Daniel Morgenroth im Interview zum Traumschiff mit Andrea Zschocher

Daniel Morgenroth: Menschen erleben so unglaubliche Geschichten

Daniel Morgenroth kennen die meisten von euch sicherlich als Staff-Kapitän vom „Traumschiff“. Diese Rolle spielt er seit eingen Jahren und natürlich ging es im Interview auch viel um diese beliebte Rolle und die Sendung als solche. Wir sprachen aber auch viel übers Theater, denn da kommt Daniel Morgenroth her. Er hat am Deutschen Theater so viele Rollen gespielt, auch seinen großen Traum.

Und wie man danach weiter macht, sich neu erfindet und ohne Reue Entscheidungen trifft, auch darum gehts im Interview.

Was macht denn für dich den Reiz vom Traumschiff aus?

Daniel Morgenroth: Erstmal ist es ein Produkt, das einfach Spaß macht. Man kann sich in einer Tradition einfinden, die in den letzten Jahrzehnten durchaus gewisse Veränderungen erfahren hat, aber dabei immer frisch geblieben ist.

Mein erstes Traumschiff habe ich vor ungefähr 20 Jahren gedreht, damals noch unter der Ägide von Wolfgang Rademann, und unter ganz anderen Umständen als heutzutage. Jetzt habe ich seit sechs Jahren eine feste Rolle, und die ist wirklich eine zweite Heimat für mich geworden. Da geht es weniger um das Schiff, sondern um die Menschen, die dort vor Ort arbeiten.

Über die Jahre haben sich mit der Crew da schon nette Kontakte und auch Freundschaften entwickelt. Mit dem echten Staff-Kapitän Ivan bin ich tatsächlich gut befreundet, und wir sitzen dann oft zusammen. Ihn kann ich ja auch viel Fachliches fragen. Und er hat natürlich auch tolle Geschichten auf Lager, die ich manchmal an die Redaktion weitergebe. Vielleicht regen sie ja zu einer Geschichte fürs „Traumschiff“ an.

Daniel Morgenroth im Interview zum Traumschiff mit Andrea Zschocher
© ZDF/Dirk Bartling

Guckst du dir die Filme dann auch im TV an, oder bist du jemand, der das nicht gut kann?

Ich gucke mir das an, ich will mir doch ein Bild verschaffen. Es geht dabei ja auch nicht um mich, ich will sehen, was funktioniert hat, wie die Kollegen spielen. Ich vergleiche dann, weil ich mich erinnere, dass es bei einer Stelle beim Drehen Schwierigkeiten gab und schaue, wie das dann letztlich im Film aussieht.

Das ist ja alles ein lebendiger Prozess, bei dem man dazulernen kann. Und es macht so viel Spaß, das Vertrauen ist groß. Ich fühle mich an keinem Set so wohl wie hier.

Es gibt natürlich die Dokus darüber, bei denen man hinter die Kulissen des „Traumschiffs“ gucken kann. Aber wenn wir schon mal sprechen, dann frage ich doch dich: Was ist denn für dich am faszinierendsten am Traumschiff? Wo siehst du den größten Unterschied zwischen dem, was ihr dreht, und wie es dann nachher aussieht?

Man muss sich vor Augen halten, dass wir rein finanziell keine Vorbereitungsmöglichkeiten haben, wie das bei amerikanischen Produktionen der Fall ist. Bei uns ist es wirklich so, dass wir da hinkommen und dann mal schauen. Es ist natürlich klar, dass es eine Reise gibt, dass wir Geschichten erzählen. Aber es wird vor Ort auch viel improvisiert. Es gibt da keine Absperrorgien, wenn wir etwas drehen. Da wird einfach spontan losgelegt, und wir passen uns den Gegebenheiten vor Ort an.

Ich mag diese Art der Arbeit, weil ich jemand bin, der sehr schnell aus dem Bauch heraus etwas produziert. Bei uns werden Vorschläge diskutiert, und man kann immer etwas anbieten und ausprobieren. Manchmal funktioniert es nicht, aber oft eben schon. Wir sind da sehr schnell und sehr flexibel geworden, das trifft auf die Regie zu, ohne die gar nichts geht, aber auch auf den Rest der Crew.

Manchmal kommen Menschen mit einer festgefahrenen Vorstellung davon, wie eine Szene aussehen wird zu uns. Die haben da zu Hause drüber nachgedacht, aber vor Ort funktioniert das dann nicht. „Kill your darlings“, sagt man ja oft, und damit muss man bei uns wirklich leben. Man muss das Beste draus machen, und oft ist das der größte Spaß. Wo sonst ist denn so viel Improvisation möglich?

