Tim Bergmann im Interview zu Taunuskrimi mit Andrea Zschocher

Tim Bergmann: Es braucht Mut, Empathie, Verständnis, Gelassenheit und Nächstenliebe

Tim Bergmann geht als Oliver von Bodenstein mit der Verfilmung von Taunuskrimi ins 13. Jahr. Natürlich hat der Schauspieler in der Zeit auch viele andere Rollen gedreht, aber dieser Figur ist er eben auch sehr treu. Klar also, dass sich, anlässlich der Ausstrahlung des zehnten Falls, dem Zweiteiler „In ewiger Freundschaft – Ein Taunuskrimi“ am 5. und 6. Januar, jeweils um 20.15 Uhr im ZDF viele Fragen dazu ergeben.

Tim Bergmann spricht im Interview viel über seine Rolle, den Reiz vom Taunuskrimi und seine neue Kollegin, aber auch über Kommentare, Social Media und Hoffnung in diesen Zeiten.

Was macht für dich den Reiz am Taunuskrimi aus? Immerhin läuft aktuell der zehnte Fall der Reihe.

Tim Bergmann: Wir gehen in den zehnten Fall und vor allen Dingen ins 13. Jahr. Wir haben 2012 mit den Verfilmungen angefangen, 2013 gab es dann die ersten Ausstrahlungen. Ich habe diese Reihe tatsächlich von Anfang an immer sehr gerne gemacht. Je weiter wir den Raum aufgemacht haben und je mehr ich somit auch über Oliver erfahren habe, umso mehr habe ich mich mit dem gesamten Projekt verbunden gefühlt.

Inzwischen bin ich nicht nur ein Teil der Verfilmungen, sondern gehe auch mit den einzelnen Romanen auf Lesereise. Vor allem sind dabei die Buchpremieren, die ich glücklicherweise an der Seite von Nele Neuhaus mit gestalten darf, ein immer wieder großartiges Erlebnis. Als Verkörperer von Oliver von Bodenstein sind diese Lesungen nicht nur für mich, sondern auch für die Zuschauer*innen etwas ganz anderes als normale Lesungen. Ich kann das Publikum daran teilhaben lassen, wie es für mich ist, mit dieser wunderbaren Figur, alt werden zu dürfen. Was für ein Geschenk!

Obwohl ich dann schon manchmal das Publikum in meine Sorge einbeziehen muss, dass Oliver im Roman ja älter ist als ich – 11 Jahre! Das heißt, er wird sehr wahrscheinlich zu einem Zeitpunkt in Rente geschickt werden, an dem ich bzw. mein Film-Oliver noch lange nicht in Rente gehen muss. Was mache ich denn dann? [Er lacht]

Tim Bergmann im Interview zu Taunuskrimi mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Stefan Mütherich

Dann wird es wie in den isländischen Krimis, wo ein Kommissar auch in seiner Rente immer noch zu Fällen hinzugezogen wird.

Genau! Oder wie bei Miss Marple. Bei „Bella Block“ war das ja auch so, deswegen hatte ich das große Glück, noch mit Hannelore Hoger drehen zu können. Sie hat ja auch jenseits des Rentenalters noch weiter ermitteln können.

Wir müssen nur Nele noch von der Idee überzeugen. [Er lacht]. Ich mag die Reihe einfach sehr gern und bin bei jedem neuen Roman nicht nur auf den Fall gespannt, sondern auch darauf, in was für einer Welt des Verbrechens wir uns diesmal bewegen. Nele nimmt sich dem ja ganz unterschiedlich an. Und es gibt ja auch noch den privaten Raum der Kommissare, bei dem Nele immer Neues entstehen lässt.

Als ich die allerersten Szenen vom neuesten Fall gelesen habe, in denen Oliver Cosima im Krankenhaus besucht, da wusste ich, dass das ganz existentielle und besondere Szenen werden. Und genau so war es dann auch.

Tim Bergmann im Interview zu Taunuskrimi mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Andrej Vasilenko

Du bist natürlich Tim, aber viele Menschen werden ja inzwischen beim Lesen der Romane dich im Kopf haben, wenn sie an Oliver denken. Wie ist das für dich?

