Doris Schretzmeyer, die ihr ab sofort als Tierärztin in „Die Maiwald“ im ZDF anschauen könnt, strahlt aus, was ihre Figur auch verkörpert: Ruhe und Gelassenheit, selbst wenn der Alltag um sie herum tobt. Gleichzeitig haben wir im Interview durchaus auch Seiten an Johanna Maiwald gefunden, die wir uns vielleicht nicht alle abschauen sollten. Wenn ihr moderne Heimatfilme mögt, dann lohnt sich ein Blick auf „Die Maiwald“ auf jeden Fall.
In „Die Maiwald“ arbeitest du ja auch mit vielen Tieren. Welches hat dich bei den Dreharbeiten am meisten gefordert?
Doris Schretzmayer: Ich habe mich gut auf die Herausforderungen vorbereitet und habe im Salzburger Land zwei Tierärztinnen vermittelt bekommen, die gemeinsam eine Praxis führen. Die eine ist für die Großtiere zuständig, die andere für die Kleintiere. In „Die Maiwald“ ist Johanna ja für beides zuständig. Ich durfte mit den beiden Frauen mehrere Tage verbringen, weil es mir wichtig war, authentisch mit den Tieren umzugehen.
Für die Rolle war es wichtig, dass es keine Berührungsängste mit Tieren gibt und die habe ich auch tatsächlich nicht. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, bringe also von Haus aus schon sehr viel mit. Ich habe grundsätzlich keine Angst vor Tieren. Mit einer der Tierärztinnen war ich zu Übungszwecken in einem Kuhstall und da haben wir an drei Kühen, die angebunden waren, gearbeitet. Plötzlich aber stupst mich von hinten eine Kuh leicht an und schaut mir über die Schulter, da bin ich ganz schön erschrocken. [Sie lacht].

Ich wusste nicht, dass das ein moderner Stall war, in dem andere Kühe frei herumlaufen dürfen. Jedenfalls wurde mir gezeigt, wie ich die anfasse, wie ich was untersuche, wir waren alle sehr konzentriert. Denn natürlich können beim Dreh Kühe um sich schlagen oder mit ihrem Kopf schubsen. Darauf muss man immer vorbereitet sein, aber ohne Angst.
Die Frage, welches Tier bei den Dreharbeiten am herausforderndsten war, ist schnell beantwortet: Katzen. Katzen machen selten das, was sie sollen. Wir haben eine fantastische Tiertrainerin, die Katzen mit einer ausgeklügelten Zeichensprache und Thunfischpaste als Belohnung vorbereitet, aber das Tier hat trotzdem über weite Strecken nicht das gemacht, was im Drehbuch stand. Im Schneideraum kann das jedoch ausgeglichen werden, in dem man die besten Takes wie ein Puzzle zusammenbaut. [Sie lacht]

Ich finde super, dass du den Respekt für Kühe ansprichst. Ich bin oft verwundert, wie leichtsinnig Menschen, die wandern gehen, mit Kühen umgehen, während ich versuche, da möglichst viel Abstand zu halten.
Man sollte definitiv Respekt vor Kühen haben. Ich will da keine Panik machen, man kann auf einer Alm natürlich an ihnen vorbeigehen. Mit einem Hund sollte man allerdings mehr als vorsichtig sein, denn da werden Schutz-Mechanismen bei den Mutterkühe bezüglich ihrer Kälber aktiviert. Man muss vor Kühen keine Angst haben, aber einen gesunden Respekt durchaus.
Respekt ist ein großes Thema für mich. Ich vermisse den oft in unserer Gesellschaft.
Man sollte vor jedem Lebewesen Respekt haben. Da gibt es auf jeden Fall eine Überschneidung zwischen Johanna und mir. Man weiß einfach nicht, was das Gegenüber schon alles erlebt hat, welchen Rucksack es mit sich herumträgt, was es schon verarbeitet hat und was noch nicht. Man kann jedem gegenüber zugewandt sein, ohne Grenzen zu überschreiten und auch ohne sich total zurückzunehmen. Man braucht dafür aber Zeit. Und uns wird gerne vermittelt, dass wir die nicht haben. Dabei sollte für Begegnungen immer Zeit sein.
Wieso schafft Johanna eigentlich so viel? Wieso lehnt sie sogar Hilfe ab? Wir Frauen müssen doch mal davon wegkommen, alles allein schaffen zu wollen.
Ich habe ja von den zwei Tierärztinnen erzählt, die sich die Bereiche aufteilen, die Johanna ganz allein abdeckt. Das ist schon ein interessantes Bild, dass meine Figur eigentlich die Arbeit für zwei macht. Und ich glaube, das kennen viele Frauen. Wir machen einfach, das geht schon alles. Frauen werden oft als Powerfrauen, als starke oder Superfrauen bezeichnet. Weil die Gesellschaft ihnen so viel umhängt und immer noch mehr und mehr draufpackt und am Ende dann als „Lohn“ noch das Etikett „Superfrau“ draufklebt.