Auch die Redaktion geht da mit. Das war früher anders, da gab es Sorgen, wenn man mal etwas verändern wollte. Inzwischen ist auch dort eine große Offenheit entstanden, weil wir ja nichts Grundsätzliches ändern.

Daniel Morgenroth im Interview zum Traumschiff mit Andrea Zschocher
© ZDF/Dirk Bartling

Wenn ihr dann an Bord seid, das spricht sich ja rum. Wie ist das für euch, werdet ihr da oft belagert und angesprochen? Und zieht ihr euch zurück oder nehmt ihr auch die Situation so an, wie sie ist?

Wir drehen ja, während die echten Gäste ihre Reisen unternehmen. Die dürfen dann auch als Komparsen mitdrehen, wenn sie wollen. Für zwei, drei Tage herrscht vielleicht eine gewisse Aufregung, und Menschen wollen Fotos machen. Aber das machen wir ja auch gern. Und wenn’s gerade nicht geht, weil wir drehen, dann holen wir es nach.

Wir nehmen uns da aber auch sehr zurück, wir sind ja nur Gäste, die da arbeiten. Die echten Gäste sind die, die für diese Reise bezahlen, entsprechend halten wir uns da im Hintergrund.

Nach der Zeit beruhigt sich das aber auch. Wir sind für drei Wochen auf dem Schiff, so lange dauert der Dreh für einen Film, und die Gäste sind so lange auch dieselben. Da entwickelt man zu dem einen oder anderen Gast auch mal eine Beziehung, redet miteinander, isst zusammen, weil man eingeladen wird. Das ist auch immer sehr höflich und zurückhaltend. Und wenn das nette und sympathische Leute sind, warum sollte ich mir die Chance auf diese Gespräche entgehen lassen?

Die Menschen, die ich da treffe, sind teilweise über 80 Jahre alt und haben tolle Lebensgeschichten. Das bereichert mich.

Das eint den Schauspielberuf dann mit dem von Journalist*innen. Wir sind im besten Falle immer neugierig auf andere Menschen.

So ist es. Und ich mache mir manchmal auch Notizen, weil Menschen so unglaubliche Geschichten erleben. Die kann man vielleicht ja irgendwann auch mal in eine Story mit einflechten. Das wäre doch schade, da nicht mit offenen Ohren zuzuhören und das anzunehmen.

Daniel Morgenroth im Interview zum Traumschiff mit Andrea Zschocher
© ZDF/Dirk Bartling

Traumschiff in Zeiten von Klimawandel: Machen wir das noch?

Ich bin bei dieser Frage ganz unerschrocken, weil ich da einfach oft eine große Doppelmoral sehe. Wieso wird die Kreuzfahrt an den Pranger gestellt, aber wenn Menschen sich dreimal pro Woche Schuhe schicken lassen und die dann zurückschicken, dann reden wir da nicht drüber?

Meinem Empfinden nach tut das Traumschiff schon einiges in Sachen Diversität und Offenheit gegenüber verschiedenen Kulturen. Wie siehst du das, könntet ihr noch diverser sein?

Ich finde das richtig, dass wir das machen, lieber immer ein bisschen zu viel als zu wenig.

Wir haben inzwischen auch gute Zahlen bei den jüngeren Zuschauern, und die erwarten diese Themen sicherlich auch. Für die Älteren sind sie doch ein Zugewinn. Es muss halt gut und geschmackvoll gemacht sein.

Es geht um Glaubwürdigkeit, darum, dass die Menschen den Schauspielenden ihre Rollen abnehmen.

Genau darum geht es ja in unserem Beruf: eine Figur darzustellen, die glaubwürdig ist, deren Handeln und Denken man nachvollziehen kann und der man in die Geschichte folgt. Da können wir mutiger werden, neue Dinge erzählen, die vielleicht auch ungewöhnlich sind. Das funktioniert alles, wenn die Figuren glaubwürdig sind.

Dein Martin ist so eine Figur. Denn seine Alkoholkrankheit macht ihn greifbarer. Bist du dir der Verantwortung da bewusst?

Ich bitte tatsächlich darum, dass wir das hin und wieder vorkommen lassen. Es ist natürlich so, dass Martin immer Orangensaft statt Sekt beim Kapitänsdinner trinkt, aber es wird sonst ja nicht groß thematisiert. Ab und zu möchte ich, dass das wieder in den Fokus rückt. Denn es ist ein ernstes Thema und eines, das man immer mit sich herumträgt. Und die Stigmatisierung, die damit einhergeht, die muss man thematisieren. Martin ist seit weit über zehn Jahren trocken und hat immer noch darunter zu leiden. Er steigt nicht weiter auf, weil ihm das anhängt. Martin hat da seinen Frieden mitgemacht, er ist in der zweiten Reihe zufrieden.