Selbst Nele hat mich mittlerweile vor Augen! Sie hat das vor Längerem mal auf einer Premiere erzählt, jetzt werde ich es einfach bleiben müssen. (er lacht)

Als wir mit den Filmen angefangen haben, 2012, war ich eigentlich zu jung, um Oliver verkörpern zu können. Aber mit den Jahren, sagte sie, habe ich mich ihrem Oliver optisch angenähert. Wenn sie jetzt an Oliver denkt und ihn visualisiert, dann sieht sie mich. Das ist natürlich ein schönes Kompliment. Und was für ein Glück dass sie sich nicht dagegen wehrt, dass ich vor ihrem inneren Auge auftauche. (er lacht)

Bei einer Romanverfilmung kann das ja leicht passieren, dass Leser*innen einfach eine ganz andere Vorstellung von Oliver, von den Figuren haben. Nun ist es aber erfreulicherweise so, dass bei den vielen Lesungen die Fans der Romane, die eben auch Fans der Filmreihe sind, mir dann doch eher spiegeln, dass sie mit mir als Oliver ganz glücklich sind.

Tim Bergmann im Interview zu Taunuskrimi mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Andrej Vasilenko

Du verkörperst den Oliver schon so lange und hattest lange Felicitas Woll als deine Partnerin Pia Sander an deiner Seite. Sie ist nicht mehr dabei, erst spielte Annika Kuhl und nun Kathrin von Steinburg die Pia. Wie geht ihr denn mit Umbesetzungen im Cast um?

Felicitas hat damals den Dreh von „Muttertag“ abgesagt, weil sie zeitgleich ein anderes Projekt hatte. Man muss sich auch überlegen, dass zwischen der Verfilmung von „Im Wald“ (2017) und „Muttertag“ (2021) ja vier Jahre lagen. Es gab Corona und nach der Verfilmung von „Im Wald“ noch keinen neuen Roman. Zusätzlich ergaben sich einige Umstrukturierungen, ich habe damals z.B. in der Zwischenzeit unter anderem die Reihe „Ein Fall für Dr. Abel“ nach den Truecrime Thrillern von Michael Tsokos gedreht.

Als Schauspieler gibt es immer wieder Phasen, wenn man Glück hat, dass sich Angebote, die reizvoll sind, überschneiden. Felicitas hat sich damals für etwas Neues entschieden.

Außerdem ist so eine Umbesetzung in unserem Berufsfeld etwas ganz Normales, nicht nur beim Film, sondern auch am Theater.

Wie gesagt hat sich auch der Rhythmus der Verfilmungen geändert. Man kann ja nicht mehr wirklich von einer Reihe sprechen kann, bei der es jährlich zu einer neuen Ausstrahlung kommt. So stehen die Verfilmungen ein bisschen für sich, und haben eher den Charakter eines Events.

Natürlich hätte ich gerne mit Felicitas weitergemacht, aber ich kenne den Beruf viel zu gut, als dass ich das nicht nachvollziehen kann, dass man vielleicht an den Punkt kommt, an dem man etwas Neues machen möchte. Man will als Schauspieler immer wieder einen neuen Raum für sich aufmachen. Das gilt für mich genauso, wobei mich aber der Taunuskrimi in meiner Entwicklung nicht einschränkt, da ich Oliver mit großer Leidenschaft weiter verkörpern möchte. Diese Rolle ist noch lange nicht auserzählt, und wenn ich mit Nele telefoniere und höre, woran sie gerade arbeitet, welche Ideen sie hat, kann ich es kaum erwarten, wieder am Set zu stehen.

Grundsätzlich bin ich auch davon überzeugt, dass in einer Veränderung immer eine Chance liegt.

Tim Bergmann im Interview zu Taunuskrimi mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Stefan Mütherich

Ich komme auch nur deswegen auf dieses Thema, weil ich mich in Vorbereitung auf unser Interview ein bisschen in den Kommentarspalten von Foren verloren habe und ehrlich entsetzt war, wie da über deine neuen Kolleginnen geschrieben wurde.

Ich bewege mich generell nicht in solchen Foren. Es scheint im Moment leider ein großes Bedürfnis zu geben, sich auf diese Weise Luft zu verschaffen. Im Mittelalter war es der Marktplatz, jetzt ist es das Internet. Gruselig.

