Ein Interview mit Jochen Schropp fühlt sich wie ein Gespräch unter guten Freunden an. Weil der Schauspieler, Moderator und Podcaster sein Herz auf der Zunge trägt und die Zuhörenden auch in die Höhen und Tiefen seines Lebens mitnimmt. Grund für unser Gespräch war zum einen seine Rolle im neuen Film „Baumgeflüster“, aber auch sein neuer Podcast, der gerade erst gestartet ist. Der befasst sich mit Themen, bei denen wir alle manchmal unsicher werden. Immer eine gute Idee, da mal genauer hinzuschauen, oder?
Was magst du an deinem Mirko am liebsten?
Jochen Schropp: Ich mag, dass er für seine Liebe kämpft.
Ohne zu spoilern, habe ich dank deinem Mirko nochmal über Outings nachgedacht. Es sollte doch eigentlich egal sein, wen wir lieben. Ich habe mich ja auch nie geoutet, dass ich auf Männer stehe. Warum werden Queere da so anders behandelt?
Es gibt leider immer noch Menschen, die ein Problem damit haben, für die es nicht selbstverständlich ist, dass zwei Männer oder zwei Frauen sich lieben. In unserer Gesellschaft wird nicht danach gefragt, ob wir in einer Partnerschaft leben, sondern, ob ich als Mann eine Frau habe und du als Frau einen Mann. Ich würde mir das auch anders wünschen, aber ich glaube, es wird noch sehr, sehr viele Jahre dauern, bis das unser „normal“ ist. Und vielleicht wird sich das auch nie ändern.

Glaubst du nicht an künftige Generationen, die es anders, besser machen? Meine Kinder gendern ganz selbstverständlich, und ich will, dass sie wissen, dass sie lieben können, wen immer sie wollen.
Und doch leben wir in einer Welt, in der es eine Gegenbewegung zum Gendern gibt. Niemand drängt die Menschen dazu, und trotzdem regen sie sich so sehr darüber auf. Wenn ich mir Debatten und Talkshows angucke, habe ich das Gefühl, dass wir uns in den letzten Jahren zurück entwickelt haben. Ich würde mir das anders wünschen. Aber du siehst ja auch: „Baumgeflüster“ ist der erste schwule ZDF-Herzkino-Film. Umso schöner, dass er gedreht wurde!
Es soll überhaupt kein Gegeneinander sein, aber ist schwule Liebe im Film dann doch mehr akzeptiert als lesbische?
Ehrlicherweise habe ich zu wenig Wissen zu dem Thema, um deine Frage zu beantworten.
Es stimmt, dass schwule Männer früher in die Fernsehunterhaltung integriert wurden, aber meist auch nur als Comic Relief. Mir wurde mal die Rolle des homosexuellen Parfümverkäufers in einer Sitcom angeboten. Diese Rolle habe ich damals abgesagt, weil ich sie unmöglich fand.
In „Liebesdings“ habe ich dann einen Maskenbildner gespielt, der eigentlich total drüber war. Die Rolle habe ich zusammen mit der Drehbuchautorin Annika Decker entwickelt, und die Figur habe ich wirklich gern gespielt. Es ist aber auch etwas anderes, ob wir das zusammen erarbeiten oder ein heteronormativer alter Mann ein Drehbuch schreibt und sich einen schwulen Mann vorstellt.
Ich habe tatsächlich selten frauenliebende Frauen im TV gesehen. Schwule Männer haben mehr Sichtbarkeit in Film und TV als lesbische Frauen.

Robert Stadlober spielt in „Baumgeflüster“ deinen Partner. Ist es wichtig, dass der Cast möglichst queer ist, oder spielt das weniger eine Rolle für dich?
Robert spielt das wirklich toll. Er ist ein sehr sensibler, offener, toleranter Mensch. Ich finde nicht, dass nur Schwule Schwule spielen dürfen. Ich möchte ja auch heterosexuelle Rollen spielen.
[Er überlegt.]
Gleichzeitig wünsche ich mir mehr Sensibilität von Schauspielern, wenn sie schwule Rollen angeboten bekommen. Denn oft steckt in den Figuren sehr viel Schmerz, Kampf, Trauer und Scham, von denen Heterosexuelle womöglich keine Ahnung haben. Ich weiß nicht, ob man die Diskussion so pauschal führen kann. Es kommt immer auf die Rolle und den Schauspieler an. Am Ende muss es glaubhaft sein und niemanden ins Lächerliche ziehen.
Du hast gerade von Schmerz und Kampf und Scham gesprochen. Spürst du Druck, dass du, weil du in der Öffentlichkeit stehst, Homosexuelle repräsentieren musst? Ich hardere mit dieser Frage, denn wann immer ich mit jemandem aus einer marginalisierten Gruppe spreche, muss die Person stellvertretend für alle antworten. Was so überhaupt nicht sein sollte.
Ich bin ganz deiner Meinung, es sollte nicht so sein. Und ich empfinde auch keinen Druck. Ich habe Menschen um mich herum, bei denen ich mich nicht erklären muss. Ich erinnere mich aber, dass mir in einer Talkshow mal Fragen danach gestellt wurden, ob man als schwuler Mann immer betonen muss, dass man schwul ist. Da hat sich dann eine Autorin und Poetry-Slammerin ins Gespräch eingeklinkt und gesagt, dass sie diese Fragen total daneben findet und ich nicht da wäre, um das für alle zu erklären.
Ich fand das toll und kann deswegen nur sagen: Wenn ihr eine Ally, also Verbündete, seid, dann werdet laut! Wir brauchen mehr Allies denn je. Wir brauchen heterosexuelle Menschen, die sich nicht auf die Seite der AfD oder anderer Parteien stellen, sondern die uns sehen und unterstützen. Wir sind gleichwertige Menschen, wir sollten die gleichen Rechte haben. Kommt mit uns auf die Straße, setzt euch für uns ein. Und zwar nicht nur im Juni, weil ihr gern den CSD feiert.
Und apropos CSD: Das ist eine Demo und eine große Party, aber es ist auch der Ausdruck einer Freiheit, die jahrelang unterdrückt wurde.