Das deckt sich total mit meiner eigenen Person. Ich werde oft gefragt, ob ich nicht die Rolle des Kapitäns übernehmen wollen würde. Als Schauspieler bin ich sehr zufrieden mit der Rolle, die ich spiele.

Daniel Morgenroth im Interview zum Traumschiff mit Andrea Zschocher
© ZDF/Dirk Bartling

Ich finde es gut, dass mal gezeigt wird, dass der ältere, erfahrene zurücksteckt und der jüngere ihm da vor die Nase gesetzt wird.

Es ist nicht der übliche Weg. Aber es ist doch gut. Normalerweise wird der Ältere der Boss und der junge, aufstrebende, der muss sich gedulden. So kennen wir das. Aber andersrum ist es doch viel interessanter. Das haben wir ja auch in einigen Folgen gezeigt.

Wir sind beim „Traumschiff“, da können wir natürlich nicht ständig Konflikte erzählen. Und unsere Figuren respektieren sich ja auch, sind Freunde. Ich freue mich immer, wenn die neuen Bücher kommen und auch davon etwas wieder drin vorkommt. Ein bisschen Reibung ist doch auch gut.

Es ist ja auch die Lebensrealität vieler Menschen. Irgendwann haben wir alle jemanden vor der Nase, der oder die jünger ist als man selbst. Jetzt hast du schon gesagt, dass sowohl du als auch dein Martin sich in der zweiten Reihe ganz wohlfühlen. Wie arrangiert man sich damit, wo wir doch alle in einer Gesellschaft leben, in der es immer heißt, man müsse die erste Geige spielen?

Indem man sich vor Augen führt, was weniger Verantwortung für einen bedeutet. Denn man hat dann mehr Zeit für andere Dinge. Und man spürt eine Entlastung von Verantwortung. Ich finde beides sehr wertvoll. Wenn man z. B. Kinder hat, dann ist das doch eine feine Sache, dass man eben nicht noch 100 Mails nach Feierabend schreiben muss, sondern da sein kann. Man kann seine Freizeit viel mehr genießen, spazieren gehen. Ich habe mich nach dieser Möglichkeit gesehnt und bin deswegen vor 20 Jahren raus aufs Land gezogen.

Ich hätte am Theater immer weitermachen können, noch mehr Rollen, neue Projekte. Immer weiter in meinem eigenen Hamsterrad gefangen und jedes Jahr versuchen, das Letzte zu toppen. Noch einen draufsetzen und noch einen und noch einen. Ich habe am Deutschen Theater gespielt, hätte nach Wien an die Burg gehen können. Aber ich habe für mich entschieden, dass ich das nicht möchte. Ich wollte mich nicht kaputtmachen. Also habe ich gelernt, Nein zu sagen.

Ich habe mich entschlossen, mich neu zu orientieren und zu schauen, was dann passiert.

Wie sagt man denn Nein ohne Reue? Denn die Angst, etwas abzusagen, was dann nie wieder kommt, die kennen sicher ganz viele.

Man gibt sich für solche Entscheidungen Zeit. Ich habe mir Bedenkzeit vor meiner Entscheidung, nach Wien zu gehen, ausgebeten und mir sehr genau ausgemalt, wie mein Leben wäre, wenn ich dazu Ja sage. Ich habe sehr deutlich im Bauch gespürt, dass ich das nicht will.

Diesem Gefühl bin ich dann gefolgt. Wer das aber nicht spürt, wer nicht gut in sich hineinhören kann, für den habe ich leider keinen Rat. Ich habe das schon immer in mir.

Ich bin nur ans Theater gegangen damals, weil ich unbedingt „Peer Gynt“ spielen wollte. Und dann durfte ich das machen, und es war meine absolute Erfüllung. Aber muss ich dann immer weiter neue Rollen suchen? Mir war klar, dass ich dann in die Film- und Fernsehlandschaft gehen wollte.

Ich spiele jetzt auch wieder am Theater. Ich mag diesen lebendigen Prozess mit dem Publikum und auch den längeren Probenprozess. Da kann man die Figuren entwickeln, einen Rhythmus finden. Beim Film muss alles ganz schnell gehen.

Die neuen Folgen Traumschiff „Bora Bora“ und könnt ihr am 26. Dezember 2025 und Traumschiff „Afrika: Madikweam 1. Januar 2026, jeweils 20.15 Uhr im ZDF anschauen. Ab sofort könnt ihr die Filme auch in Web & App des ZDF ansehen.

Daniel Morgenroth könnt ihr noch bis 14. Januar 2026 im Schloßparktheater in „Der Neurosen-Kavalier“ erleben.


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