Was ist eure spontane Reaktion auf die Idee mit euren Freund*innen gemeinsam in den Urlaub zu fahren? Yay oder eher nay? Da sind wir alle verschieden. Carlotta, gespielt von Karoline Herfurth, will eigentlich ein Freundinnenwochenende genießen, aber die Freund*innegruppe aus „Das perfekte Geheimnis“ trifft sich dann sehr ungeplant doch auf Mallorca wieder. Klar, dass unser Interview sich auch vor allem mit dem Thema Freundschaft beschäftigt. Denn Freundschaften sind so elementar wichtig, auch, weil sie individuell gestaltet sind, wie die Menschen, die sie miteinander führen. Auch wenn ihr nicht zusammen in den Urlaub fahren wollt, wie wärs, wenn ihr euren liebsten Freund*innen einfach mal wieder sagt, wie wichtig sie euch sind?
Was macht eine gute Freundschaft aus?
Karoline Herfurth: Für mich ist das Wichtigste in einer Freundschaft, dass man sich dem anderen zutrauen darf. Ich möchte ich selbst sein in meinen Freundschaften und wünsche mir, dass mein Gegenüber das mit mir auch kann. Denn Freundschaft ist für mich Erholung. Da fährt mein Nervensystem runter.
Freundschaft ist zunehmend auch Austausch über das Leben und über ganz unterschiedliche Lebensentwürfe. Ich lerne dank meiner Freund*innen ganz andere Lebenssituationen kennen und kann meinen eigenen Horizont erweitern. Wir alle blicken ganz verschieden auf die Welt und Freundschaften helfen dabei, flexibel im Kopf zu bleiben. Ich finde man lernt durch Freundschaften nicht nur Vielfältigkeit auszuhalten, sondern sie auch selbst zu leben.

Ich empfinde es als extrem bereichernd, mit unterschiedlichen Menschen befreundet zu sein. Aber ich weiß auch, dass manche Menschen Freundschaften als Echokammern verstehen und sich eher mehr vom Selben wünschen.
Ich habe Freundschaften, die seit der ersten Klasse existieren. Da könnte ich nicht behaupten, dass wir alle gleich ticken. Es müssen ja auch gar keine riesengroßen Unterschiede sein. Ich finde es einfach gut, sich in seinen verschiedenen Ansichten zu akzeptieren, sich auszutauschen und Konsense zu finden. Das ist für mich die Grundlage menschlichen Zusammenlebens.
Freundschaften sind für mich ein Ort der Erholung, aber auch um zu lernen, zu wachsen und sich gegenseitig zu checken. Ich empfinde das als sehr bereichernd, wenn Freundschaften so etwas auch ermöglichen. Wenn wir aufhören zu wachsen und uns zu entwickeln, dann hören wir auf zu leben.
Ich habe auch solche langjährigen Freundschaften und empfinde jedes Treffen zwischen uns als ganz großes Glück.
Mir geben diese Freundschaften ganz viel Halt. Sie gehören, neben meiner Familie, zum Wichtigsten in meinem Leben. Manchmal, wenn ich zurückdenke an die Zeit, als ich Anfang, Mitte 20 war und glaubte, ich wüsste genau, wie alles zu sein hat, dann muss ich lachen. Ich war so überzeugt von manchen Dingen und gucke da mittlerweile natürlich ganz anders drauf. Und meine Freundinnen und ich sind da halt gemeinsam durch und zusammen groß geworden. Jede*r hat doch Macken, ist doch total in Ordnung. Man schaut dann, wie man sich miteinander arrangiert.
Freundschaften geben mir ganz viel Sicherheit in meinem Leben. Gerade bei meinem Beruf, bei dem ich ja viel unterwegs bin, manchmal auch viel Zeitdruck aushalten muss, und wo ich teilweise völlig abtauche und unerreichbar bin, sind meine Freund*innen ein Hafen, zu dem ich immer zurückkommen kann. Für mich ist das mein größtes Glück.

