilen Welt leben und gleichzeitig versuchen, diese fossile Welt abzuschaffen.
Dieser Widerspruch gehört dazu, wenn man sich mit dem Thema Klima beschäftigt, und wir als Team, die wir diese Filme machen, müssen damit leider auch klarkommen. Ich finde es total wichtig, darüber zu reden und allen zu sagen: Es gibt nicht nur richtig und falsch, sondern es gibt auch ein Falsch im Richtigen und ein Richtig im Falschen. Das klingt ein bisschen komplizierter, als es ist, aber ich glaube, wenn wir zu acht um die Welt fliegen und am Ende Hunderttausende sehen, was wir ihnen zeigen und was wir versuchen, auf eine spannende Art und Weise zu vermitteln, dann hat es sich fast schon gelohnt.

Eine weitere Kritik meiner Kinder: Ihr zeigt die Armut in Madagaskar nicht. Es gibt ganz tolle Aufnahmen von diesem Ort, aber die große materielle Armut, die dort herrscht, wird nicht gezeigt. Warum?
Das ist ja eine bewusste Entscheidung, damit der Film funktioniert. Das klingt komisch, deswegen lass mich das erklären: Wir wollten eine große Reise zeigen, bei der das Thema Boden und Erde im Vordergrund steht. Beim ersten Film haben wir das Elend in den Slums von Indien auch gezeigt. Wir lassen den Film an den Orten spielen, an denen er spielt. Und in Indien waren das auch die Slums. Als wir in Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar, gelandet sind, war das extreme Armut. Es gab aber keinen Grund für den Film, das zu zeigen. Wir hätten noch einen extra Dokumentarfilm darüber drehen können, aber die Geschichte im Film wäre dadurch nicht vorangekommen.
Wir haben nicht versucht, irgendwas auszusparen, damit der Film schön aussieht. Dass der Film schön aussieht, freut mich. Es liegt auch daran, dass wir einen fantastischen Kameramann haben. Aber dass die Kinder in dem Dorf auf Madagaskar z.B. sehr viel ärmer und mit sehr viel weniger Komfort, Luxus und überhaupt weniger Berührung mit Zivilisation, wie wir sie hier verstehen, aufwachsen, ist etwas, was wir unbedingt trotzdem zeigen wollten. Wir wollen nichts beschönigen.
Ich finde das superspannend, dass deine Kinder da so aufmerksam sind. Wir haben uns vorher die Stationen für den Film überlegt, aber ich habe erst bei der Ankunft in Antananarivo verstanden, wie krass die Armut dort ist. Hätten wir jetzt gesagt: Komm, da drehen wir noch schnell was, hätte der Film nicht funktioniert. Was es bei uns aber ausgelöst hat, ist, dass wir Wissen darüber bekommen haben. Deswegen kann ich jetzt mit dir darüber sprechen und mir auch vorstellen, mal einen Film zu machen, der sich mit Armut beschäftigt, weil das zu dieser Welt auch dazugehört. Aber in einem Film über Bodenerde passt es nicht.

Du bereist für deine Filme viele unfassbar schöne Orte. Gibt es einen, der dir besonders am Herzen liegt?
Von all den Orten, die ich für die Kinofilme bereist habe, würde ich immer noch Grönland nennen. Das war einfach abgefahren. Es ist ganz anders als alles andere, wo ich jemals war. Auch der Ort selbst, an dem wir waren: Wir waren ja mitten auf dem Eispanzer von Grönland. Das war wie ein anderer Planet.
Durch den neuen Film ist aber auch das Kohlebergwerk auf Spitzbergen dazugekommen. Ich war noch nie an so einem Ort, es fühlte sich ein bisschen wie out of space an.
Hattest du da Angst in diesem Kohlebergwerk?
Ich bin kein Fan von engen Räumen, und wenn man sich überlegt, dass über einem 400 Meter pures Gestein sind, dann ist das ein ganz weirdes Gefühl. Aber Angst hatte ich nicht, ich hatte ja auch Malte dabei, der super auf uns aufgepasst hat. Es war eher wie in einem Science-Fiction-Film.
Was gefällt dir daran, Checker zu sein?
Dass ich jeden Tag was Neues lerne, spannende Menschen kennenlerne, tolle Gespräche mit netten Leuten führen darf und Abenteuer erlebe.
„Checker Tobi – Die heimliche Herrscherin der Welt“ könnt ihr ab sofort im Kino anschauen. Die ersten beiden Checker Filme und überhaupt alles aus der Checker Welt findet ihr kostenfrei in der ARD Mediathek. Und, good news, lohnt sich alles, versprochen.

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