Wenn Menschen bei Lesungen auf mich zu kommen und ganz freundlich fragen, warum es diesen Wechsel gibt, erkläre ich ihnen die Umstände, und lade sie dazu ein, sich neu einzulassen. Mit offenem Herzen der neuen Kollegin ein Chance zu geben.

Wie gehst du denn generell mit diesen Kommentaren um? Du hast gesagt, dass die Menschen bei Lesungen sehr freundlich sind. Aber wie verhält sich das bei Social Media?

Ich bin kein Fan, was die sozialen Medien angeht, weswegen man bei mir gar nicht kommentieren kann. Natürlich gäbe es da vielleicht auch ganz viel wunderbares positives Feedback, aber sicherlich auch negatives bzw. verletzendes. Mit all diesen Kommentaren, eben auch den positiven, sollte man sich nicht lange auseinandersetzen.

Instagram ist für mich ein Arbeitstool. Da kann ich schnell was posten und auch natürlich sehen, was all die anderen machen, vor allem die, denen ich folge.

Ich bin dankbar, dass ich wirklich eine Zeit erlebt habe, und mich sehr genau daran erinnern kann, als wir alle ohne Handy ausgekommen sind. Das war herrlich!

Wie nutzt du denn Social Media? Wie schaffst du dir einen guten Rahmen, um nicht zu viel an dich heranzulassen?

Das ist natürlich auch eine Frage der Disziplin. Denn ich merke schon, dass ich da zu viel Zeit verbringen könnte. Der Algorithmus präsentiert einem ja selten etwas wirklich Nachhaltiges. Jeder Blick zu lang auf diese Seiten verstärkt das schale Erlebnis auch noch sofort. Man muss also sehr schnell reagieren und weiter scrollen, und bloß nicht zu lange auf abstrusen Posts verweilen.

Ich gebe außerdem recht wenig Privates preis. Mal ein Foto von einem Ort, an dem ich gerade bin, oder ein schöner Moment, den ich vielleicht teile. Das Privateste, was ich zeige, ist unser Hund. Dem habe ich gesagt: „Elmo, du bist jetzt leider der, der mir hier hin und wieder zur Seite stehen muss“. Da er mich danach genauso freundlich angeschaut hat, wie vorher, bin ich davon ausgegangen, dass er einverstanden ist. [Er lacht] Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass er sich sehr ungern fotografieren lässt. Die Fotos, die zu sehen sind, sind absolute Ausnahmen.

Ansonsten teile ich berufliche Sachen, mal neue Fotos von mir. Und ich selbst kommentiere auch sehr, sehr selten irgendwo.

Tim Bergmann im Interview zu Taunuskrimi mit Andrea Zschocher
© ZDF/ Andrej Vasilenko/[M] MOTOR Kommunikation

Der „Taunuskrimi“ wird am 5. und 6. 1. ausgestrahlt. Viele Menschen starten mit großen Hoffnungen ins neue Jahr. Was macht dir Hoffnung für 2026?

Ich mache mir erst einmal selber Hoffnung. Ich finde, dass es einem im Moment gar nicht so leicht gemacht wird, Hoffnung zu haben. Ich bin jemand, der eigentlich zutiefst optimistisch ist. Aber auch ich habe mich in den letzten Jahren, in dem einen oder anderen Moment erwischt, wo ich mal innehalten musste, da ich wirklich nicht wusste, wie wir aus dieser negativen Kurve, aus dieser Dynamik wieder rausfinden können.

Wir erleben gerade so viele große Konflikte, Kriege, politisch äußerst schwierige Zeiten. Die Antworten auf die schwierigen Fragen unserer Zeit, sind eben keine einfachen. Da braucht es Mut, Empathie, Verständnis, Gelassenheit und Nächstenliebe.  Nicht nur auf großer Ebene, sondern unmittelbar in der Begegnung mit unseren Mitmenschen. Jeden Tag, jeden Moment aufs neue.

Der Zweiteiler „In ewiger Freundschaft – Ein Taunuskrimi“ ist am 5. und 6. Januar, jeweils um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen und bereits ab sofort im ZDF-Streamingportal abrufbar.



Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert