Die Regisseurin Antonia Simm gibt mit „Checker Tobi – Die heimliche Herrscherin der Erde“ ihr Kinodebüt. Das ist eine ganz schön große Verantwortung, nicht nur für den Kinofilm, sondern das ganze Team. Denn natürlich lieben Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Wissensvermittlung, die im Checker Universum von Checkerin Marina, Checker Tobi, Checker Can und Checker Julian betrieben wird. Und Antonia Simm hat sich und ihrem Team vertraut und einen wirklich tollen dritten Checker-Film ins Kino gebracht.
Wir sprechen nicht nur über die Herausforderungen, sondern auch über die Dreharbeiten (Antonia hat ein kleines Easter Egg für euch), Nachhaltigkeit, ganz besondere Orte auf der Welt und Verantwortung. Ich wünsche euch ganz viele Aha-Momente mit dem Interview und noch viel mehr mit dem dritten Checker-Film.
Mit „Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde“ gibst du dein Debüt im Kino. Wie fühlt sich das an?
Antonia Simm: So ein Kinodebüt ist natürlich extrem aufregend. Zu wissen, dass der eigene Film in über 600 Kinos startet, ist ein ganz besonderes Gefühl. Gleichzeitig bin ich in große Fußstapfen getreten, denn es gab ja bereits zwei sehr erfolgreiche Checker-Tobi-Kinofilme. Der Druck ist da durchaus spürbar.
Was mir viel Sicherheit gegeben hat, war unser Team, das schon bei den ersten beiden Filmen dabei war. Und ich bin sehr eng mit Tobi [Krell] befreundet – wir teilen ein sehr ähnliches kreatives Mindset, da lassen sich Dinge dann leicht umsetzen.
Außerdem hatten wir einen Writers’ Room mit vier Autor*innen, mit denen die Entwicklungsarbeit großen Spaß gemacht hat. Diesen Film mit einem so starken Team zu entwickeln, war eine wirklich besondere Erfahrung.

Im Film geht’s auch um Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig fliegt ihr um die Welt, um diese Orte und die Menschen vor Ort zu zeigen. Wie löst ihr diese Gleichzeitigkeit für Kinder auf?
Wir machen daraus keinen Hehl. Natürlich müssen wir für diese Drehs fliegen. Auch wenn wir im Rahmen unserer Green Production alle Flüge kompensieren, ist uns völlig bewusst, dass es für die Umwelt nicht ideal ist, mit einem ganzen Team um die Welt zu reisen.
Unser Anliegen ist es aber, Kindern zu zeigen, was weltweit für den Klimaschutz getan wird und wo sich Menschen engagieren. Wir möchten unserem jungen Publikum andere Kulturen näherbringen und ihnen die Schönheit unseres Planeten zeigen – und warum es sich lohnt, ihn zu schützen. Das ist dann immer ein Abwägen.
Wir hätten den Film auch komplett in Deutschland drehen können, um möglichst klimaneutral zu bleiben. Aber ich glaube, dass es in diesem Fall vertretbar ist, weil wir mit dem Film etwas bei Kindern anstoßen wollen. Unser Ziel ist Umwelt- und Meinungsbildung.
Auf Madagaskar gibt es große Armut. Im Film ist davon aber kaum etwas zu sehen. Warum?
Das ist eine sehr spannende und wichtige Frage. Wir haben lange darüber nachgedacht, wie und ob wir das thematisieren. Ich bin auf Madagaskar gestoßen, weil ich im Zusammenhang mit dem Thema Erde anfänglich auch über seltene Erden sprechen wollte, und dort ist leider auch Kinderarbeit ein Thema.
In einer frühen Version der Geschichte war das enthalten. Je tiefer ich jedoch in die Recherche eingestiegen bin, desto klarer wurde, wie schwierig es ist, das in einem Film zu erzählen, der trotz allem ein positives Narrativ haben soll.
Letztlich haben wir uns dagegen entschieden. Auch, weil Hanitra [Rakotonirina] als Protagonistin unsere Geschichte stark geprägt hat, durch ihre persönliche Perspektive und ihr Umweltprojekt. Auf dem Roadtrip, den Tobi mit ihr macht, war es uns aber wichtig, die Lebensverhältnisse Madagaskars schon sichtbar zu machen. In dem Dorf, in dem sie den Dorfältesten treffen, wird zum Beispiel deutlich, wie viel ärmer und anders das Leben dort ist als etwa in Deutschland

Als Regisseurin warst du natürlich überall dabei. Wie war das für dich in Spitzbergen in dem Bergwerk? Meine Kinder fanden das sehr faszinierend, aber auch gruselig. Es gab viele Diskussionen, ob sie wohl in den Jeep eingestiegen wären.
Ehrlich gesagt habe ich während des Drehs gar nicht so viel darüber nachgedacht. Dem Team ging es ähnlich. Wir waren sehr fokussiert und wussten: Wir brauchen diese Bilder. Die Vorstellung, dass mehrere hundert Meter Gestein über einem liegen, sollte man sich in dem Moment vielleicht besser nicht allzu genau vor Augen führen.
Ich wusste vorher selbst nicht, wie ich reagieren würde. Malte, der Geologe aus dem Film, hat uns natürlich gebrieft. Es ist ein unsicherer Ort. Wenn dort ein Feuer ausbricht, muss man sehr schnell raus. Es gibt Sauerstoffmasken, und wir wurden auch gefragt, ob wir Platzangst haben. Zum Glück hatte niemand aus dem Team damit Probleme, aber man weiß ja vorher nie genau, wie es sich dann tatsächlich in der Situation anfühlt.
Im Kohlebergwerk zu sein, war eines der spektakulärsten Dinge, die ich je erlebt habe. Einerseits ist es erschreckend, weil wir mit den fossilen Brennstoffen unseren Planeten zerstören. Andererseits denke ich immer wieder: Wow! Was Menschen sich ausdenken und umsetzen können. Welche Kraft wir haben. Und dann frage ich mich: Warum können wir diese Kraft nicht viel stärker ins Positive wenden?
Ihr wart auch auf einer Maya-Pyramide in Mexiko. Und es wirkt, als wärt ihr da komplett allein gewesen. Wie ist das möglich?
Nico, der Archäologe, forscht dort und kennt sich hervorragend aus. Das war unser großes Glück, denn er hat auch sehr gute Kontakte zum archäologischen Institut vor Ort. Calakmul ist zwar die größte Mayastätte Mexikos, aber extrem schwer zu erreichen und touristisch noch wenig erschlossen.
Es gibt dort inzwischen ein neues Hotel im Dschungel. Ein Projekt, das ich persönlich eher kritisch sehe, das für uns und den Film aber sehr hilfreich war, weil es die Wege extrem verkürzt hat. Andernfalls hätten wir täglich rund drei Stunden Fahrtzeit gehabt, was unseren Drehplan gesprengt hätte.
Tagsüber ist die Maya-Stätte besucht. Wir durften aber noch nach der offiziellen Schließung bleiben, um den Sonnenuntergang für das Finale zu drehen. Es war alles etwas mit der heißen Nadel gestrickt, denn es hatte zuvor drei Tage lang geregnet, und die Sonne kam ausgerechnet an dem Tag erst wieder heraus, an dem unser Kinderdarsteller, Theo Latta, eigentlich abreisen sollte. Zum Glück waren seine Mutter und die Schule flexibel, sodass er länger bleiben konnte.
Am Ende hatten wir Sonne und waren ganz allein auf der Pyramide. Das war wirklich spektakulär.
Wir sprachen schon über Klimaschutz und das Reisen. Wir wollen keine Werbung dafür machen, dass man das andere Ende der Welt kennenlernen muss, aber gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass Reisen extrem bildet. Reisen eröffnet einem neue Horizonte. Man lernt, mit Gegebenheiten, die nicht die eigenen sind, besser umzugehen.
Ja, man lernt auch, Dinge in Relation zu setzen. Deutschland ist ein reiches Land, gerade beim Klimaschutz könnten wir so viel mehr tun. Diejenigen, die am stärksten unter den Folgen leiden, sind die ärmeren Länder wie Madagaskar. Vor Ort wird die Ungerechtigkeit sehr deutlich.
Ich finde es wichtig, andere Kulturen kennenzulernen und allen Menschen offen zu begegnen. Wir wollten mit dem Film sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechen. Ich habe oft das Gefühl: Wenn wir mehr unsere Kräfte bündeln und Generationen zusammenkommen würden, könnten wir unglaublich viel erreichen. Kinder werden so oft unterschätzt, dabei können auch sie viel bewirken.

Meine Kinder haben mich beim Schauen von „Checker Tobi 3“ auch immer wieder gefragt: Ist das echt oder fake? Was ist eine gute Antwort auf diese Frage?