Wir leben beide in Berlin, wo vieles auch ein bisschen offener ist. Menschen können sich hier vielleicht leichter kreativ ausleben als an anderen Orten. Du bist ja nicht nur Schauspieler, sondern auch Moderator und Podcaster …
Ich mache mit Anja Rützel den Podcast „Sendepause Fehlanzeige“, in dem wir über Reality-TV sprechen, was wirklich sehr viel Spaß macht. Denn auch hier kann ich vieles aus meinem Leben als schwuler Mann teilen. Wir analysieren und besprechen die verschiedensten TV-Formate, aber erzählen eben auch ganz viel Privates.
Dort habe ich auch über meine Trennung gesprochen, über meine leicht unglückliche Verknalltheit in Kapstadt. Mein ganz alltägliches Leben eben. Unsere Hörer:innen freuen sich, dass Anja und ich offen sind, dadurch identifizieren sie sich mit uns.
Es hilft meiner Meinung nach immer, Dinge zu teilen, weil sich andere dann damit identifizieren können und sich weniger allein fühlen.
Genau deswegen mache ich jetzt noch einen weiteren Podcast. Der heißt „Happy Life mit Jochen Schropp“. Ich habe mit dem Podcast bei Podimo wirklich ein tolles Zuhause gefunden. Die Folgen sind kostenlos hörbar, überall, wo du deine Podcasts hörst, Bonusfolgen und Meditationen gibt es zusätzlich exclusiv bei Podimo.
Im Podcast spreche ich mit Expert:innen und Freund:innen darüber, wie man ein zufriedeneres Leben führen kann. Wir geben Impulse und sprechen über kleine Veränderungen mit großer Wirkung. Das ist in diesen Zeiten einfach so wichtig. Wir leben in Berlin, hier gehen viele zum Yoga, machen Soundbaths, Breathwork. Manche Leute haben allerdings gar keine Werkzeuge dafür, mit ihrem Stress oder ihren Sorgen umzugehen.
Ich möchte diese Themen so nahbar wie möglich angehen, damit sie auch wirklich jede und jeder verstehen kann. Wir haben eine Folge zu Familienaufstellungen gemacht, eine andere heißt „People Pleasing und die Kraft des Nein-Sagens“. Es gibt eine Folge über Abgrenzungen in Freund- oder Partnerschaften. Wo fängt Egoismus an und wo hört gesunde Abgrenzung auf? Alles Themen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, um mehr bei uns zu sein.
Ich glaube, wir brauchen noch viel mehr solcher Outlets. Denn Menschen dürfen erkennen, dass sie mit ihren Sorgen, Schmerzen und Nöten gar nicht so allein sind, wie sie sich vielleicht manchmal fühlen.
Ich habe mich letztes Jahr nach der Trennung auch manchmal allein gefühlt. Der Partner ist ja oft die Person, der man alles erzählen will und der war plötzlich nicht mehr da. Es gibt natürlich viele gute Freund:innen, aber die ruft man wegen mancher Themen dann eben doch nicht an.
Ich habe mir viele Gedanken gemacht, ein Seminar zum Thema Familienaufstellungen besucht.Es war wie eine Reise zurück zu mir selbst. ich habe so viele unterschiedliche Menschen kennengelernt, die niemanden haben, mit dem sie ihre Themen besprechen können. Die ihrer Familie erzählt haben, sie wären auf einem Arbeitsseminar, weil sie sich geschämt haben, dass sie an sich und ihren Beziehungen arbeiten.
In der Bubble, in der wir beide unterwegs sind, ist es vermutlich ganz normal, über Therapie zu sprechen, da schämt sich niemand dafür. Aber das ist ja nicht bei allen so. Vielleicht kann mein Podcast eine Hilfe sein.
Baumgeflüster ist ab sofort in Web & App vom ZDF zu sehen. Ihr könnt den Film am 29. März um 20:15 Uhr auch im ZDF anschauen. Jochens Podcast „Happy Life mit Jochen Schropp“ könnt ihr überall hören, wo ihr eure Podcast hört, natürlich auch auf Podimo. Und Jochens Podcast mit Anja Rützel „Sendepause Fehlanzeige“ findet ihr ebenfalls überall dort, wo ihr Podcasts hört.

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