Kya-Celina Barucki zu "Die Ältern" im Interview mit Andrea Zschocher

Kya-Celina Barucki: „Ich glaube, dass man sein ganzes Leben lang herausfindet, worum es eigentlich geht“

Ein Gespräch mit Kya-Celina Barucki vergeht wie im Flug. Weil sie voll sprudelnder Ideen und Lebendigkeit ist, gleichzeitig aber auch gewillt ist, richtig tief zu gehen. Ich mag diese Kombination sehr, nicht alle Interviewpartner*innen sind dazu bereit. Aber Kya-Celina Barucki hatte zum Glück gar keine Berühungsängste, wie ihr direkt bei der ersten Frage feststellen werdet.

Von ihrem schauspielerischen Talent könnt ihr euch ab dem 12.02.26 in „Die Ältern“ überzeugen, einem Film der in den Mittelpunkt rückt, dass Eltern und Kinder sich irgendwann auch loslassen müssen, um zu sich selbst (zurück)zufinden. So ein wichtiges Thema, zu dem ich sehr gern noch mehr Filme sehen wollen würde. Jetzt aber erstmal das Interview mit Kya-Celine Barucki lesen, dann ins Kino gehen und dann freue ich mich auf eure Antwort auf die Frage: Worum gehts denn im Leben?

Worum geht’s für die paar Jahre, die wir auf der Welt sind?

Kya-Celina Barucki: Das ist deine erste Frage? Wirklich? Wow. [Sie lacht]

Ich glaube, dass man sein ganzes Leben lang herausfindet, worum es eigentlich geht, und auch immer wieder neu entdeckt, was der Sinn des Lebens ist. Aktuell glaube ich, geht es darum, herauszufinden, womit man seine Zeit verbringen möchte, womit man sich umgeben möchte, mit welchen Menschen, mit welcher Arbeit, mit welchem Umfeld. Was tut einem gut, das ist ja eine große Frage. Und dieser Antwort dann zu folgen. Ich glaube, es ist das Allerwichtigste, auf sein Herz zu hören.

Kya-Celina Barucki zu "Die Ältern" im Interview mit Andrea Zschocher
© Constantin Film Distribution / Gordon A. Timpen

Im Film geht es um Träume und Sehnsüchte. Ältere Menschen fragen wir ganz selbstverständlich danach, aber junge Menschen eher selten. Deswegen will ich von dir unbedingt wissen: Was sind deine Träume, Wünsche und Sehnsüchte?

Vielleicht fragt man jüngere Menschen das weniger, weil man glaubt, sie hätten noch so viel mehr Zeit, das alles herauszufinden?

Für mich war es schon immer wichtig, dass ich eine Arbeit habe, die mir so viel Spaß macht, dass sie sich gar nicht wie Arbeit anfühlt. Wenn du also wissen möchtest, was ich unbedingt noch machen will, dann ist meine Antwort: ganz viel weiterarbeiten in diesem schönen Beruf, in dem man so viele neue Sachen entdecken und über sich selbst und andere Menschen herausfinden kann. Ich darf mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten, da bin ich sehr dankbar für. Und ansonsten möchte ich einfach ganz viel erleben und ausprobieren.

Kya-Celina Barucki zu "Die Ältern" im Interview mit Andrea Zschocher
Constantin Film Distribution GmbH / Joshua Sammer

Du spielst Carla, die recht selbstverständlich von zu Hause auszieht und insbesondere ihren Vater damit überfordert. Wie geht gutes Abnabeln von den Eltern?

Ich muss sagen, mir fällt das total schwer. Ich bin ein Elternkind und muss mindestens einmal in der Woche zu meinen Eltern fahren. Weißt du, was lustig war: Beim Dreh hat sich meine Filmwelt mit meinem Privatleben überschnitten. Denn ich bin zu dem Zeitpunkt auch gerade von zu Hause ausgezogen. Und für mich war das richtig schwer. Ich wusste, dass dieser Step jetzt kommt und auch, dass es total okay ist, aber es war trotzdem schwer.