Erstmal finde ich es super, dass Kinder diese Frage stellen. Gerade in Zeiten von KI ist es unglaublich wichtig, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was echt ist und was nicht. Kino erzeugt natürlich eine gewisse Magie. Dinge wirken plötzlich selbstverständlich, obwohl sie real gar nicht möglich wären.
Dafür nutzen wir filmische Mittel: Unser kleiner Tobi kann im Film Zeitreisen machen, das lösen wir über Kamera und Schnitt. Das sind klassische Tricks.
Manchmal müssen wir aber auch aus praktischen Gründen tricksen. Ein Beispiel ist die Szene unter dem Baobab-Baum in Madagaskar. Wir waren im November 2024 dort – und Theo, unseren Kinderdarsteller, hatten wir da noch gar nicht gecastet.
Wir hatten aber bereits eine Szene geplant, in der Tobi mit seinem jüngeren Ich spricht. Also haben wir zunächst ein leeres Bild gedreht, nur mit Tobi. Es gab viele Überlegungen, ob wir später mit Greenscreen arbeiten. Am Ende haben wir uns für eine analoge Lösung entschieden.
Die Set-Designer haben dann einen Teil des Baobab-Baums nachgebaut. Wir haben jedes einzelne Element vor Ort fotografiert, ein 3D-Modell erstellt und mit verschiedenen Materialien rekonstruiert. Ich war anfangs sehr skeptisch, weil ich den echten Baum ja gesehen hatte. Aber am Ende sieht man keinen Unterschied. Selbst ich, die die Szene unzählige Male gesehen hat, erkenne ihn inzwischen nicht mehr.
Ihr habt mit der Checker-Welt ja auch eine Marke geschaffen, die ganz viel Vertrauen geschenkt bekommt. Und dann die Sorge zu haben, dass etwas gar nicht stimmt, das zeigt ja auch, wie groß das Thema inzwischen ist.
Absolut! Wir haben bei all unseren Produktionen, egal ob Fernsehsendung oder Kinofilm, einen sehr hohen journalistischen Anspruch. Das Vertrauen, das Kinder und Eltern uns entgegenbringen, ist eine große Verantwortung, die wir sehr ernst nehmen.
So sind zum Beispiel die Menschen im Film keine Schauspieler*innen, sondern echte Expert*innen, die ihre Arbeit wirklich ausüben und die ihr Wissen mit in die Geschichte fließen lassen.
Warum funktionieren Pipi- und Kaka-Witze eigentlich so gut bei Kindern und Jugendlichen? Ich denke an eine Szene im Bergwerk auf Spitzbergen, bei der der ganze Kinosaal voller Kinder gelacht hat.
Diese Witze funktionieren nicht nur bei Kindern, sondern auch bei uns im Team. [Sie lacht]
Die Idee zu der Pups-Szene im Bergwerk kam tatsächlich von Malte, dem Geologen. Das passiert dort vor Ort wirklich. Als er davon erzählt hat, war für mich sofort klar: Das müssen wir genauso machen. Er war also maßgeblich daran beteiligt und wir hatten alle großen Spaß daran.
Und generell glaube ich, dass diese Art von Humor bei Kindern so gut funktioniert, weil sie sehr niederschwellig ist und gleichzeitig verbindet. Sie können sich darin wiedererkennen, pupsen müssen wir schließlich alle mal – auch Checker Tobi.
Was macht dir in Bezug auf Kinder und Jugendliche Hoffnung?
Kinder sind ein unglaublich dankbares Publikum, weil sie so ehrlich sind. Wenn ihnen etwas nicht gefällt, sagen sie es – aber auch, wenn ihnen etwas gefällt. Ich liebe es, im Kino zu sitzen und ihre direkten Reaktionen mitzuerleben.
Was mir Hoffnung macht, ist ihre Unvoreingenommenheit und ihr starkes Gerechtigkeitsempfinden. Ich glaube wirklich: Wenn wir uns öfter an unser eigenes inneres Kind erinnern würden, wäre die Welt ein besserer Ort. Weniger reden, mehr machen!
Das Interview mit Checker Tobi könnt ihr ebenfalls bei mir lesen.
„Checker Tobi – Die heimliche Herrscherin der Erde“ könnt ihr ab sofort im Kino anschauen. Die ersten beiden Checker Filme und überhaupt alles aus der Checker Welt findet ihr kostenfrei in der ARD Mediathek. Und, good news, lohnt sich alles, versprochen.

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