Gleichzeitig finde ich gut, dass Johanna in ihrem Leben schon auch sehr selbstbestimmt ist. Sie hat Interesse an Männern, aber hat da überhaupt keine Eile. Wie du so schön sagst, für Begegnungen braucht es Zeit.
Grundsätzlich liebt Johanna den Umgang mit den Tieren wirklich sehr, schon seit ihrer Kindheit. Das ist das, was sie am liebsten macht. Sie weiß einfach, dass sie am richtigen Platz ist. Sie hat wenig Unruhe in sich, dass sie vielleicht woanders hinmuss, jemand anderes sein sollte. Diese Ruhe, die sie in sich hat, da können die Zuschauer gut andocken.
Wir erfahren in der ersten Folge ja noch nicht so viel über sie. Wir wissen nicht, warum sie so gern allein lebt. Warum hat sie diese Entscheidung getroffen, was ist da vorgefallen?
Welche privaten Erlebnisse Johanna geformt haben, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt erfahren. Aber vorab kann ich verraten, dass es eine langjährige Beziehung gab, nach deren Ende sie beschlossen hat: Ich komme am besten allein durchs Leben. Wir alle wissen, wie brüchig das Leben ist. Und auch solche Ideen wie für immer allein zu leben. Das funktioniert eine Weile und dann kommt etwas oder jemand und wirft das ganze Konzept über den Haufen. Ich hoffe, dass es weitere Folgen geben wird und wir viel mehr über Johanna erfahren.
In den ersten zwei Folgen wird vieles angedeutet, aber der Fokus liegt auf den anderen Geschichten. Johanna selbst kommt gut mit der Welt klar, sie tut was sie am meisten liebt und geht mit ihrem Pensum zu weit. Erst dann, als ihr Rücken streikt, versteht sie, dass sie Hilfe braucht.
Du hast gesagt, Johanna spürt, dass sie am richtigen Platz ist, sie muss nicht mehr suchen. Ich freue mich für jeden Menschen, der das in seinem Leben erreicht hat. Gleichzeitig denke ich: Wer sich Johanna zum Vorbild nimmt, kann eigentlich nur scheitern, oder?
In den späteren Folgen wird gezeigt werden, wo ihre Schwachpunkte sind. Womit tut sie sich schwer? Für den Anfang kommt sie mit allem gut klar und will gar nicht, dass sich etwas ändert. Überforderung wird verdrängt.
Für das eigene Leben kann man sich die Frage stellen, was man im kleinen Kreis verändern will. Gerade in diesen Zeiten, wenn man sich überfordert fühlt von KI, von der Politik, vom Weltgeschehen, zu schauen: Was ist mein eigener Wirkungskreis? Da kann man sich Johanna ja schon zum Vorbild nehmen, denn die kennt und nimmt ihren Wirkungskreis sehr gut ein.
Diese Stärke zu spielen, finde ich toll. Ich selbst bin da auch nicht immer so strukturiert wie Johanna. Ich freue mich, wenn wir in weiteren Folgen dann eben auch ein paar ihrer Schwachstellen aufdecken können. Denn wenn ich dich richtig verstehe, ist das im Moment für dich noch nicht sichtbar.

Für mich ist Johanna im Moment eher eine Fantasie, die ich mir angucke und denke: Krass, was die alles schafft. Natürlich hätte ich auch gern mehr Ruhe in mir, aber ich bin eher Team: Ich nehme mir 1000 Sachen vor und zweifle dann an mir, wenn sie nicht klappen.
In den ersten beiden Filmen ist das Privatleben noch ein Geheimnis, das wir in den kommenden Folgen langsam lichten werden, dann werden auch ihre Schwach- und Bruchstellen in die Geschichte fliessen. Im Moment sagt sie den Männern ja auch: Ich bin gern allein, egal wie toll ihr seid. Aber so eine Einstellung hat irgendwo ihren Ursprung und diese Geschichte werden die Zuschauer langsam kennenlernen.
Sie ist aktuell noch sehr eine Heldin, die glaubt, keine Hilfe zu brauchen. Bis sie sich verletzt. Ihre harte, selbstsichere Schale wird weiter aufbrechen.
Aber natürlich befinden wir uns mit „Die Maiwald“ im modernen Heimatfilm. Das ist ein Genre, das natürlich auch einen gewissen Rahmen vorgibt, wie eine Figur sich da bewegt.
Deine Johanna ist in Maria Alm sehr glücklich, sie braucht nichts anderes. Der neue Arzt kommt an und fragt sich, wo er hier eigentlich gelandet ist. Wie geht’s dir? Stadt oder Land?
Ich lebe sehr gern in einem verkehrsberuhigten Viertel in Wien. Früher hätte ich auf die Frage Berge oder Meer immer mit „Meer“ geantwortet. Seit ich die Gegend kenne, in der wir gedreht haben, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Die Landschaft ist wunderschön, weit und sanft.
Beim Dreh hatte ich ein sehr großes Pensum, und wie alle Filmproduktionen haben auch wir immer weniger Zeit zur Verfügung. Mir ging es während des Drehs also manchmal wie Johanna. (Lacht).
Was mir bei dem Pensum aber geholfen hat, war die Stille des Landlebens und dass man nicht abgelenkt ist. Wenn ich morgens vor Sonnenaufgang in die Maske gegangen bin, habe ich schon die Berge in der Ferne schimmern gesehen. Bei mir löst das sofort ein tiefes Durchatmen aus. Die Berge und die Weite, das liebe ich sehr.
„Die Maiwald“ könnt ihr ab sofort in Web & App vom ZDF schauen. Ab 26. März 2026 könnt ihr die Folge um 20:15 Uhr auch im ZDF sehen.

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