Einerseits dachte ich: Ich mach jetzt mein Ding, und dann sagt mir keiner mehr, wie es in meinem Zimmer aussehen muss. Und gleichzeitig habe ich gezweifelt, ob es die richtige Entscheidung ist. Ich habe meine Eltern wirklich mehrfach gefragt, ob ich zurückziehen darf, wenn ich merke, dass ich doch wieder nach Hause will.

Abnabeln ist so ein schwieriges Wort, weil ich selbst das gar nicht so wollte. Ich bin einfach sehr gern nah bei meinen Eltern.

Abnabeln fiel dir also nicht ganz so leicht, dann lass uns doch mal was für alle geschundenen Elternherzen tun: Was ist toll an Eltern?

Das ist natürlich schwer, da etwas Allgemeingültiges zu sagen. Eltern sind unterschiedlich, und es ist ja auch ganz unterschiedlich, wie man aufwächst und welche Beziehung man zu seinen Eltern hat. [Sie überlegt]

Was ich toll finde, auch wenn man das in der Situation selbst natürlich nicht hören möchte, ist, wie oft Eltern recht haben. Sie wissen oft vorher, ob etwas gut oder nicht so gut für einen ist. Natürlich denkt man sich in dem Moment, dass man Dinge halt selbst erleben will. Und danach denke ich oft: „Okay, Mama, du hattest ja recht. Mist!“ [Sie lacht]

Meine Mama sagt mir immer wieder, dass sie sich so krass in meinem Alter sieht. Sie hat vieles selbst erlebt, versteht auch, dass sie früher selbst anders reagiert hätte. Aber oft weiß sie es dann wirklich besser.

Kya-Celina Barucki zu "Die Ältern" im Interview mit Andrea Zschocher
© Constantin Film Distribution / Gordon A. Timpen

Was magst du an deiner Carla am liebsten, und was geht dir vielleicht auch ein bisschen auf den Keks? Also abgesehen von Paul ;D

Ich glaube, Paul ist jemand, den sie total mag, der geht ihr sicher nicht auf den Keks. [Sie lacht]

Ich finde, sie ist wahnsinnig mutig. Denn sich selbstständig zu machen und diesen Punkt zu erreichen, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und nicht mehr von den Eltern bestimmen zu lassen, das bedarf schon ganz schön viel Mut. Sie zeigt das gar nicht so sehr, was aber, vermute ich, nur ein Schutzmechanismus gegen Angst, Unsicherheit und Unwissenheit ist. Carla probiert sich aus, das finde ich toll.

Und was ich nicht ganz so gut finde … Manchmal tut mir der Papa schon leid, wenn sie ihn da einfach so hängen lässt. Da denke ich: Tu ihm doch den Gefallen, er will doch einfach nur mit dir frühstücken.

Wenn du Carla einen Tipp für ihr weiteres Leben geben könntest, welcher wäre es?

Gute Frage! Ich denke jetzt gerade die ganze Zeit an ihre Beziehung zu Paul.

Am Ende hat sich Carla zwar versucht, von ihren Eltern zu lösen, aber sie hat direkt die nächste Person gefunden, an die sie sich bindet und an der sie festhält. Ich würde ihr wünschen, dass sie noch mutiger sein kann, dass sie versucht, mehr auf sich selbst zu hören. Sie muss doch erst herausfinden, was sie will, ohne sich an irgendwen zu klammern.

Ich persönlich finde es auch super schwer, allein zu sein und plötzlich alle Entscheidungen zu treffen und allein meinen Weg zu gehen. Aber es ist doch wichtig. Deswegen würde ich Carla ermutigen, nicht den Erstbesten an die Hand zu nehmen, sondern allein herauszufinden, wo ihr Weg sie hinführt.

„Die Ältern“ läuft ab dem 12.02.26 in allen Kinos. Ich wünsch euch viel Spaß beim Film und freue mich extrem auf eure Antwort auf die Frage: Worum gehts für die paar Jahre, die wir auf der Welt sind?


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