Ist Neid bei euch ein Thema?
Nein, nie. Es will auch keine mit mir tauschen. Niemand würde das machen wollen, was ich mache. Sie sind da ja auch sehr nahe dran und verstehen, was dieser Beruf alles mit sich bringt. Berühmt sein ist ja nicht immer schön.
Ich bin mit sehr zugewandten, starken Frauenfreundschaften groß geworden. Da war Neid nie ein Thema. Wir tragen uns alle gegenseitig und wir gönnen und wünschen uns alles füreinander. Wenn eine merkt, dass sie dieses oder jenes vielleicht auch gern hätte, dann ist das eher ein Ansporn, ein Schubs in die Richtung, es selbst zu versuchen. Eine meiner Freundinnen kann z. B. wahnsinnig toll einrichten. Irgendwann habe ich angefangen, mir darüber viel mehr Gedanken zu machen. Wie empfinden dann keinen Neid, sondern lassen uns lieber voneinander inspirieren.
Du bist auch dafür bekannt, dass du Frauen empowern möchtest. Wie sieht das im Alltag aus?
Ich will gar nicht unbedingt eine Inspiration für andere sein. Ich möchte vielmehr, dass Menschen sich tatsächlich ganz bewusst und klar füreinander einsetzen. Jede Frau, die was erreicht, die nach vorne kommt, die sich trotz aller Widrigkeiten durchsetzen kann, erringt damit etwas für alle. Deswegen würde ich jederzeit jede Frau unterstützen. Ich muss nicht mit allen einer Meinung sein, wir müssen auch nicht alle beste Freundinnen werden. Aber ich weigere mich, eine Frau zu diskreditieren oder zu bekriegen. Außer vielleicht wenn sie dabei hilft, anderen Frauen das Leben schwer zu machen.
Zum Glück kommen wir langsam weg von diesem „Es kann nur eine geben“-Prinzip, das so viele Jahrzehnte galt. Das liegt vor allem an Frauen, die andere Frauen unterstützen, statt sie kleinzuhalten.
Ich habe das in meinen Freundschaften zum Glück nie erlebt. Ich bin auch in meinem familiären Umfeld nicht so groß geworden. Es war eher die Kultur in der wir alle geprägt wurden, die ein solches Frauenbild propagiert hat. Durch Bilder und Erzählungen in Werbung, Filmen, Zeitschriften, Büchern usw. Aber die Wirklichkeit sah anders aus: wir Frauen unter uns, wir waren uns schon immer der wichtigste Halt.
Ich habe mal gelesen, dass sich das Nervensystem beruhigt, wenn man eine Freundin anruft. Weil wir Frauen nicht noch diese Übersetzungsleistung mahen müssen. Wir verstehen untereinander sofort, wissen, wovon die andere spricht. Da muss nichts erklärt werden oder bewiesen, weil wir alle mit den gleichen Widrigkeiten und Hürden zu kämpfen haben.
Hast du nie Neid erlebt?
Doch, aber nicht in meinem engen Freundinnenkreis. Und an sich verstehe ich Neid auch nicht wirklich. Mich verwirrt das sehr, deswegen versuche ich mich von allem fernhalte, was damit zu tun hat. Für mich ist Konkurrenz nicht interessant, weil für mich im Vordergrund steht, dass man zusammenhält. Mir ist wichtig, dass man sich die Hand reicht und sich miteinander verbindet.

Neben Freundschaft ist das zweite große Thema für deine Carlotta das Thema Vertrauen. Sie muss neu lernen zu vertrauen, nachdem sie verletzt wurde. Geht das überhaupt? Kann man Vertrauen neu lernen?
Ich fand es bei der Arbeit an Carlotta total interessant, dass wir so unterschiedlich sind. Diese Skepsis, die sie gegenüber anderen Frauen, aber eigentlich gegen alle Menschen hat, die habe ich nicht. Ich bin sehr vertrauensvoll, ich glaube allen alles. Ich gehe davon aus, dass wir alle dieselben Werte teilen und bin wenig skeptisch.
Carlotta und ich, wir sind total gegensätzlich, denn ich erwarte auch, dass alle es gut miteinander meinen. Ich brauche lange, bis ich verstehe, wenn jemand ungute Hintergedanken hat, weil ich mir das gar nicht vorstellen kann. Natürlich habe ich eine Intuition und halte Abstand, wenn sich da etwas nicht gut für mich anfühlt, aber generell bin ich schon sehr vertrauensselig.
Deswegen glaube ich auch, dass man Vertrauen neu lernen kann. Weil ich viele Chancen gebe, auch, weil ich vieles wieder vergesse. Ich lebe sehr im Jetzt.
Aber wenn ich länger drüber nachdenke, dann weiß ich auch: Wenn das Vertrauen einmal richtig zerbrochen ist, dann ist es auch weg. Dann braucht es sehr viel Arbeit des Gegenübers, bis ich die Tür wieder aufmache. Wenn mein Gegenüber diese Arbeit nicht leisten will, dann bleibe ich auch weg. Da setzt dann der Selbstschutz ein.
Gibt es einen Punkt, ab dem man nicht mehr verzeihen kann?
Ja, es gibt für mich Grenzen des Verzeihbaren. Wenn Gewalt im Spiel ist zum Beispiel. Oder wenn ich merke, dass beim Gegenüber gar kein Interesse an einer wahrhaftigen Aufarbeitung vorhanden ist. Ich bin überhaupt kein Fan von Selbstbetrug oder Scheinlösung. Ich glaube daran, dass die Wahrheit sich immer durchsetzt.
Wenn die gemeinsame Basis fehlt, wie soll Verzeihen dann funktionieren? Es geht für mich beim Verzeihen nicht unbedingt darum, was der andere gemacht hat. Eher um den Umgang damit. Wir alle haben ein Recht darauf, Fehler zu machen. Wir sind lebendige Wesen, wir haben ein Recht auf Entwicklung. Ich habe ständig neue Erkenntnisse, für mich geht es auch genau darum im Leben. Ich will möglichst viel aus möglichst vielen Bereichen wissen. Ich habe einen heutigen Wissensstand, aber der wird in fünf Jahren ja ein anderer sein. Ich darf meine Perspektive verändern, meinen Horizont erweitern, Dinge neu bewerten.
Aber wenn ich merke, dass das Gegenüber nicht an einem ehrlichen Austausch interessiert ist, wenn wir keine gemeinsame Wertebasis haben, dann wird’s schwierig.
Ich glaube daran, dass das Herz immer sein eigenes Ding macht. Ich kann nicht bestimmen, ob mein Herz wieder Vertrauen fassen kann. Man muss sich auch selbst im Spiegel angucken können. Deswegen muss jede*r für sich selbst herausfinden: Was brauche ich eigentlich, um wieder zu vertrauen? Die Antwort auf diese Frage ist sehr individuell und ist auch von Moment zu Moment unterschiedlich.
„Der perfekte Urlaub“ könnt ihr ab sofort im Kino anschauen. Mein Tipp: Schaut euch den ersten Teil „Das perfekte Geheimnis“ ruhig nochmal zur „Vorbereitung“ an. Natürlich versteht ihr den neuen Film auch so, aber ein bisschen witziger ist es schon, wenn der erste Teil noch so präsent ist.

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